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16. Dezember 2011

Ein Märchenspiel für die ganze Familie

Atelier Theater Riehen spielt "Aschenputtel" als Musical.

  1. Aschenputtel (Ursina Früh, rechts) wird von ihrer bösen Stiefmutter und Stiefschwester schikaniert. Foto: Roswitha Frey

Prinz sucht Frau. Nein, das ist keine neue Verkupplungs-Show im Fernsehen, sondern die Geschichte vom traurigen Königssohn, der erst wieder glücklich wird, wenn er die Richtige gefunden hat. So jedenfalls erzählt es Dieter Ballmann in seinem "Aschenputtel"-Theaterstück frei nach dem Märchen der Brüder Grimm. Im Atelier Theater Riehen ist diese Mär vom armen Mädchen, das wie eine Dienstmagd behandelt wird und als unbekannte Schöne beim Ball im Schloss den Prinzen bezaubert, als unterhaltsames Märchen-Musical für die ganze Familie zu sehen. Dass Märchen im Computerzeitalter keineswegs out sind und Kinder wie Erwachsene heute noch faszinieren können, zeigt sich in dieser liebevoll gemachten Produktion in einer Dialektfassung von Yvette Kolb. Besonderen Charme bekommt das Stück durch die eigens dafür komponierte Musik und eingängigen Lieder des Baslers Raphael Meyer.

Humorvoll werden in der Einstiegsszene zwei Figuren eingeführt, die fortan die Handlung vergnüglich vorantreiben: zum einen der prachtvoll mit weißer Allongeperücke, rotem Mantel und brokatgeschmücktem Kostüm ausstaffierte König. Mario Donelli trägt seine Majestäten-Würde und -Bürde mit altersklugem Humor und heiter-jovialen Sprüchen, die er an seine "Untertanen" im Publikum richtet. Ihm zur Seite agiert Nico Deleu als wichtigtuerischer Hofmarschall ("Ich heiße nicht nur Klug, ich bin auch so!"), der ständig die Wörter verdreht und damit Running Gags liefert.

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Der väterliche König sorgt sich um seinen schwermütigen Sohn, den selbst eine Wundermedizin von Doktor Bitterli (Nico Deleu gibt einen köstlichen Quacksalber à la Molière) nicht zum Lachen bringt. Als Mittel gegen die Traurigkeit soll der Prinz nun also heiraten. Ein Fest wird ausgerufen, zu dem alle jungen Mädchen des Landes eingeladen sind. Die nächste Szene führt in eine Küche, wo Aschenputtel am Herd steht, Schuhe putzen muss und von ihrer Stiefmutter und Stiefschwester herumschikaniert wird. Regisseur Dieter Ballmann und Bühnenbildnerin Dietlind Ballmann haben das Märchenspiel optisch schön ausgestattet mit gemalten Kulissenbildern, goldenen Stühlen und prächtigen historischen Kostümen, so dass auch fürs Auge einiges geboten wird. Und sie haben Schauspieler auf der Bühne, die das Märchengenre ernst nehmen und ihre Figuren und Charaktere treffend zeichnen. So strahlt Ursina Früh als gutherzige Aschenputtel auch in ärmlichen Lumpen und Schürze natürlichen Liebreiz und mädchenhaft zarte Anmut aus.

Die pure Verkörperung von Boshaftigkeit und Falschheit ist Isolde Polzin als Stiefmutter, die vor keiner Schandtat zurückschreckt, um Königinmutter zu werden. . Eine Entdeckung ist die von der Berner Musicalschule kommende Rosanna Heckendorn als eitle, hochnäsige Stiefschwester. Reto Ziegler schließlich ist ein jünglingshafter Bilderbuch-Prinz, der die Wandlung vom einsamen traurigen Thronfolger zum förmlich aufblühenden Verliebten nachvollziehbar macht.
– Weitere Vorstellungen am 17. und 18. Dezember sowie 14., 15., 22. und 29. Januar, jeweils 15 Uhr. Vorverkauf Musikhaus Geissler Lörrach, Tel.  07621/84460

Autor: ros