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02. Februar 2012

Empire V im Theater Basel: Die Akteure bewegen sich wie in einem animierten Comic

Empire V im Theater Basel: Eine fantastische Geschichte über das postglobale Reich der Vampire.

  1. Eine Szene aus Empire V Foto: Simon Hallström

Der Regisseur Alexander Nerlich hat für das Theater Basel Viktor Pelewins 400-Seiten-Kultroman "Empire V" auf zwei Bühnenstunden eingedampft: Eine fantastische Geschichte über das postglobale Reich der Vampire, konzis, klug und sinnenfreudig inszeniert.

Der Moskauer Jüngling Roma ist ein arger Simpel. Darum folgt er auch der dubiosen Aufforderung "Nutzen Sie die Chance zum Eintritt in die Elite", ohne genauer darüber nachzudenken. Er findet sich gefesselt in einem dunklen Raum wieder. Ein in blutige Verbände gewickelter Mann beißt ihn und setzt ihn davon in Kenntnis, dass er jetzt ein Vampir sei mit dem Götternamen Rama. Danach erschießt sich der Vampirmacher.

Mit "Dracula" und "Twilight" hat die Spezies, zu der Rama nun gehört, wenig gemein. Die Vampire des Empire V – nach dem Dritten Reich und dem Vierten globalisierten Rom – sind die wahre Krone der Schöpfung und sie haben sich die Menschen als Nutzvieh gezüchtet.

Mit jedem Schluck Blut saugen sie die Persönlichkeitsdaten des Gebissenen in sich hinein und wissen danach alles über ihn. Die wahre Delikatesse aber ist Bablos (angeblich aus akkadisch "babilu", "Gottes Tor"), das Vampire zu Göttern macht. Es handelt sich dabei um ein Kondensat der in Geld enthaltenen menschlichen Lebenskraft.

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Um diese und weitere Eigenheiten des Vampirlebens kennenzulernen, muss der Neuling Rama verschiedene Lehrgänge durchlaufen, etwa beim Handtaschen-Mephisto Mitra, dem Wirtschafts-Oberboss Enlil oder der cognacsüchtigen Vampirgöttin Ischtar. Loki und Freya unterrichten Rama über die Säulen der menschlichen Gesellschaft, Glamour und Diskurs: Glamour impft den Menschen physische Minderwertigkeitsgefühle ein, Diskurs macht dasselbe geistig. Beides lässt sich prima kommerziell ausnutzen. Auch in Vampirsex und Kampfkunst bildet das Gothic-Pärchen den Frischling aus: Vorgetäuschte Orgasmen von Menschenfrauen sind mittels Schlägen zu unterbinden, da Frauen mit gefälschter Ekstase Männern nur Geld aus der Tasche ziehen wollen. Kampfkunst ist einfacher: Da reicht die Einnahme eines Todesbonbons. Mitten in der Ausbildung lernt Rama die Jungvampirin Hera kennen und lieben. Aber durch Eifersucht und mangelndes Vertrauen – endlich etwas, was einem bekannt vorkommt – droht er sie zu verlieren. Ob er schließlich "Obermacka Offsewörld" wird, sei nicht verraten.

Special Effects in einer bizarren Geschichte

Die Geschichte um eine postkapitalistische Zukunft, in welcher der ganze Mensch und nicht nur seine Arbeitskraft ausgebeutet wird, ist an sich schon bizarr genug. Regisseur Nerlich reichert sie mit reichlich Special Effects an. Dafür hat er, wie schon bei "Jekyll und Hyde", die Multimedia-Künstlerin Franziska Nyffeler angeheuert. Sie hat eine elaborierte Video-Kulisse entworfen, in der sich die Akteure wie in einem animierten Comic bewegen. Annina Züst verpasst den Vampiren glamouröse Gothic-Kostüme, die sich teilweise auch auf Laufstegen gut machen würden. Und Malte Preuss hat einen dem Text wie angegossenen Soundtrack geschrieben.

Schauspielerisch sind die Alt-Vampirrollen – Dirk Glodde, Martin Hug, Katka Kurze und Atef Vogel – nicht sehr ergiebig, denn sie wollen chargiert werden. Fühlen und leiden tun vor allem Leopold Hornung als Rama und Marie Jung als Hera – er etwas zu ungestüm, sie etwas zu verhalten.

– Die nächsten Aufführungen: 18. und 23. Februar, 5. und 10. März, jeweils 20.15 Uhr. Eintrittskarten unter Tel.  004161/2951133, E-Mail: billettkasse@theater-basel.ch

Autor: sda