Breisacher Festspiele

Graf von Monte Christo: Lebenssinn lässt sich nicht kaufen

René Freudenthal

Von René Freudenthal

Di, 14. Juni 2011 um 08:33 Uhr

Theater

Mit einer gelungenen Premiere haben die Festspiele in Breisach begonnen. Jesse Coston inszenierte den "Graf von Monte Christo" als Parabel über Macht und Verführungskraft des Geldes.

Einen Freudschen Versprecher leistet sich Breisachs Bürgermeister Oliver Rein zur Premiere des Abendstücks der sommerlichen Festspiele: Den "Graf von Monte Casino" kündigt er einem erstaunten Publikum an. Ein naheliegender Lapsus, auch wenn sich Breisachs Oberster umgehend korrigiert: Hat Regisseur Jesse Coston doch mit der Theaterfassung von Alexandre Dumas’ Abenteuerroman eine Parabel über Macht und Verführungskraft des Geldes auf die Freilichtbühne gebracht. Mit Reichtümern lassen sich Rache und Sühne erwerben, eine Seele kostet, so später die Kalkulation des düsteren Grafen, maximal "20 Millionen Louisdor": ein Leitmotiv, das Coston elegant in seine Inszenierung einwebt.

Er hat sich eines hochkomplexen Stoffs angenommen: Die Lebensgeschichte Monte Christos, der im Frankreich der post-napoleonischen Restauration Vergeltung sucht, wird in Breisach ganz auserzählt. Diverse Rollen sind deshalb mit einer jüngeren und einer gealterten Version doppelt besetzt. Das gelingt in der Hauptrolle: Der junge Kapitän Edmond Dantes (Falk Döhler) kehrt nach unverschuldeter zehnjähriger Kerkerhaft im Alter Ego des reichen Grafen de Monte Christo (Udo Lange) zurück, um das verräterische Aufsteiger-Trio Morcerf, Danglar und Villefort (brillant: Jens Distel) zu vernichten. Döhler besitzt Starqualitäten und beinahe zu viel vom Pathos der Jugend; Lange tariert das durch die bittere Patina des hasserfüllten Wiedergängers aus. Alexandra Laurenat dagegen spielt den weiblichen Hauptpart der Mercedes, erst verlorene Braut Dantes’, dann unglückliche Gattin des Opportunisten Morcerf (Florian Weiß), durchgehend: Die Rolle der Entsagenden ist ihr auf den Leib geschneidert.

Für sein Rachedrama setzt Regisseur Coston diesmal ganz auf theatralen Event-Charakter: Videoinstallationen (Bühnenbild: Stephanie Breidenstein), Feuerwerk, Pistolen- und Fechtduelle, schnittige Prachtkostüme. Das gipfelt überzeugend im großen Ball des Grafen, wo in furioser Choreographie Flamenco auf Pathos trifft. Die folgenden einzelnen Vergeltungsschläge des Grafen mögen gewisse Längen haben, doch Coston bringt seinen Stoff zu einem überzeugenden Ende: Das Jüngste Gericht sucht den adligen Rächer heim, und fackelschwingend sprechen die Schatten der Vergangenheit ihr Urteil über sein Leben: "Sinnlos!" Denn Lebenssinn lässt sich nicht kaufen. "Santé" also auf einen gelungenen Festspiel-Auftakt.

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