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16. März 2011
Jede Menge Herzblut
"Spielzeit Opening Now!" – eine Collage der freien Gruppe "Theater 1098" in Freiburg.
Eine Szenencollage quer durch die Stile und Epochen der Theatergeschichte – das bietet den zehn Schauspielern des Freiburger Theaters 1098 jede Menge Gelegenheit, ihr Können an unterschiedlichsten Stoffen unter Beweis zu stellen. Dabei setzt der Regisseur Dietmar Berron-Brena bei der Premiere im Theater in der Kunstetage Freiburg ganz auf Reduktion: In einheitlichem Schwarz sitzen sich die Amateur-Akteure in zwei Stuhlreihen auf offener Bühne gegenüber, es gibt weder Kostüme, Requisite noch Bühnenbild. Dass sich die rund zwanzig ausgewählten Miniaturen auch noch allesamt mit dem Theatermachen selbst beschäftigen, hat da doppelt Charme.
Trotzdem zieht sich die erste Hälfte des Programms "Spielzeit Opening Now!" doch ziemlich zäh dahin: Nach der Ansprache einer fiktiven Intendantin nach Gotthold Ephraim Lessings Text "Die Hamburgische Dramaturgie" folgt in einer Art Vorschau auf die kommende Spielzeit ein Ausschnitt der englischen Farce "Pickelhering in der Kiste", Pyramus und Thisbe aus Shakespeares "Sommernachtstraum" oder "Richter Rattengift" aus Christian Grabbes "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung": ein Kaleidoskop von Splittern und Fragmenten, die zweifelsohne jede Menge theatergeschichtliche Bedeutung haben, aus ihrem Zusammenhang gerissen aber doch eher blass bleiben. Trotz Überzeichnung und Groteske sind die Szenen stellenweise zu lang, und die Sache wird eintönig.
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Vielleicht wäre es reizvoller gewesen, die Chronologie zugunsten von Spannung und Kontrast aufzubrechen und Altes mit Neuem zu kombinieren? Letzteres jedenfalls entwickelt nach der Pause ungleich packender seine Wirkung, zumal die Darsteller hier mit viel Spiellust und Kreativität spürbar zu Hause sind. Schnell geschnitten geht es Schlag auf Schlag: Auf ein experimentelles Lautgedicht von Gertrude Stein folgt eine mitreißend rhythmisierte Wortsonate von Jean Tardieu, eine Beckett-Szene ohne Worte schließt an Satirisches von Kishon an, Hamlet-Monologe in zwei Variationen treffen auf Helmut Eisendles Text "Theatermachen". Das hat Pep, Witz und Tempo. Dabei wird vor, zwischen und nach der gut neunzigminütigen Aufführung auch noch das Foyer bespielt! Hut ab vor so viel Flexibilität und Engagement der altersgemischten Truppe; es gibt an diesem Abend tolle Momente, und in jeder Szene steckt sichtbar Herzblut.
Autor: Marion Klötzer
