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02. Mai 2011

Mut und Meloneneis

Sebastian Sprengers Kinderoper "Henrietta und die Feuerfee" am Theater Freiburg.

  1. Die Feuerfee (links) mit Henrietta und Sven. Die B-Premiere der Produktion ist morgen um 18 Uhr. Foto: Kolodziej

Im Kleinen Haus des Freiburger Theaters kam jetzt Sebastian Sprengers 2008 in Hamburg uraufgeführte Kinderoper "Henrietta und die Feuerfee" auf die Bühne. Das Libretto dazu stammt von Sören Ingwersen. BZ-Kulturredakteur Johannes Adam und seine neunjährige Tochter Caroline besuchten die Premiere und unterhalten sich hier über das Ergebnis.

WORUM GEHT ES IM STÜCK?

Caroline: Es geht um ein Mädchen namens Henrietta, das gern eine Fee wäre. Aber Eltern und Freunde sagen immer, das sei ein bisschen albern für ihr Alter. Plötzlich verschwindet Henriettas Bruder Sven – mit der Folge, dass Henrietta nicht mehr spricht. Henrietta und ihre Freunde suchen den Bruder – aber das ist ganz schön schwierig, weil die Feuerfee ihn gefangen hält.
J. A.: In dieser Kinderoper, die fast zwei Stunden dauert, geht es um einen doppelten Verlust: Henrietta sucht nach ihrem Bruder, und die Feuerfee möchte ihren Verlobten Cyrus wiederhaben, der vom Orakel, zu dem sie ihn geschickt hatte, nicht zurückgekommen ist. Das alles wird in dieser Inszenierung, die für Kinder ab acht Jahren gedacht ist, sehr schön gezeigt.

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WAS IST GELUNGEN?

J. A.: Die Inszenierung arbeitet mit einfachen, doch wirkungsvollen Mitteln. Marta Ormians Bühne ist eine Mischung aus Chorpodest und Elementen eines antiken Amphitheaters.
Caroline: Bei den Kostümen (Katrin Kosakowsky) fällt auf, dass Henrietta (Anna-Viola Schmieger) und ihre Freunde normale heutige Kleidung tragen, der Chor und die Feuerfee jedoch Fantasiekostüme. Sehr gelungen finde ich, wie die Bühne allein durch das Licht plötzlich zum Feuerberg wird. Die drei Freunde (einer für alle: Tobias Kamprad als Arild) sind ganz unterschiedliche Typen. Lustig ist, dass Henriettas Bruders Sven so schrecklich gern ausgerechnet Meloneneis mag.

WIE KLINGT DIE MUSIK?

Caroline: Sie passt zum Stück. Sie ist nicht in einem einzigen Stil komponiert wie etwa Barockmusik. Es ist neuere Musik, klingt aber nicht schräg. Diese Musik ist auch was für Leute, die eher Rock und Jazz mögen. Sie bringt zum Ausdruck, ob jemand fröhlich oder traurig ist.
J. A.: Die Musik ist vielgestaltig. Mal mehr Song oder Chanson, mal richtig swingend, mal ein wenig orientalisch. Man spürt: Der Komponist ist in diesem Genre daheim. Wie in einer herkömmlichen Oper gibt es auch mal ein richtiges Duett von Feuerfee (Julie Schneider) und Cyrus (Carina Schmieger) – da wird die normale Oper vielleicht sogar ein bisschen auf die Schippe genommen.

WAS TUT DER CHOR?

J. A.: Er steht hier ganz klar im Zentrum. "Henrietta und die Feuerfee" ist geradezu eine Choroper. Der Kinderchor des Freiburger Theaters hat entsprechend viel zu tun und ist bestens in Form. Der musikalische Leiter Thomas Schmieger hat mit den Kindern toll gearbeitet. Auch die Solisten sind Chormitglieder. Die Kinder dürfen beim Singen Kinder sein. Fürs Instrumentale sind Musiker des Philharmonischen Orchesters zuständig, die bei aller Präzision indes dynamisch nicht immer sehr stimmdienlich agierten. Oft war das Klavier ein wenig zu dominant.
Caroline: Der Chor – das sind die Waldmeister und die Traumgeister, außerdem am Anfang und am Ende die Schulkinder. Die Regisseurin Anne Catrin Carstens hat es geschafft, den Chor und damit die Kinder sehr gut zu bewegen. Man merkt, dass diese Regisseurin mit Kindern arbeiten kann. Und ganz wichtig: Es gibt ein Happy End.

WAS SAGT UNS DIESE OPER?

Caroline: Unter anderem, dass man in manchen Situationen, bevor man etwas tut, erst mal nachdenkt. Und dass es sich lohnt, mutig zu sein. Denn Henrietta ist mutig.
J. A.: Auch wenn Achtjährige sicher nicht restlos alles verstehen, etwa die Bezüge zur griechischen Mythologie oder Begriffe wie Orakel, Zerberus et cetera, und man bisweilen auch ein wenig straffen könnte: Sprengers Kinderoper ist als Werk sehr gelungen. Deutlich wird insbesondere, dass man Kinder heute auch abseits von musikalischem Minimalismus durchaus erreichen kann.

LOHNT SICH DER BESUCH?

J. A.: Absolut. Eine ganz starke Leistung aller Beteiligten. Großes Kompliment an Dirigent, Regie und Chor!
Caroline: Der Besuch lohnt sich echt. Aber man sollte mindestens acht Jahre alt sein und Interesse mitbringen.

– Weitere Aufführungen im Kleinen Haus des Freiburger Theaters: 3. und 5. Mai, jeweils 18 Uhr, 15. Mai, 16 Uhr, 28. Juni und 5. Juli, jeweils 11 Uhr. Info: Tel. 0761/4968888.

Autor: jad