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07. Februar 2012
Nachtschwarzes Kasperletheater
Gregor Bauers erstes Stück "Endzeitromantik" hatte Premiere in der Alemannischen Bühne.
Irritation gib’s schon bei den Plakaten: Die sind mal mit "Wollust", mal mit "Völlerei" übertitelt und zeigen knallig-krasse Szenen. "Endzeitromantik" heißt das erste Stück aus der Feder des 23-jährigen Freiburger Germanistikstudenten Gregor Bauer, der per Casting-Aufrufen eine bunte Truppe von Schauspielern zwischen 19 und 85 Jahren für sein Theaterprojekt gewinnen konnte.
Irritation à la Herbert Achternbusch herrscht dann auch von Anfang an im gut gefüllten Saal der Alemannischen Bühne: Nach einer knackigen Einführung aus dem Off in getragener Klaus-Kinski-Manier schwadroniert auf der Bühne ein junger Mann (Alexander Kraemer) über Sehnsucht und Urgeist, während sich ein zweiter Kopf aus seinem roten Überwurf schiebt: Geboren ist das Zwitterwesen Adam-Adolf, das sich in den folgenden achtzig hochtourigen Minuten beim Ringen um die absolute Liebe durch alle sieben Todsünden schlagen wird. Vor allem wird er in affektiertem Theater-Tremolo brüllen, winseln und geifern, schließlich ist dieser mit Hitlerbärtchen und weißgeschminktem Stummfilm-Gesicht stilisierte Adolf (Max Henkel) ein hochgradig gestörter Narzisst, der seine Gefühle für Eva (Hanna Lindner) in Extremstform lebt.
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Es sind nicht nur die Bezüge zu Hitler und Eva Braun, die den Zuschauer bei dieser Show im Gewand einer griechischen Tragödie in Habacht-Stellung halten – es sind vor allem die radikalen Brüche, die dem Ganzen eine schräge, surreale Note geben: So stecken inmitten der altertümlich gefeilten Textkolosse jede Menge Zitate und viel subversiver Witz, zwischen den roh gehauenen Kurzszenen puzzelt man ganz unbedarft mal Ausdruckstanz, mal Pantomime, Hörspiel oder skurrile Videoeinspielungen. Der Rest ist kryptische Karikatur und nachtschwarzes Kasperletheater, denn wenn fanatische Liebe und das personifizierte Böse aufeinander knallen, dann fliegen die Fetzen ...
Das alles könnte mächtig in die Hose gehen. Tut es aber nicht. Der Text ist dicht und virtuos gestrickt, die Schauspieler beeindruckend vital und der ganze Bilderbogen bei aller Sprach- und Kopflastigkeit doch so interessant, dass man auch dem Tabubruch des Hitler-Vergleichs etwas abgewinnen kann. Und wenn zwei ältere Damen sich zu dem Stichwort Faulheit in den Sesseln lümmeln oder Eva und ihr Adolf in einer exzessiven Völlerei mit Torte, Chips und Obst herumsauen, dann ist die Sache sogar richtig witzig. Am Ende taucht man strapaziert, aber auch inspiriert aus diesem Dampfkessel der negativen Gefühle auf und hat ziemlich Seltsames erlebt.
– Weitere Vorstellungen: Heute und am 10. und 11. Februar, jeweils um 20 Uhr in der Mensabar. Karten bei Walthari-Buchhandlung oder unter Vorverkauf@Josfritz.de
Autor: Marion Klötzer
