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27. November 2010

Prügel von segensreichen Händen

Komödie und Sozialkritik: "Don Camillo und Peppone" des Ateliertheaters Riehen im Scala Basel.

  1. Don Camillo (Wolfgang Czeczor, links) und Peppone (Michael Kausch) geraten immer wieder in Streit. Foto: Roswitha Frey

Die Kirchenglocken läuten. Eine alte Frau mit schwarzem Häkeltuch humpelt gebeugt, am Stock, auf die Bühne. Es ist die greise Signorina Christina, eine resolute "Instanz" in dem kleinen italienischen Dörfchen Boscaccio. In diesem fiktiven Dorf kurz nach dem Zweiten Weltkrieg spielen die Geschichten von "Don Camillo und Peppone", die durch die Verfilmungen mit Fernandel längst Kultstatus haben. Jetzt führt das Ateliertheater Riehen im Scala Basel diese politisch-satirischen Schelmengeschichten um den streitbaren Priester und den kommunistischen Dorfbürgermeister auf.

In der Bühnenfassung von Gerold Theobalt nach dem beliebten Roman von Giovannino Guareschi kommen diese Dorfstudien mit enorm viel Humor, Witz und Herz rüber. Die politische Aufbruchstimmung, die Konflikte und Streitigkeiten zwischen Hochwürden und dem "roten" Provinzbürgermeister, und die Familienfehden werden in der amüsanten und aufwändigen Inszenierung von Dieter Ballmann mit hintergründiger Ironie und handfestem Szenen- und Dialogwitz ausgetragen – auch die eingeblendeten Geräusche und die Musik haben geradezu filmische Effekte. Das Bühnenbild von Dietlind Allgaier mit Torbögen, Holzstühlen und großem Kirchenbild illustriert trefflich das Dorfmilieu der Nachkriegszeit zwischen Dorfkirche und Versammlungen der "Roten", die mit roten Halstüchern und roten Fahnen die Dorfgemeinschaft umkrempeln.

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Wolfgang Czeczor gibt den unkonventionellen Priester Don Camillo mit verschmitztem Humor und bissig-ironischen Kommentaren. Wenn er in seiner Kirche steht, "Zwiesprache" mit dem Herrn hält und aus dem Off die gütige Stimme Jesus ertönt und ihm gute Ratschläge erteilt, dann ist Czeczors Kirchenmann eine wunderbare Mischung aus Frömmigkeit, Weltklugheit und Schlitzohrigkeit. Eben ein Seelsorger, der seine "Schäfchen" und deren Schwächen und Eigenheiten genau kennt und für alle Probleme der Dörfler eine ungewöhnliche Lösung hat. Manches Mal muss die Stimme aus dem Off das Temperament des Pfarrers mäßigen: "Deine Hände sind zum Segnen da, nicht zum Prügeln…". Don Camillos "Kontrahenten", den schnurrbärtigen, ein bisschen einfältigen, robust auftretenden Bürgermeister Peppone, spielt der TV-Schauspieler Michael Kausch köstlich bauernschlau und bodenständig, wenn er verlegen an seinem Hut dreht, seine "Sünden" beichtet, seine Vespa repariert oder bei der Gemeindeversammlung einen Streik ausruft. Wie sich die beiden Streithähne Don Camillo und Peppone widerwillig annähern, respektieren und zum Schluss sogar einträchtig die Krippenfiguren putzen, gehört zu den stärksten Szenen dieser Theaterstücks, in dem es auf komödiantische Art auch um ernste sozialpolitische Dinge geht wie das Aufbegehren der Bauern und Arbeiter gegen den Großgrundbesitzer.

In weiteren tragenden Rollen sind zwei von den Burgfestspielen Rötteln bestens bekannte Darsteller zu sehen: Egon Klauser brilliert als selbstherrlicher Großgrundbesitzer Passotti mit aufbrausend cholerischem Temperament und bringt den gerissenen, verschlagenen Charakter dieser Figur mit kraftvoller Bühnenpräsenz rüber. Stürmisch, mit glühendem Elan spielt Simon Rösch den jungen aufmüpfigen Bauernsohn Mariolino, einen Anhänger der Kommunisten, der sich ausgerechnet in die Tochter des Großgrundbesitzers verliebt. Da kommt ein Hauch von Romeo und Julia auf dem Dorf ins Spiel, wenn Rösch und seine Partnerin Ursina N. Früh als Liebespaar aus verfeindeten Familien durch die Nacht irren und sich vom Pfarrer trauen lassen wollen. Am Ende sind alle Zerstrittenen wieder versöhnt – und das Publikum aufs Beste unterhalten. Don Camillo sei Dank…

– Weitere Vorstellungen im Scala Basel heute, Samstag, 20 Uhr, sowie an Silvester. Info: 004161/6016957

Autor: Roswitha Frey