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28. Januar 2012

Rebellion gegen die Freiheit

Regisseur Robert Linz inszeniert "Tango" von Slawomir Mrozek im Freiburger E-Werk.

  1. Erlaubt ist, was gefällt: Nada Degrell), Karlotta Brender und Patricio Gaffo (von links) Foto: Kiew

Was? Welche? Wozu? Andauernd werden diese Fragen gestellt, oft mit höchster Dringlichkeit, auf der Bühne der Kammerspiele im Freiburger E-Werk. "Tango" von Slawomir Mrozek hat Premiere, eines jener Theaterstücke, mit denen der polnische Autor Weltruhm erlangte.

Artur (Philip Butz) leidet unter der Konventionslosigkeit seiner Familie. Vater Stomil (Stefan Pfaff) macht als Künstler "Experimente" und läuft barfuß im Pyjama herum, Mutter Eleonore (Nada Degrell) vergnügt sich mit Hausfreund Edek (Valentin Späth), Großmutter Eugenia (Karlotta Brender) und Onkel Eugen (Patricio Gaffo) spielen Karten. Die Wohnung ist ein Durcheinander, von Arturs altem Schaukelpferd bis zu Opas Sarg steht alles kreuz und quer herum.

Das 1964 geschriebene Stück stellt die Rebellion der Kinder gegen die vorherige Generation unter umgekehrte Vorzeichen: Der 25-jährige Artur studiert, will Arzt werden und bügelt seine Hosen. Er will Ordnung und Werte wiederherstellen und kämpft verzweifelt gegen das aus allen Ecken drängende Chaos. Überzeugend zeigt Butz die Orientierungslosigkeit seiner Figur, die, wie er als Artur klagt, auch darin begründet ist, dass die Eltern nichts übrig gelassen haben, wogegen er sich auflehnen könnte. Diese dagegen sonnen sich in der Erinnerung an die Zeiten, in denen selbst Tangotanzen ein Skandal war. Die Lösung sieht Artur, in einer ganz konventionelle Hochzeit mit Ala, changierend zwischen Verletzlichkeit und Grobheit gespielt von Rebecca Tillmann.

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Doch in seinem Übereifer macht Artur die Konventionen genau wieder zu den sinnentleerten Hüllen, gegen die sich die Eltern aufgelehnt haben. Dass er Ala liebt, und sie deswegen heiraten will, sagt er erst, als es zu spät ist. Und als die widerstrebende Familie schließlich mehr schlecht als recht das Hochzeitsspiel mitspielt, erscheint Artur viel zu spät und betrunken. Sein Wunsch nach Konvention und Ordnung kippt in einen Wahn von Macht, den auch Eugen weiterführt. Verbessert hat sich am Ende nichts.

Die Schauspieler, im sechsten Semester ihrer achtsemestrigen Ausbildung an der Schauspielschule im E-Werk, setzen das Stück gekonnt um. Allenfalls hin und wieder kommt bei der Premiere ein Satz etwas zu laut und theatralisch daher. Regisseur Robert Linz, der auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, hat auf moderne Bezüge verzichtet. Dennoch drängen sich Assoziationen auf: die Studien, die seit Jahren beklagen, dass die Jugend heute eher angepasst ist und auf Karriere setzt, als Visionen zu entwickeln. Und Untersuchungen, nach denen die wachsende Unsicherheit zu immer mehr Ablehnung von jeglicher Andersartigkeit führt.
– Weitere Vorstellungen: 28. Januar, 2. bis 5., 9. bis 11. und 16. bis 19. Februar, jeweils 20 Uhr; Kammerspiele im E-Werk, Karten: Tel. 0761/381191

Autor: Claudia Renk