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10. Juni 2013

Schrilles aus der Bananenrepublik

Am Wochenende begann das interkulturelle Theaterprojekt "Caravan" in Freiburg.

  1. Bananen verbinden

Zehn Tage lang Theater, Performance, Workshops, Vorträge und Diskussionen im Zeichen von Interkultur und Verständigung – dank des Freiburger Vereins PAKT, städtischer Förderung und vielen Sponsoren macht das 2010 in Turin gestartete, europäische Projekt "Caravan – Artists on the Road" noch bis zum 16. Juni auch in Freiburg Station.

Zur Festivaleröffnung gab es im E- Werksaal nicht nur viele Reden, sondern auch gleich zwei ganz unterschiedliche Theaterstücke, die auf ihre Art die Genregrenzen sprengten. Beim Auftakt der Angell-Inszenierung "Metamorphose" nach "Ophelias Schattentheater" von Michael Ende unter der Leitung von Sigrun Fritsch platzte die Bühne mit fast sechzig Kindern und Senioren der Begegnungsstätte Laubenhof fast aus allen Nähten.

Und weil es hier um Verwandlungen in all ihren Facetten geht, zieht hinter dem transparenten Paravent auch gleich eine ganze Karawane Schattenspieler mit dicken Babybäuchen, Dreirad und Rollator vorbei, bis schließlich ein Sarg erst in der Erde verschwindet, dann traumhaft in den Himmel flattert. Überhaupt sind die Mittel so einfach wie zauberhaft: Zeichnungen, Scherenschnitte und kunterbunte Wasserfarben-Strudel werden auf die Bühne projiziert, während die alte Souffleuse Ophelia herrenlose Schatten sammelt und in einer märchenhaften Parallelhandlung Sternchen ihre Großmutter vor dem Sterben bewahren möchte und dazu Zauberer in entlegenen Winkeln der Welt aufsucht. Strotzt das Spiel der jungen Protagonisten mit Tanz und Gesang vor quirliger Lebendigkeit, so kontrastieren die Senioren mit eigenwilliger Präsenz und staubtrockenem Humor. Ein beeindruckendes Beispiel für ein generationsübergreifendes Theaterprojekt, dessen Begegnungspotential bis auf die Bühne und in den Zuschauerraum wirkt.

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Generationsübergreifend:

das Stück "Metamorphose"

Schrill und bunt präsentierten The Jasonites dann ihr musikalisches Familien- Spektakel "Banana Revival", bei dem die jungen Schauspieler aus Italien, Spanien und Brasilien die Thematik Emigration am Beispiel Portugals und Ugandas in eine Art Parabel packen. Sprachverständnis braucht es dazu nicht, vielmehr herrscht auf der Bühne von Anfang an ein wildes Tohuwabohu, das an Straßen- und Gauklertheater erinnert und dessen Sinn sich rein assoziativ erschließt. Nur einzelne Wörter wie Krise, Arbeit oder Euro schälen sich aus dem Fantasiekauderwelsch heraus, während der schwarzgekleidete Mann den Eintritt in die Bananenrepublik begehrt. Deren Bewohner faxen zwar bestgelaunt herum, zeigen dem Fremden damit aber nur, dass er nicht zu ihnen passt. Identität und Kultur formieren sich hier im gelben Obst, das im Laufe des Inszenierung in schier unerschöpflichen Variationen zum Einsatz kommt: Mal als Musikinstrument oder Körperscanner, dann als Zahnbürste, Pistole, Orden oder Bombe. Dazu gibt’s einen ausgelassenen Liedermix und artistische Clownseinlagen.

Das ist mitreißend, lustig und dynamisch, werden hier doch komplexe Integrationsprozesse auf ein archaisches Kinderspiel mit viel Exotik heruntergebrochen. Für theaterinteressierte Freiburger veranstalteten The Jasonites und Uli Jäckle am kommenden Wochenende auch noch zwei Workshops im Schloss Ebnet, deren Ergebnisse sich am 15.6., 15 Uhr, bei der Dreisam-Parade von Freiburg- Littenweiler bis zum E- Werk erleben lassen.

Programm unter      http://www.projectcaravan.eu

Autor: Marion Klötzer