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31. Januar 2012 00:09 Uhr

Ulm

Uraufführung: "Rommel – ein deutscher General"

Autoren, Dramaturg und Regisseur, haben ihre Sache besser gemeint als gemacht: Bei der Uraufführung von " Rommel – ein deutscher General" in Ulm kehrte sich ihre Intention ins Gegenteil um.

  1. Treudeutsch: Gunther Nickles als General Rommel Foto: dpa

Gewiss, den legendären "Wüstenfuchs", der aus der Region stammt, ins Ulmer Stadttheater zu bringen, ist einen Versuch wert. Suschke, der Berliner Regisseur und einstige Regieassistent Heiner Müllers, überschätzt seine Fähigkeit allerdings, wenn er glaubt, unter die etwas dürftige Versifikation seines Stücks Vergleiche mit Kleists "Prinz von Homburg" mischen zu dürfen. In der Brechtschule der alten DDR wusste man, wie man die Diebstähle bei den Riesen der Antike, bei Shakespeare und Kleist unsichtbar macht. Diese Lektion muss Suschke versäumt haben.

Das Ganze sieht am Ende wie Heldengedenken aus, das doch nicht gemeint sein kann. Rommel, den Gunther Nickles als einen simplen Charakter von treudeutschem Holz darstellt, fällt bis zum Ende auf die Phrasen der Nazi-Ideologie herein und wird so deren Supermann. Naiv wiederholt er die völlig zerstörten Begriffe von Ehre, Treue, Eid auf Führer und Vaterland. Man fragt sich: Wozu diese deklamatorische Übung? Eine Hitlerkarikatur (Ulla Willick) kommt mehrmals auf die Bühne und nimmt dem getreuen Rommel wie einem dressierten Hund die Schwüre ab. Natürlich, Rommel liebte seinen Führer glühend. Er wusste wohl von den Widerständlern, auch dass mit Hitler keine Friedensverhandlung möglich wäre, und plädierte für eine Verhaftung des Führers, doch niemals für dessen Ermordung.

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Seine Zweifel gehören zur historischen Wahrheit, doch wen kümmert’s noch? Wozu diesen hitlertreuen Kretin in zackiger Haltung als Phrasendrescher zwei lange Stunden auf der Bühne ertragen? Mit welch pädagogischen Gewinn? Die Theaterübung stellt weder die zerstörten Wortbedeutungen wieder her, noch kann man fassen, dass Rommel an die Phrasen glaubte. Die Sprache war schon zerstört, als der Widerstand 1944 viel zu spät kam. Diesen Sachverhalt sprachlich auszudrücken, darum ginge es. Doch das ist bisher keinem Bühnenautor geglückt.

Das Vergebliche der Anstrengung muss der Regisseur geahnt haben. Deshalb erfanden Suschke und Sommer eine Schattenfigur: einen Geist von Auschwitz. Unbemerkt kommt Ulla Willick in der Doppelrolle auf die Bühne und memoriert das schreckliche Schicksal der Juden, die vormals im der Villa Rommels nahen Ulm lebten. Dieser Einfall kontrastiert den Fernsehrealismus des Stücks. Doch er bleibt fragment- und alibihaft einem diffus schlechten Gewissen verhaftet und wird nie ganz plausibel.

Was bei Rommel und den übrigen Generalchargen fragwürdig ist, wird vollends lächerlich bei Lucie, Rommels Frau, dem Heimchen mit Hitlerfimmel, von Christel Mayr bravourös dargestellt. Was sucht diese Hausfrau auf der pathetisch mit wuchtigen Möbeln und einer riesigen Treppe aufgeladenen Bühne? Die konventionelle Zeichnung der Familie Rommel – Lucie, Erwin und der lispelnde Sohn Manfred – gelänge nur, wenn sie zur absurden Karikatur mutierte. Der finstere Humor im Bierernst kommt leider nie zu Tage, bleibt verdeckt von einem historischen Wahrheitseifer, der das Theater zum didaktischen Museum macht.

Hier wurde die Chance verspielt, aus einem Legendenstoff Gegenwartstheater zu machen. Tragisch-komisch, die Phrasen der Nazis zerstampfend und ins Irreale zwischen Banalität und Schrecken führend. So blieb man mit dem reproduzierten Pathos, das man aus zahlreichen Dokumentationen kennt, weit hinter den grässlichen O-Tönen zurück. Das war zum Teil peinlich und riss niemand aus den Sesseln, sodass die Honoratioren, die aus dem Stadt- und Landkreis zugegen waren, beruhigt und auch ein bisschen gelangweilt in ihr Heim zurückkehren durften.

Autor: Wilhelm Hindemith