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02. November 2010

Vergnügliche Retourkutsche

Die Berliner Schauspielerin Heike Feist gastierte mit der Soloshow "Cavewoman" im voll besetzten Lörracher Burghof.

  1. Probesitzen im Brautkleid: Die Schauspielerin Heike Feist in „Cavewoman“ Foto: Roswitha Frey

So sieht also die Höhle der modernen Frau aus: Eine ausklappbare Couch mit Flokatiteppich, eine pieksende Zimmerpalme, an der ein roter BH hängt, und Regale vollgestopft mit Schuhen, Schuhen, Schuhen. Weiße für Hochzeiten, schwarze für Beerdigungen, hellblaue, die zur Augenfarbe passen. Aha, da werden beim Auftritt von Heike Feist alias "Cavewoman" schon mal einige Klischees über Frauen bestätigt: zumindest der Schuhtick, die Telefonitis und das Dauerquasseln…

Völlig aufgelöst kommt Heike auf die Bühne im voll besetzten Lörracher Burghof. Kein Wunder, dass die Gute von der Rolle ist, will sie doch morgen heiraten, doch ihr Zukünftiger hat nach einem barschen "Hau ab" erstmal Reißaus genommen. Hier setzt nun das Stück "Cavewoman" an, die weibliche Antwort auf den Dauerbrenner "Caveman", die Retourkutsche aus Sicht der Frau. Das Stück basierend auf "Defending the Cavewoman" von Emma Peirson ist ähnlich aufgezogen wie "Caveman", als ebenso erfrischender wie freimütiger Monolog, aufgelockert durch geschickte Interaktion mit dem Publikum. "Höhlenfrau" Heike pickt sich ein, zwei Herren in der ersten Reihe heraus, vor allem den "Sockenmann": "Du bist ja ein Süßer mit Ringelsöckchen…".

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Die Berliner Schauspielerin Heike Feist, die praktischerweise genau so heißt wie ihre Bühnenfigur, macht das sehr witzig und schlagfertig, wenn sie mit den Männern im Saal so redet wie mit Kindergartenkindern ("oh, das kannst du schon?") und ihnen Einkaufshilfen bastelt, damit sie nicht das Falsche vom Supermarkt mitbringen. Jetzt wissen wir auch, warum an den Gemüsewaagen kleine bunte Bildchen angebracht sind – damit Einkaufen ein Kinderspiel ist, auch für Männer…

Doch zurück zum Anfang: Da schüttet Heike am Vortag ihrer Hochzeit den zu früh erschienenen Gästen – also dem Publikum im Burghof – das Herz aus. Die offenherzigen Bekenntnisse einer Heiratswütigen sind frech, witzig, unverblümt, und Heike Feist bringt in ihrer Soloshow diese an sich bekannten und x-mal im Kabarett und Theater aufgewärmten Frau-Mann-Beziehungsprobleme mit viel komischem Talent, großer Klappe und forschem Charme rüber – und einer Extraportion augenzwinkernder Selbstironie. Schon klar, wer in diesem Haus die Hosen anhat… Sie plaudert verschwörerisch, geradeheraus und frisch von der Leber weg mit den Zuschauern, als seien es ihre besten Freundinnen, denen sie Indiskretes und nicht sehr Schmeichelhaftes über ihren Ehemann in spe und den Sex mit ihren Ex-Freunden anvertraut.

Aber Heike ist keine Männerhasserin, im Gegenteil: "Ich mag Männer, auch die schweigsamen, dann rede ich eben für zwei", versichert sie treuherzig und gibt alltagspraktische Tipps, wie Frau ihren Mann fit für die Partnerschaft macht, sozusagen ein Crashkurs in Männererziehung: "Wir stecken das Gehege ab, wo die Männer tun können, was wir wollen…" Zwischendurch lässt sich die moderne Höhlenfrau auf ihr Flokatisofa plumpsen, genehmigt sich ein Piccolöchen, hängt am Telefon, um Mama zu beschwichtigen und zu erörtern, ob die Hochzeitstorte Figürchen aus Marzipan oder Plastik haben soll. Auf einmal qualmt und dampft es hinterm Sofa, eine "himmlische" Stimme aus dem Off ertönt, und Heike erklärt in einer köstlichen Satire ihre Version der Evolution und der Schöpfungsgeschichte von Adam und Eva. Nach ihrer Version war Eva zuerst da, allein im Paradies, und bis heute sind die Evas dazu da, die "Konstruktionsfehler" ihrer Adams selbst zu reparieren, damit das was wird mit der Liebe und Ehe.

Apropos Ehe: Den (Alp)Traum von ganz in Weiß spielt Heike Feist in mehreren Durchläufen vor, parodiert urkomisch den Heiratsantrag, bei dem die Frau in die Knie geht, übt schon mal Probesitzen im Brautkleid – Größe 36, dabei trägt sie 40 –, posiert pompös wie Lady Heike und sieht sich vor dem Traualtar vor die entscheidende Frage gestellt. Was, den Schuhschrank mit Tom teilen? Niemals! "Cavewoman" ist sehr, sehr vergnügliche Theater-Comedy, in der das Dauerthema Männer, Paar-Probleme, Schwiegermutter und Hochzeitsstress mal aus dem Blickwinkel der Frau betrachtet wird, nicht ganz klischeefrei, aber auch nicht als verbiesterter Geschlechterk(r)ampf, sondern treffend beobachtet. Mit diesem "Ist es bei Ihnen auch so?"-Effekt.

Autor: ros