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02. Februar 2012
Was kostet ein Geruch?
"The Stolen Smells": Eine neue Opera buffa in Luzern.
Der 1957 geborene englische Komponist Simon Wills hat, wie viele seiner britischen Kollegen, ein unverkrampftes Verhältnis zur Tradition. Als Opera buffa bezeichnet er seine neue Oper "The Stolen Smells" und stellt sich so in eine Reihe mit Rossini und Donizetti, mit deren Witz und Leichtigkeit seine Musik allerdings nicht mithalten kann.
"The Stolen Smells" ist ein Auftragswerk des Luzerner Theaters und des NDR. Der Komponist dirigierte die Uraufführung in Luzern; am 4. und 5. Februar wird das Stück in der Hamburger Kampnagel-Fabrik halbszenisch mit dem NDR-Sinfonieorchester unter Thomas Hengelbrock aufgeführt. Das Libretto vom Komponisten selbst erzählt von einem Bäcker, der einen armen Poeten verklagt, weil dieser den Geruch seiner Brote genossen hat und nicht dafür zahlen kann, denn – so der Bäcker – was genossen werden kann, hat einen Wert, und was einen Wert hat, hat einen Preis. Der Dichter wird verurteilt: Wenn er nicht zahlt, wird ihm eine Hand abgehackt. Da springt das Volk ein und sammelt, der Betrag kommt zusammen, die letzten Zechinen spenden die Tochter, die den Dichter liebt, und die Frau des Bäckers. Das Geld aber muss der Bäcker zurückgeben, denn er hat sein Klimpern genossen und auch der Genuss hat – nach seiner Logik – seinen Preis.
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Für seine hintersinnige Komödie hat Wills eine Musik komponiert, die sich an Strawinskys "The Rake’s Progress", der "Nase" von Schostakowitsch und den Beisl-Szenen aus dem "Rosenkavalier" orientiert. In den komischen Szenen wuselt es im Orchester, da kichern die Holzbläser, setzt das Fagott Akzente, verhöhnen die gestopften Trompeten den jammernden Dichter. Das Tribunal wird im Walzertakt ironisiert, und die Bäckerin steigert sich im Zorn auf ihren Mann in eine koloraturenreiche Dacapo-Arie nach barockem Vorbild. Dem Liebespaar schenkt Wills weit gespannte Kantilenen. Das alles ist handwerklich gut gemacht, pfiffig instrumentiert, doch es trägt nicht über zwei Stunden Spieldauer. Die Mittel wiederholen sich und verlieren ihre Wirkung. Da müsste die Szene einspringen, aber die Regie des Luzerner Intendanten Dominique Mentha bleibt in biederer Schwerfälligkeit stecken. Dafür wird insgesamt ausgezeichnet gesungen, und das Luzerner Sinfonieorchester gibt der Partitur Drive und Farben.
Autor: Alfred Ziltener
