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23. Juni 2012

Theater selbst entwickelt

Besuch bei Theatergruppe des Hauses Johannes und dem Improvisationsstück "Taxi nach Istanbul".

  1. Die Theatergruppe „Goldregen“ des Hauses Johannes in Bahlingen bei der Probe für das gemeinsam entwickelte Improvisationstheaterstück „Taxi nach Istanbul“. Foto: Christiane Franz

BAHLINGEN. Etwa zehn Bewohner mit unterschiedlichen Behinderungen kommen regelmäßig dienstags für eineinhalb Stunden in die Theatergruppe, die seit der Eröffnung des Hauses Johannes unter dem Namen "Goldregen" besteht. Seit März hat die Sozial- und Theaterpädagogin Martina Sailer die Gruppe übernommen und mit ihnen ein Improvisationsstück entwickelt.

Geschickt gelingt es Sailer durch eine Aufwärmübung, die Konzentration für das Theaterspiel zu wecken. Bewegung und Musik sollen auf das Thema hinführen, erläutert sie im Vorfeld. Und deshalb werden zu Beginn in einem gemeinsam gesungenen Lied die einzelnen Rollen des Stückes benannt und so dem Darstellenden in Erinnerung gebracht. Der Rahmen des Stückes ist festgelegt, aber bei jeder Probe verläuft vieles eben anders, das ist der Kern des Improvisationstheaters.

Angefangen hatte die Gruppe mit dem Thema "Märchen", aber bald schon erwies es sich, dass aus dem Leben gegriffene Situationen als Spielgrundlage mehr begeisterten. Szenen wie beispielsweise "Essen an der Würstchenbude", "Im Restaurant" oder "Telefonate mit Freunden und Verwandten" wurden am Alltag orientiert ins Spiel genommen. Daraus entwickelte sich langsam das Grundgerüst des Stückes: Freunde treffen sich in Berlin, um gemeinsam Urlaub zu planen. Sie stellen fest, dass Pauschalreisen zu teuer sind. Ein Taxi wird gemietet, um Onkel und Tante von einem der Freunde, der Türke ist, in Istanbul zu besuchen. Und schon geht die Fahrt los.

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Da manche der Teilnehmenden nicht reden, versuchen die übrigen, durch Fragen herauszubekommen, was derjenige gerne darstellen will. Durch Nicken oder Kopfschütteln wird die angebotene Rolle angenommen oder verworfen. "Theaterspielen ist wichtig als Freizeitbeschäftigung und Bewegung, aber es fördert vor allem die soziale Kompetenz", erklärt Martina Sailer. Im Spiel muss aufeinander eingegangen und Rücksicht genommen werden, auch das Nein sagen wird geübt.

Das "sich in die Rollen einfühlen" macht allen Beteiligten sichtlich großen Spaß. Auch sind interessierte Bewohner jederzeit willkommen. Sie werden selbst als Zuschauer in die Probenarbeit integriert. Etwa eine halbe Stunde dauert das Stück, das am Freitag beim hausinternen Sommerfest vor Freunden und Verwandten aufgeführt wurde. Und danach? "Dann kann das Stück, das ich als einen Prozess ansehe, weiterentwickelt werden. Oder wir starten etwas ganz Neues", erklärt die engagierte Theaterpädagogin lachend. Das Projekt wird unterstützt durch die Aktion "Herzenssache" der Bahlinger Niederlassung des Autohauses Ernst und König (die BZ berichtete).

Autor: Christiane Franz


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