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10. März 2010
Verdis Maskenball
Dominica Volkert: Lustbarkeit und Tod
TICKET-INTERVIEW: Operndirektorin Dominica Volkert über Verdis "Maskenball".
Giuseppe Verdis 1859 in Rom uraufgeführte Oper "Un ballo in maschera" (Ein Maskenball) hat nun Premiere am Freiburger Theater. Georg Rudiger sprach mit der Operndirektorin Dominica Volkert über Versteckspiele, Katastrophen und die Vorfreude aufs 100-jährige Jubiläum des Freiburger Theaters.
Ticket: Den "Maskenball" komponierte Verdi direkt nach seiner Oper "Simon Boccanegra", die ja in der letzten Spielzeit in Freiburg gespielt wurde. In welche Richtung hat sich Ihrer Meinung nach der Komponist im "Maskenball" weiterentwickelt?
Dominica Volkert: Ich bin immer vorsichtig mit der Annahme einer zielgerichteten, eindimensionalen Entwicklung. Für mich sind beides Meisterwerke aus dem für Verdi so wichtigen Jahrzehnt zwischen 1850 und 1860, in dem er sich seinen musiktheatralischen Weg bahnt, der Musik einen ebenbürtigen dramaturgischen Platz einräumt und die artifiziell überhöhte Belcanto-Tradition hinter sich lässt. Interessant ist aber sehr wohl, dass der "Maskenball" eine der wenigen Opern dieser Phase ist, die Verdi musikalisch nicht mehrfach überarbeitet.
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Volkert: Die Maske. Die Möglichkeit, sich zu verstellen, zu verbergen, weder sein eigenes Gesicht, seine eigentlichen Motivationen noch die innersten Gefühle zeigen zu müssen. Direkt damit verknüpft ist die große Gefahr, sich genau in diesem "Maskenspiel" zu verlieren. Der große Maskenball, der lediglich ganz zum Schluss im Finale des dritten Akts stattfindet, gibt aber den Pulsschlag für die gesamte dargestellte Welt, in der Lustbarkeit und Fest-Laune direkt neben größter Verzweiflung, Einsamkeit und Tod stehen.
Ticket: Für die Inszenierung haben Sie mit Joan Anton Rechi einen Regisseur gewählt, der in Freiburg vor allem durch einen brillanten, urkomischen "Barbier von Sevilla" in Erinnerung geblieben ist. Was macht Rechi mit dieser Tragödie?
Volkert: Die glatte, gestylte Welt einer politischen und gesellschaftlichen Upperclass, die an ihren eigenen Spielregeln zugrunde geht – das sind wichtige Punkte, die Rechis Produktion in den Vordergrund holt. Dass die Katastrophe aber plötzlich unaufhaltsam sich Bahn bricht – auch und vor allem bis ins Bewusstsein Riccardos –, lässt das angeblich so sorglose Leben plötzlich als einen verzweifelten und hoffnungslosen Versuch erscheinen, die Wahrheit vor sich selbst zu vertuschen. Für Rechi ist bereits zu Beginn der Geschichte der Tod ein unumstößliches Faktum. Die Geschichte entfaltet sich wie ein Flashback Riccardos. Wie sein letzter Versuch, die Geschehnisse noch einmal neu ablaufen lassen zu dürfen – was natürlich nutzlos ist. Auch am Ende steht bedingungslos der Tod.
Ticket: Gerhard Markson kehrt bei dieser Produktion in den Orchestergraben zurück.
Volkert: Mit Gerhard Markon zu arbeiten, ist immer ein Genuss, denn er ist ein Musiktheatraliker im besten Sinne des Wortes. Und ich kann schon jetzt sagen, dass wir uns auf Marksons Interpretation dieser faszinierenden Klangstruktur aus heiterer Ball- und Gesellschaftsfreude, flüsterndem Verschwörungsraunen, beängstigenden Todesahnungen, verzweifelter Liebesgeständnisse und dem Aufschrei der verletzten Kreatur freuen dürfen. Und dabei steht der Sänger für ihn stets im Mittelpunkt.
Ticket: Was zeichnet Ihrer Ansicht nach einen guten Verdi-Sänger aus?
Volkert: Auch wenn sich Verdis Musik zunehmend musiktheatralisch zum eigenständigen Mitspieler im Gesamtgeschehen macht, ist der Sänger immer noch oder immer wieder wie im Belcanto das absolute Zentrum – wie oft erstirbt die orchestrale Musik fast in ein Nichts und scheint nur noch hingehauchte Begleitung zu sein. Das gilt es als Sänger zu bestehen.
Ticket: Das Freiburger Theater steht kurz vor seinem 100-jährigen Jubiläum. Wie schätzen Sie die Leistungsstärke des Hauses ein?
Volkert: Wir freuen uns darauf, im Opernbereich zum 100. Geburtstag des Theaters Wagners "Ring" im Zyklus zu präsentieren. Das ist eine enorme Herausforderung und Anstrengung, die wir – natürlich auch ein bisschen größenwahnsinnig – lustvoll aufnehmen. Das Theater Freiburg macht durchaus von sich reden – in allen Sparten. Dass das Publikum dies so neugierig, interessiert und kritikfreudig mitträgt, ist uns eine wichtige Bestätigung.
Termine: Freiburg, "Ein Maskenball", Theater, Großes Haus, Premiere: Sa, 13. März, 19.30 Uhr; weitere Aufführungen: 21., 24. März, 1., 5., 11., 30. April, 20., 28. Mai, 11., 18. Juni, 2., 10. und 16. Juli; Info: BZ-Kartenservice (siehe S. 2)
Autor: ruge


