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08. Juni 2012

Eine gut gelaunte Stellungnahme

Der Performance-Marathon "ZAP!" in der Kaserne Basel vereint vom 8. bis 14. Juni Kitsch, Trash, Schwules und Lesbisches.

  1. (M)imosa von Francois Chaignaud eröffnet den Performance-Marathon in Basel. Foto: Paula Court

  2. Tobias Brenk Foto: gab

Campy, trashy und homolicious soll er werden, der Performance-Marathon "ZAP!" der Kaserne Basel. Vereint werden also Kitsch, Trash, Schwules und Lesbisches. Die Bezeichnung Marathon aber will den Besucher nicht vor gefordertem Durchhaltevermögen warnen, sondern sich schlicht absetzen von den traditionellen Theaterfestivals zur kulturellen Sommerpause mit ihrem Anspruch an Vielfalt und Bedeutsamkeit. ZAP! dagegen will mit einem bunten Nischenprogramm zu Geschlechterkonzepten und Gender-Fragen krönender Saisonabschluss für jeden sein.

Die österreichische Kommunistin Ruth Fischer trifft auf die afroamerikanische Bürgerrechtlerin und Wissenschaftlerin Angela Davis. Die beiden verführerischen Frauen teilen nicht nur ihre radikalen politischen Ansichten, sondern auch ihren Ehemann namens Kommunismus. Was also sollen sie tun? Einfach so weiterleben oder den Kommunismus verlassen? Die Doku-Fiktion "Communist Bigamist. Two love stories", die der ZAP-Marathon vorstellt, ist ein Projekt der Performerin Vaginal Davis und der Schauspielerin und Regisseurin Susanne Sachsse. Sie thematisiert das Okkupieren des politischen Projekts Kommunismus in Zeiten der weltweiten Occupy-Capitalism-Bewegung. Die verführerische Mischung aus Spekulation und Trivialität auf der Bühne soll auch die Geschlechtlichkeit von Politik und Macht als männliche Attribute und deren Attraktivität als weiblich konnotierten Wirkmechanismus zum Thema machen.

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Auch Beatrice Fleischlin und Anja Meser nehmen mit ihrer Performance "Come on baby – ein uneindeutiges Angebot" das männliche Geschlecht ins Visier und analysieren männliche Posen und Gesten. Sie überarbeiten und interpretieren Kleidung, Stimmen und Interaktionen neu. Doch das Stück, mit dem das deutsch-schweizerische Künstlerinnen-Duo in Basel auftritt, ist kein Stück über die Inszenierung von Männlichkeit, sondern ein Abend über Identität und Behauptung, ein Plädoyer für ein Dasein zwischen den Geschlechtern.

Überhaupt kann das Programm mit seinen Performances, Konzerten und Partys als gut gelaunte Stellungnahme zur immer gültigen Frage nach geschlechtlichen Identitäten in Leben und Gesellschaft gesehen werden, so der betreuende Dramaturg Tobias Brenk. Nachdem die beiden Vorgänger-Veranstaltungen des Festivals in den vergangenen zwei Jahren mit ihren inhaltlichen Schwerpunkten "Stadtraum" und "Performance-Office" gute Besucherzahlen zu vermelden hatten, entschieden sie sich in diesem Jahr für die queere Performance-Kunst.

Diese beschäftigt sich mit Geschlechterfragen und hat ihren Ursprung unter anderem in der New Yorker Voguing-Szene. Voguing entstand in den sechziger Jahren in den Ballsälen von Harlem und wurde vor allem von Schwulen, Transvestiten und Transsexuellen afro- und lateinamerikanischer Herkunft praktiziert. Sie imitierten Typen und Posen aus der Welt von Mode und Luxus und bedienten sich dabei der sozialen und sexuellen Klischees, denen sie selbst unterworfen waren.

In Basel gebe es heute eine große Offenheit für die queere Kunst, so Tobias Brenk. Vor allem im Umfeld der Art Basel, die parallel zum Festival läuft, fühlen sich die Veranstalter wohl. Moderne Bildende Kunst und Performance-Kunst liegen im ästhetischen Verständnis oft dicht beieinander, sagt Brenk – und bereits in den letzten beiden Jahren sei so mancher Art-Besucher auch auf dem Basler Kasernen-Areal vorbeigekommen.
–  ZAP!-Marathon, 8. bis 14. Juni, Kaserne Basel.

Das vollständige Programm unter http://www.kaserne-basel.ch

Autor: gab