Das war mein Jahr

Theaterkünstler Leopold Kern leitete einen Workshop im Senegal

Marlene Resch

Von Marlene Resch

Do, 04. Januar 2018

Freiburg

Wenn Leopold Kern an sein Jahr 2017 zurückdenkt, kommen ihm vor allem zwei Dinge in den Sinn: zum einen das 40-jährige Bestehen seines freien Musiktheaters „Die Schönen der Nacht“, zum anderen ein Theaterworkshop im Senegal, den er gemeinsam mit seinem Kollegen Herbert Wolfgang geleitet hat.

FREIBURG.

Seit 1977 sind die beiden gemeinsam auf der Bühne. Damals haben sie mit Auftritten im Stadttheater in Freiburg begonnen, mittlerweile haben sie ihre eigenen Räumlichkeiten im E-Werk Freiburg. Das Jubiläum feiern sie nun in einer eigenen Veranstaltungsreihe mit einigen ihrer "Herzensstücke", wie Leopold Kern sagt. "Wir feiern, indem wir arbeiten", sagt er lachend – so sei das als Künstler.

Obwohl er Freiburg liebe und schätze, müsse er ab und an auch raus aus der Stadt – "um sich an etwas zu reiben und etwas über den Tellerrand zu schauen", sagt Kern.

So habe ihn auch der Workshop im Senegal und damit sein erster Aufenthalt in Afrika sehr bereichert. Gemeinsam mit Herbert Wolfgang und in Kooperation mit dem Goethe Institut hat er 14 Tage lang mit einer Gruppe von Jugendlichen aus zehn unterschiedlichen afrikanischen Subsahara-Ländern trainiert und geprobt. Am Ende entstand ein Stück namens "Café Goethe", bei dem die 16 Jugendlichen auf der Bühne sangen, tanzten, sprachen – und das alles auf Deutsch. Kern ist noch immer beeindruckt von dem Engagement der jungen Afrikaner. Zum einen von den Inhalten – von Emanzipation über Umweltschutz bis zum Thema Vorurteile sei alles thematisiert worden. Zum anderen von der Art, wie sie sich darstellen konnten: "Wir sind da, wir haben Power, wir tun was hier – das strahlen diese jungen Menschen aus", erzählt er.

Gerade nach seiner langjährigen Bühnenerfahrung sei es ihm ein Bedürfnis, junge Leute zu fördern, betont Leopold Kern. "Das Medium Theater ist perfekt, um Sprache lebendig zu erfahren und Selbstbewusstsein zu fördern", sagt er. Und das Training scheint gefruchtet zu haben: "Wir haben tolles Feedback bekommen: Plötzlich steht alles auf, springt auf und applaudiert – das ist halt Afrika", erzählt er lebhaft und ist dabei selbst nicht auf dem Stuhl zu halten.

Persönlich habe er aus Afrika vor allem eines mitgenommen: Gelassenheit. "Ich gehe langsamer, ich setze meine Schritte bewusster, ich rege mich nicht mehr so schnell auf", sagt er. "Was mir besonders aufgefallen ist in Afrika, ist diese Herzlichkeit. Wenn dein eigenes Herz offen ist, gehört man dazu – dann ist das Familie." Dementsprechend schwer sei dann auch der Abschied für die Gruppe des Theatercamps gewesen: "Alle haben nur geheult, weil keiner gehen wollte".

Aber auch zurück in Freiburg macht Leopold Kern es sich weiter zur Aufgabe, Menschen zu fördern. So hat er im Jahr 2017 auch seine Arbeit als Stimm- und Performancecoach intensiviert. Durch Kursangebote und individuelle Trainings ist er auf der Suche danach, "wo der Diamant sichtbar wird, wo der Mensch authentisch ist" und möchte den Teilnehmenden so Mut zu sich selber machen.