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05. Juli 2010 00:00 Uhr

Zweites Gelb

Thomas Müller: Die Sperre der Nation

Es hört sich verdächtig nach der Sperre der Nation an. Da kommt ein usbekischer Schiedsrichter und zeigt dem neuen deutschen WM-Helden Thomas Müller die Gelbe Karte, weswegen der vierfache WM-Torschütze im Halbfinale nicht spielen darf. Und nun?

  1. Schiedsrichter Rawschan Irmatow zeigt Thomas Müller die Gelbe Karte. Foto: ddp

KAPSTADT. Mal ganz abgesehen davon, dass der Unparteiische Rawschan Irmatow die Partie ansonsten souverän und gar nicht kleinlich leitete, aber wegen Müllers ziemlich unabsichtlich aussehenden Oberarm-Spiels den gelben Karton zückte: Es hätte noch viel schlimmer kommen können. Kapitän Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Mesut Özil, Arne Friedrich und der in Kapstadt nicht eingesetzte Cacau durften nach dem Abpfiff nämlich aufatmen – ihre Gelben Karten hat die Fifa nach dem Viertelfinale nun gestrichen.

Neue Verletzung bei Cacau

Diese Regel gibt es, damit kein Nationalspieler mehr wie Michael Ballack bei der WM 2002 wegen einer zweiten Gelben Karte im Halbfinale das Endspiel verpasst. "Ich hoffe, dass meine Kollegen im Halbfinale alles richtig machen, dann kann ich vielleicht im Finale wieder ein Tor machen", sagte der 20-jährige Müller und versuchte sich genauso im Zweckoptimismus wie Bundestrainer Joachim Löw: "Klar, sein Ausfall wiegt natürlich schwer, aber wir haben Spieler, die ihn ersetzen können."

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Einer der Ersatz-Kandidaten auf dem rechten Flügel musste am Sonntag allerdings das Training abbrechen. Der Stuttgarter Stürmer Cacau, der gerade erst eine Bauchmuskelzerrung auskuriert hatte, ist wegen einer Wirbel-Blockade schon wieder Patient von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Ansonsten kommt neben Piotr Trochowski und Marko Marin vor allem der Bayern-Rückkehrer Toni Kroos für die Position in Frage.

Die vorerst letzte schlechte Meldung aus dem deutschen Mannschaftsquartier lautet, dass Sami Khediras Oberschenkel verhärtet ist. Der Nebenmann von Bastian Schweinsteiger auf der Doppelsechs musste am Sonntag ebenfalls mit dem Training aussetzen. Bislang ist es der medizinischen Abteilung in Südafrika aber mehrfach gelungen, Spieler mit muskulären Problemen rechtzeitig fit zu bekommen. Und wer weiß denn schon, wie viel Strategie hinter solchen Verletzten-Meldungen ist?

Um es jetzt mal positiv zu sehen: Allen anderen geht es gut. Noch besser: Sie spielen ausgezeichnet. Angesichts der "grandiosen" Leistung von Messi-Begleiter, Ballverteiler und Anführer Bastian Schweinsteiger geriet Löw ins Schwärmen: "Besser kann man das nicht machen. Er war in jeder Beziehung herausragend."

Zwei Spieler haben am Samstag deutsche WM-Geschichte geschrieben. Miroslav Klose traf in seinem 100. Länderspiel gleich zweimal, das macht vier WM-Tore in Südafrika und schon 14 insgesamt. Jetzt kann der 32-jährige Münchner zum besten Torschützen der WM-Geschichte aufsteigen; wenn er noch zwei Treffer erzielt und damit den Brasilianer Ronaldo in der Bestenliste überholt. Mit Deutschlands Gerd Müller (14) hat er gleichgezogen.

Klose gibt sich wie immer: bescheiden

Für Klose muss das alles nach seiner schwierigen Saison bei den Bayern pure Genugtuung sein, doch er bleibt bescheiden. "Gerd Müller hat nur zwei Turniere gespielt, ich bin schon beim dritten dabei. Da wäre es unfair, mich mit ihm auf eine Stufe zu stellen", sagte Klose über den Mittelstürmer, der seine große Zeit in den 70er Jahren hatte und der sich nun als Co-Trainer von Bayern Münchens zweiter Mannschaft verdingt, die in der dritten Liga spielt. Wichtig ist laut Klose sowieso immer die Mannschaft. "Wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre ich lieber Weltmeister als Rekordschütze", sagte der gebürtige Pole, der nun 52 Länderspiel-Treffer erzielt hat.

So viel werden es bei Arne Friedrich in diesem Leben nicht mehr, aber das verlangt er nach seinem ersten Tor im 77. Länderspiel auch nicht: "Ich habe nicht mehr daran geglaubt, dass ich noch ein Tor schieße", sagte der Verteidiger, der während dieser WM schon öfter überraschend im gegnerischen Strafraum gesichtet wurde. Er wird vermutlich trotzdem nicht als Thomas-Müller-Ersatz in der Offensive antreten dürfen. Aber wer weiß, was sich Bundestrainer Joachim Löw ausdenkt, um die spielstarken Spanier am Mittwoch zu irritieren.

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Autor: Martina Philipp