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18. Januar 2010 19:44 Uhr
Markgräflerland
Tierschutzverein richtet Auffangstation für Katzen ein
Wohin mit 170 herrenlosen, kranken oder ausgesetzten Tieren? So viele waren es, um die sich der Tierschutzverein Markgräflerland im vergangenen Jahr gekümmert hat. Hauptklientel sind mit 146 die Katzen. Für sie hat der Verein ein neues Domizil in Buggingen erworben. Vor der Eröffnung im Frühjahr ist aber noch jede Menge Eigenleistung notwendig.
Das Katzenhaus ist kein Tierheim, sondern eine Fund- und Notfallstation für die kurzfristige Unterbringung von Kleintieren wie Katzen, Hasen und Meerschweinchen. Die Station wurde notwendig, weil es an Pflegestellen mangelt.
Was aus Sicht der Not leidenden Samtpfötchen einer Villa gleicht, war bis vor einem Jahr ein Haus, das zwangsversteigert werden musste und trotz des günstigen Preises kaum Interessenten gefunden hatte. In dem Haus hatte ein Mensch mit Messie-Syndrom gewohnt, der krankhaft alles sammelte, weil er sich von nichts trennen konnte. Das zweistöckige Gebäude war daher total zugemüllt. Der Tierschutzverein hat es gekauft, und 15 Mitglieder haben das Anwesen in mehr als 100 ehrenamtlichen Stunden entrümpelt. Nun steht an dem Gebäude in der Bergstraße 13: "Katzenhaus".
KATZENSCHWEMME IM SOMMER
Die Lage ist günstig, weil die Vereinsvorsitzende Anja Roth in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt und daher täglich mehrere Stunden bei den Vierbeinern verbringen kann. Zurzeit laufe bei der Gemeinde noch ein Genehmigungsverfahren für die Nutzungsänderung sowie ein Sachkundenachweis beim Veterinäramt. "Wir setzen alles daran, damit wir im Sommer fertig sind", sagt Anja Roth. Denn aus Erfahrung weiß sie, dass es jeden Sommer eine "Katzenschwemme" gibt. Viele Tiere werden abgeschoben, wenn sie dem goldigen Babyalter entwachsen sind, oder ausgesetzt, weil Herrchen und Frauchen in Urlaub fahren wollen. 2009 betraf dies 17 Katzen, zwei Hunde und zwei Hasenkinder.
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Es gibt aber auch zunehmend Menschen, die sich die Tierhaltung nicht mehr leisten können. Bereits ins Katzenhaus eingezogen sind daher Klara und ihre Brüder Ali und Adonis. Sie haben mit ihrem wohnungslos gewordenen Herrchen monatelang im Auto gelebt. Erste Bewohnerin war aber "Oma Lina". Das Veterinäramt hatte die 18 Jahre alte, todkranke Katze ihrer Besitzerin weggenommen. Das Tier wog nur noch ein Kilogramm, hatte eitrige Abszesse und einen Tumor. Heute wiegt Lina drei Kilogramm und verbringt einen würdevollen Lebensabend im kuscheligen Domizil.
Im Haus sind mehrere Zimmer, um die ängstlichen Katzen von den wilden und den kranken zu trennen und Neuankömmlinge behutsam einzugewöhnen. Es bedarf vieler Streicheleinheiten, um den Tieren wieder Vertrauen in Menschen zu geben, sagt Anja Roth und lobt ihre Helferinnen, die sich viel Zeit zum Kuscheln nehmen. Um Katzenbabys, die alle zwei Stunden ein Schoppenfläschle brauchen, kümmert sich nach wie vor die 86-jährige Margret Querfeld in Güttigheim, sagt die Vorsitzende. Hilfreich sind auch Silvia und Alfons Federer, die in ihrer privaten – jüngst erweiterten – Katzenpension in Hügelheim auch Notfälle des Vereins aufnehmen, so Roth. Und wenn es um eine vorübergehende Aufnahme von Hunden geht, kann sich der Verein auf die Hundeschule von Andrea Vögelin in Hügelheim verlassen.
DRAMA AN SILVESTER
Viel Arbeit hat der Tierschutzverein immer an Silvester. "Das ist jedes Jahr ein Drama", sagt die Vorsitzende. Aufgeschreckt vom Lärm würden Katzen und Hunde in Panik wegrennen, die Orientierung verlieren und oft nicht mehr heim finden. Viele Leute glaubten, dass Tätowierungen beim Finden der Tiere helfen. Das stimme nur, wenn die Nummer bei Tasso oder der deutschen Haustierzentrale registriert worden sei, sagt Anja Roth.
In Eigenleistung und mit Fachfirmen, die Sonderpreise gewährt haben, hat der Tierschutzverein ein Jahr lang das Katzenhaus gemäß der behördlichen Vorgaben desinfiziert und renoviert. Der Balkon hat bereits ein Gitter, das vor Ausbrüchen schützt. Damit soll auch das kleine Freigelände hinter dem Haus eingegrenzt werden. Noch wird mit Elektroöfen geheizt. Aber wenn Geld in der Kasse ist, sollen Sonnenkollektoren aufs Dach kommen.
Tierschutzverein Markgräflerland: Anja Roth, Buggingen, Tel. 07631/13503; Spenden: Sparkasse Markgräflerland, Konto 8100158, BLZ 68351865
Autor: Sigrid Umiger
