Gartenarbeit

Tipps vom Profi: So überleben Ihre Pflanzen die Pfingstferien

Lena Roser und Tamara Keller

Von Lena Roser & Tamara Keller

Di, 22. Mai 2018 um 09:48 Uhr

Merzhausen

Experten aus dem Breisgau geben Tipps, was man jetzt für die Pflanzen im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon tun kann – und was man lieber sein lassen sollte.

Die Frühblüher sind längst hinüber, Bäume und Sträucher tragen erste Früchte, und der Rasen verlangt nicht nur nach Regen, sondern auch nach regelmäßiger Schur. Was man jetzt – nach den Eisheiligen – im Garten oder auch auf Balkon und Terrasse zur Hege und Pflege von Pflanzen tun oder besser unterlassen sollte, haben Experten der Breisgau-Redaktion erklärt.

Gärtnern auf dem Balkon

Tipp von Luzia Boch-Sumser, Leiterin der Gärtnerei Sumser in Merzhausen: "Stichtag für die Balkonsaison ist der 15. Mai. Fängt man vorher mit dem Bepflanzen an, kann das Wetter mit Frost behaftet sein. Das ist tödlich für die Gewächse. Wichtig ist, die Blumen an die Ausrichtung des Balkons anzupassen. Bei Schattenplätzen, wenn sich der Balkon auf der Ost- oder Nordseite befindet, eignen sich die Fuchsien oder die Knollenbegonien. Für Plätze voller Sonne an der Südseite sind Geranien, das Wandelröschen und die Vanille-Blume toll. Im Bereich Balkonpflanzen ist wichtig, dass man gute Erde nimmt. Es eignet sich die leicht vorgedüngte Erde oder noch besser der Langzeit-Osmocote-Dünger. Der besteht aus Kügelchen, die sich in Intervallen auflösen, was bedeutet, den muss man nur einmal pro Saison in die Erde einarbeiten. Praktisch sind auch die neuen Balkonkästen, die sich selbst bewässern. Die Wasserspeicherkästen sind mit einer dickeren Außenwand versehen, in der sich Dochte aus Watte befinden, die das Wasser von unten nach oben ziehen. Am Anfang muss man die Blumen ganz normal von oben gießen bis die Erde angenässt ist. Nach 14 Tagen lässt sich dann der Tank befüllen und ab da muss nur noch alle vier bis sechs Wochen gegossen werden. Bei Hitzeperioden von durchgängig 30 Grad kann es sein, dass etwas nachgegossen werden muss. Ansonsten funktioniert das."

Rasen richtig pflegen

Tipp von Andreas Döring, Leiter der Gärtnerei Döring in Umkirch: "Der Start der Rasen-Saison ist schon vorbei: Die ersten Schnitte sollten jetzt eigentlich schon gemacht sein. Mit der Rasenpflege beginnt man im Normalfall Anfang April. Im späten Frühjahr kann man den Rasen vertikutieren und belüften. Wichtig ist es zurzeit, den Rasen mindestens einmal pro Woche zu mähen. Dabei spielt das Wetter eine wichtige Rolle: Das Mähen vernachlässigen viele, aber bei warmen Temperaturen, die es in diesem Jahr schon im April gab, sollte sogar alle fünf Tage gemäht werden. Pauschal gesagt, sollte der Rasen immer zwischen drei und sechs Zentimeter hoch sein. Der Rasenmäher spielt übrigens auch für die Düngung eine wichtige Rolle: Mit den neuen, modernen Rasenmähern muss man weniger düngen. Das Schnittgut bleibt beim Mähen liegen und wird so zu einem Dünger. Es lohnt sich also, sich so etwas anzuschaffen. Bei der Düngung gibt es zudem verschiedene Varianten für Düngermittel: Es gibt Dünger für drei oder sechs Monate und einen für die ganze Saison. Wer sich für den Langzeit-Dünger für die ganze Saison entscheidet, verwendet diesen im Herbst. Wenn man alle drei Monate düngt, dann sollte das zu Beginn des Sommers wieder gemacht werden."

Schädlinge bekämpfen

Tipp von Ralf Sauter, Gärtnermeister und Geschäftsführer von Sauter in Gundelfingen: "Mit zunehmender Wärme sollte man die Schädlingsbekämpfung im Blick behalten. Die Population der Schädlinge steigt fast immer, je wärmer es wird. Bei Schnecken spielt die Feuchtigkeit eine Rolle – bei feuchter Wetterlage sind mehr von ihnen unterwegs. Da kann man mit natürlichen Mitteln wie Schneckenzäune oder Bierfallen Vorsichtsmaßnahmen treffen. Ansonsten haben viele auch mit Läusen und bestimmten Käfern zu kämpfen. Am bekanntesten ist der Buchsbaumzünsler. Wichtig ist, dass man seine Pflanzen beobachtet, es rechtzeitig entdeckt und Maßnahmen zur Bekämpfung ergreift. Zusätzlich zu biologischen Mitteln können auch Nützlinge helfen. Sie wirken oft als Gegenspieler der Schädlinge: Florfliegenlarven fressen beispielsweise Blattläuse. Im Freiland ist das alles etwas schwerer als im Gewächshaus – da hilft es, sich beraten zu lassen. Es geht aber auch noch einfacher: Durch eine wechselnde Bepflanzung kann man die Natur fördern. Wenn der Garten bunt ist, zieht dieser verschiedene Nützlinge an. Auch Vögel spielen eine wichtige Rolle: Sie fressen manche Schädlinge. Deshalb ist es schlau, den Garten vogelfreundlich zu gestalten. Eine abwechslungsreiche Bepflanzung spielt auch bei der Insektenförderung eine große Rolle. Insektenförderung bedeutet, die Artenvielfalt zu erhalten. Manche Schmetterlingsarten sind beispielsweise vom Aussterben bedroht. Eine große Pflanzenvielfalt bedeutet auch eine große Insektenvielfalt."

Bäume und Sträucher

Tipp von Evelin Kohler-Ruh, Planerin und Landschaftsarchitektin im Garten- und Landschaftsbau Ruh in Ehrenkirchen: "Man schneidet eigentlich über die Wintermonate bis Ende Februar. In dieser Zeit bringt man die Bäume und Sträucher wieder in Form und schneidet sie zurück. Wegen des Vogelschutzgesetzes darf man ab März nicht mehr schneiden, die Vögel nisten und brüten zu der Zeit. Das Ganze gilt aber nicht für kosmetische Schnitte: Wenn man beispielsweise einen Buchs mit der Heckenschere ein bisschen in Form bringen will, darf man das den ganzen Sommer über. Wenn etwas zugewachsen ist, sollte man es ab Mai etwas wegschneiden. Es gibt auch noch eine weitere Ausnahme: Bei Obstbäumen oder Sträuchern entstehen zum Teil senkrecht wachsende Äste, sogenannte Wasserreiser. Diese wachsen an Stellen, an denen man etwas zurückgeschnitten hat. Wen das stört, sollte Wasserreiser ab Juli wegschneiden. Die Zeit zum Neupflanzen von Sträuchern ist eigentlich schon vorbei. In Töpfen kann man Sträucher aber den ganzen Sommer über pflanzen. Ab Mai sollte jedoch beachtet werden, dass noch nicht viele neue Wurzeln vorhanden sind. Dementsprechend muss man mehr gießen, ansonsten überlebt die Pflanze den Sommer wahrscheinlich nicht."

Im Gemüsegarten hacken

Tipp von Jannis Zentler, Leiter der Gärtnerei Querbeet in Eichstetten: "Nach den Eisheiligen ist der Moment, in dem man die ganz empfindlichen, wärmeliebenden Kulturen pflanzen kann. Also zum Beispiel Paprika, Tomaten, Bohnen, Mais oder Auberginen, wenn man das nicht schon gemacht hat. Wenn es heiß und trocken wird, ist es wichtig, dass man sich um die Pflege der Kulturen kümmert. Also einerseits darauf achtet, sie regelmäßig zu bewässern und auch mit der Hacke ein bisschen nachhackt. Das hält den Boden oben locker und sorgt dafür, dass das Wasser nicht gleich wieder verdampft. Je nachdem wo man wohnt, ist das natürlich unterschiedlich: Wenn man am Kaiserstuhl verortet ist, so wie wir mit unserer Gärtnerei, dann kann man die Sachen auch ein bisschen früher anpflanzen als Mitte Mai – dort ist es etwas wärmer. Im Freiburger Raum und Richtung Hochschwarzwald, wo es wegen der Täler kälter ist, ist es besser, wenn man bis zu den Eisheiligen wartet. Für den Hausgarten finde ich Sachen am besten, die man kontinuierlich beernten kann. Verschiedene Kräuter eignen sich da super. Hier muss man nur darauf achten, sie kontinuierlich zu bewässern. Auch Salat ist gut einzeln zu ernten, wenn man grünen und roten Eichblatt nimmt. Kopfsalat ist eher unpraktisch. Den muss man komplett ernten und nur die wenigsten essen direkt einen ganzen Kopf Salat."

Beeren verarbeiten

Tipp von Walter Schwaab, Leiter des Obstbau Schwaab in Denzlingen: "Grundsätzlich brauchen Beeren immer einen feuchten Boden, das heißt, man muss um diese Zeit sehr aufpassen – derzeit ist es zu trocken. Da muss man halt Wässern. Was man im Hobbygarten auch machen kann: Die Beeren mit Kompost, Stroh oder Laub abdecken, dadurch wird die Wasserversorgung auch besser. Sollte um Pfingsten herum doch mehr Feuchtigkeit ins Spiel kommen, muss man aufpassen: Dann sollte man etwas gegen Schnecken machen. Um diese Zeit herum kann man bei den Beeren wahrscheinlich am besten ernten. Das variiert natürlich, weil das auch wetterabhängig ist. Es gibt wahrscheinlich dann gerade alle möglichen Beeren: Himbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren. Die unproblematischste Beere ist wahrscheinlich die Johannisbeere. Grundsätzlich braucht jede Beere ihre ganz besondere Pflege, nur jede Beere eben anders. Letztendlich lohnt es sich immer, nochmal genauer im Internet zu schauen. Mein spezifischer Tipp für Heidelbeeren: Man sollte schauen, dass der Boden nicht zu viel Kalk hat, weil sie die sauren Böden lieben."

Arbeit im Kräutergarten

Tipp von Imke Haite-Voss, Kräuterpädagogin und Teil des Kräutergarten-Teams in Oberried: "Die Vegetation ist mal so und mal so in den Pfingstferien. Wichtig ist, dass man nach den Eisheiligen anfängt, den Boden zu lockern und Kompost zu untergraben. Am besten ist, wenn man das sogar schon vor den Eisheiligen erledigt, aber wenn man berufstätig ist, ist das nicht immer so leicht. Dann macht man das halt, wenn man es macht. Im Optimalfall ist der Boden schon gelockert und die unerwünschten Pflanzen sind entfernt. Nach den Eisheiligen überprüft man die Kräuter, die aktuell sind. Was über den Winter vertrocknet oder verfroren ist, wird rausgeschmissen. Was macht der Rosmarin? Hat der trockene Spitzen? Dann muss man die ausschneiden. Was macht der Schnittlauch? Wenn man einen üppigen Busch hat, dann kann man den ruhig mal ausgraben, in der Mitte einfach mal mit dem Spaten teilen und die einzelnen Büschel wieder einpflanzen, so dass er besser an Nahrung kommt. Den Schnittlauch selbst sollte man immer wieder ernten und dabei bis zum Boden abschneiden, nicht den gesamten, aber immer mal wieder Stängel für Stängel. Zu dieser Zeit ist der Salbei noch aktuell. Auch hier sollte man nach Frostschäden schauen und obenrum mal kürzen. Zudem sollte man bei Thymian und Bodenkraut schauen, dass die Triebe von unten wieder starten können. Alle Kräuter, die ich jetzt genannt habe, kann man auch gut frisch säen. Zudem sind es auch alles Heilkräuter."