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30. April 2012
Tischtennis: Deutschen Meisterschaft der Behinderten
"Huddel, das machst du"
Dirk Hudarin holt zwei Titel in Schutterwald / Vierte Einzelmeisterschaft in Folge für Juliane Wolf.
TISCHTENNIS. Time-out. Absolute Stille. Es ist Samstag 16.59 Uhr. Die Schutterwälder Mörburghalle ist vollbesetzt. Es steht 9:7 für Dirk Hudarin (BSG Offenburg/TTCLanghurst) im Entscheidungssatz des Herren-Einzels der Wettkampfklasse 8. Keine Minute später steht fest: Dirk Hudarin gelingt, was er nur zu hoffen gewagt hat: Er holt sich auch im Einzel den Titel bei der Deutschen Meisterschaft der Behinderten im Tischtennis.
Bereits am Tag zuvor gelang dem 40-jährigen Schutterwälder vor heimischem Publikum der Coup. Mit seinem Doppelpartner Rüdiger Götz von der BSG Neumünster (beide kennen sich aus der Nationalmannschaft und sind ein eingespieltes Team an der Platte) schlug er in einem spannenden Finale Johannes Urban und Joschua Wagner. Damit gelang Dirk Hudarin etwas, was in seiner langen Liste der Erfolge noch gefehlt hat: Ein Double, den Meistertitel im Einzel und im Doppel zu holen. "Es ist gigantisch", strahlt der Familienvater übers ganze Gesicht. Dass ihm das vor heimischem Publikum gelungen ist, macht es zu einem ganz besonderen Erlebnis. "Absoluter Wahnsinn", so der frisch gekürte Meister.
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Die Unterstützung der Ortenauer Tischtennisfreunde war Hudarin im Einzelfinale unüberhörbar sicher. Das war es auch, was seinem Gegner, dem erst 16-jährigen Joshua Wagner (BSG St. Ingbert) schlussendlich um den Sieg brachte. Er kämpfte verbissen und machte es Dirk Hudarin nicht leicht. Gingen der erste und zweite Satz noch eindeutig an den Schutterwälder, gingen diesem im dritten Satz die Nerven durch. Er stand zu verbissen an der Platte, wollte unbedingt die Entscheidung, hörte nicht auf die guten Ratschläge seines Coachs Siggi Hetmanczyk ("Spiel weich auf seine Rückhand") und verlor nach vier Satzbällen. Im entscheidenden vierten Satz zeigte Hudarin wieder Nervenstärke und dass er ein alter Fuchs an der Platte ist. Unter großem Jubel des Publikums und "Huddel, das machst du" kam beim 9:9 und eigenem Aufschlag das 10:9, 11:9 und der Sieg. "Super Bub, mir sin z’ friede mit dir", standen die Gratulanten Schlange.
Nicht mit ganz so viel Dramatik, aber ebenso erfolgreich verliefen für Juliane Wolf von der BSG Offenburg die Titelkämpfe. Im gesamten Turnierverlauf hat sie keinen Satz abgegeben und gewann zum vierten Mal in Folge die Meisterschaft im Einzel. "Alles andere wäre eine Enttäuschung gewesen", sagte die Studentin der Integrationspädagogik nach ihrem Sieg im Einzel. Ihre Doppelpartnerin Stefanie Grebe verwies sie dabei auf Platz zwei.
auf dem Schläger gehabt."
Juliane Wolf nach dem Doppel
Last but not least stand mit Sener Oguz (TTC Ettenheim) ein weiterer Spitzensportler aus der Region an der Platte, der national und international große Erfolge in seiner Wettkampfklasse 7 nachweisen kann. Sein Ziel war es, "einige Topleute in meiner Wettkampfklasse zu ärgern". Das ist ihm geglückt. Sener Oguz stand für den BSG Offenburg an der Platte. Der 32-Jährige kam im Doppel ins Achtelfinale, zog im Herren-Einzel sogar ins Halbfinale ein. Dort unterlag er Thorsten Schwinn und kam auf Platz drei.
"Wer hier ins Halbfinale kommt, kann zufrieden sein", sagte er, denn mit Jochen Wollmert hatte er im Verlauf des Wettbewerbs den Goldmedaillengewinner bei den Paralympics 2008 von Peking an der Platte. "Gegen Thomas Kurfess, den mehrfachen Weltmeister und Goldmedaillengewinner bei Paralympics, habe ich in der Vorrunde 3:0 gewonnen", freute sich Sener Oguz über sein gutes Abschneiden vor heimischem Publikum. Darunter war auch der Bundestrainer des deutschen Handballbundes und Schirmherr der Wettkämpfe, Martin Heuberger, der sich "sehr beeindruckt von den sportlichen Leistungen der Behinderten" zeigte.
Dass bei rund 400 Spielen an 16 Tischen Weltklassesport in Schutterwald zu sehen war, freute nicht nur das zahlreiche Publikum. In der Mörburghalle erschien auch ein Dopingkontrolleur aus Frankfurt und zog bei zehn Prozent der Spieler eine Stichprobe. "Wir sind für sauberen Sport auch bei den Behinderten", so der Kontrolleur, "wir testen Kaderathleten und solche, die am Anfang ihrer Karriere stehen." Intelligente und edukative Kontrolle waren in Schutterwald angesagt.
Autor: Bettina Schaller



