In der Ruhe liegt die Kraft

Lukas Karrer

Von Lukas Karrer

Fr, 12. Januar 2018

Tischtennis

Vor der Saison verstärkte Volha Lazarkova die Weiler Reserve – doch für die war sie schnell zu gut.

TISCHTENNIS Zweite Bundesliga: ESV Weil – ATSV Saarbücken, Sonntag, 14 Uhr. Tischtennis in Weißrussland ist unmissverständlich mit Vladimir Samsonov verbunden. Der dreifache Einzel-Europameister zählt zu den ganz Großen in seiner Sportart. Mit fünf Teilnahmen an Olympischen Sommerspielen sowie 13 Champions-League-Siegen inspirierte Samsonov eine ganze Generation seines Heimatlandes, die schnelle Rückschlagsportart nicht nur in der Mittagspause auf den Pausenhöfen oder als gemütlichen Zeitvertreib an Steinplatten auszuüben.

Ein Kind dieser Generation ist Volha Lazarkova. Die großen Erfolge Samsonovs, der sich ähnlich wie Skispringer Noriaki Kasai seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Weltspitze hält, hatten auch beim Sommerneuzugang des ESV Weil Wirkung erzielt. Zwar kennt die junge Weißrussin die größten Erfolge ihres Idols, das 1997 erstmals den Thron der Weltrangliste erklimmen konnte, nur aus Erzählungen, doch sie eiferte ihm früh nach.

Wie einst Samsonov nach Düsseldorf führten Volha Lazarkova, die in Weil alle Olga rufen, bessere Trainingsbedingungen und die damit verbundene Hoffnung auf erhöhte Karrierechancen nach Deutschland. "Auf der Suche nach einem Ersatz für Lilli Eise sind wir über unsere guten Kontakte zum Trainingszentrum im sächsischen Eilenburg auf Olga aufmerksam geworden", berichtet die Weiler Abteilungsleiterin Doris Spieß.

Bis zu ihrem ersten Auftritt bei den Zweitligafrauen des ESV musste sich Lazarkova jedoch noch eine Weile gedulden. Nicht zuletzt eine beeindruckende 28:0-Einzelbilanz in der Reserve, die aus der Badenliga abgestiegen war, dienten im Herbst aber schließlich als nachdrückliches Empfehlungsschreiben.

"Zunächst unsicher, ob Sprung in die Zweite Liga gelingt"

"Wir waren uns dennoch nicht ganz sicher, ob sie den Sprung schon schaffen kann. Der Unterschied zwischen der Verbandsliga und der zweiten Bundesliga ist enorm", gesteht Doris Spieß ihre Bedenken rückblickend. Doch die erste Visitenkarte im Zweitligateam war gleich eine gute: Nach einer denkbar knappen Niederlage beim Einzeldebüt gegen den MTV Tostedt, gelang der Weißrussin beim 5:5 im abschließenden Vorrundenspiel gegen den TTK Großburgwedel ihr erster Erfolg.

"Sie ist immer sehr ruhig. Ich kann gar nicht so viel über sie sagen", beschreibt Trainer Alen Kovac seine Spielerin, die im Doppel bestens mit Anna Kirichenko harmoniert. Auch Doris Spieß tut sich schwer, die in sich ruhende Lazarkova näher zu charakterisieren, denn "Olga ist sehr introvertiert, dennoch bei den Mitspielerinnen äußerst beliebt", sagt sie. Und: "An der Tischtennisplatte kommt Sie aus sich heraus, zeigt Emotionen."

Auch zum Rückrundenauftakt gegen den ATSV Saarbrücken am Sonntag zählt Volha Lazarkova als Ersatz für Eline Loyen, die sich im Prüfungsstress befindet, wieder zum Kader von Alen Kovac. Nicht nur beim anspruchsvollen kroatischen Coach ist gegen den Tabellenvorletzten der sechste Saisonsieg fest eingeplant: "Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, dürfen wir uns keine Ausrutscher mehr leisten", verdeutlicht Kovac, der abgesehen von Loyen mit Ievgeniia Vasylieva, Charlotte Carey und Anna Kirichenko aus dem Vollen schöpfen – und bei Lazarkova vielleicht sogar mit zwei Einzelpunkten rechnen kann.