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15. Juni 2012

"Wir legen die Basis, um in London erfolgreich zu sein"

Die besten deutschen Tischtennisspieler um Timo Boll trainieren unter Anleitung von Bundestrainer Jörg Roßkopf im Schwarzwald.

  1. Bundestrainer Jörg Roßkopf mit den Olympiateilnehmern Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll und Bastian Steger beim Lehrgang in Hinterzarten. Vom Olympiateam fehlte Patrick Baum. Foto: Dieter Maurer

TISCHTENNIS. Vom Schlägerrand prallt der Ball ab in luftige Höhen und landet auf der Tribüne. Jutta Bauer und Weriand Löhmann nehmen das Geschenk dankend an. Aufmerksam verfolgen sie die rasanten Ballwechsel der besten deutschen Tischtennisspieler in der Sporthalle Hinterzarten. Mit bis zu 160 Stundenkilometern flitzen die 2,5 Gramm leichten Zelluloidbälle über die grünen Platten. Den Akteuren bleiben nur Zehntelsekunden zur Reaktion. Löhmann, bis vor wenigen Jahren Akademischer Oberrat am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Freiburg, zeigt sich beeindruckt vom schnellsten Rückschlagspiel der Welt: "Das ist einfach phantastisch." Jutta Bauer, von Beruf Psychologin: "Für die Olympischen Spiele in London drücken wir den Jungs ganz fest die Daumen." Dort peilen die deutschen Starter zwei Medaillen an.

Der einwöchige Konditions- und Fitnesslehrgang des A/B-Kaders des Deutschen Tischtennis-Bunds im Hochschwarzwald steht ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die Sommerspiele. Zwar dürfen nur vier der zwölf DTTB-Nationalspieler in der englischen Hauptstadt antreten, gleichwohl fiebern alle dem sportlichen Großereignis entgegen. Bundestrainer Jörg Roßkopf: "In Hinterzarten legen wir die Basis, um in London erfolgreich zu sein." Vom Olympia-Quartett fehlt nur Patrick Baum. Er musste sich einem Eingriff unterziehen, wird aber beim Lehrgang in Düsseldorf (19. bis 23. Juni) wieder dabei sein.

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Die Tage sind ausgefüllt mit schweißtreibenden Trainingseinheiten. Während Assistent Zhu Xiaoyong die weißen Ballschalen füllt ("Wir haben etwa 900 Bälle dabei"), bittet Athletiktrainer Ralph Färber zum Aufwärmen. Danach stehen die Akteure zwei Stunden an den Platten. Es heißt Aufschlag üben, es folgen Ballwechsel Vor- und Rückhand, Spin und Topspin, Unterschnitt und Sidespin, Schmetterball und Ballonabwehr – für jeden das maßgeschneiderte Übungsprogramm. Den Abschluss bilden Stabilisationsübungen. Timo Boll wusste schon bei der Anreise, was auf ihn zukommt: "Hinterzarten steht für Kondition bolzen." In London will der beste deutsche Spieler seine erste olympische Einzelmedaille gewinnen. Nach dem Mittagessen sind Laufen oder Mountainbiken, Krafttraining oder Spinning im Fitness-Studio angesagt.

Chefcoach Jörg Roßkopf ist mit den Bedingungen vor Ort zufrieden: "Wir haben hier die Halle für uns allein, können ungestört in aller Ruhe arbeiten. Und die Berge ringsum bieten sich zum Laufen und Radfahren geradezu an." Der einstige Weltklassespieler kennt die Region aus seiner Zeit als Aktiver: "Da hatten wir regelmäßig Lehrgänge in Hinterzarten." Aber auch die jüngeren Spieler fühlen sich wohl, schätzen die idealen Voraussetzungen in der Halle sowie das Quartier im Seminarhotel Sonnenhof. Gefragt sind dort nicht nur das sportlergerechte Essen von Küchenmeister Charly Doll, sondern auch seine Ernährungstipps.

Die Tischtennis-Wettbewerbe in London werden vom 28. Juli bis 8. August im "ExCeL Exhibition Centre" ausgetragen. Der Weltverband hat durchgesetzt, dass erstmals nur zwei Athleten pro Land im Einzel starten dürfen. Die chinesische Dominanz soll eingeschränkt werden. Insofern verbessern sich die Aussichten für die deutschen Starter Timo Boll (6. der Weltrangliste) und Dimitrij Ovtcharov (11.). In London wird Boll an Nummer vier gesetzt sein, Ovtcharov auf den Plätzen zwischen fünf und acht. Roßkopf ist zuversichtlich: "Beide haben die Möglichkeit, ihren Traum von einer Medaille wahr werden zu lassen."

Auch im Mannschaftswettbewerb liebäugelt Roßkopf mit Edelmetall. Schließlich gewannen seine Spieler bei der Weltmeisterschaft in Dortmund Silber. Sie scheiterten erst im Finale an China: "Wir wollen bei der Medaillenvergabe ein gewichtiges Wort mitreden." Im Unterschied zur WM wird in London im Teamwettbewerb auch Doppel gespielt: "Da muss man einige Nationen wie Portugal, Singapur und auch Hongkong mit einbeziehen. Denn sie haben starke Doppel."

Autor: Dieter Maurer


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