Wohnungsnot

Titisee-Neustadt wird keinen Mietspiegel erstellen lassen

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Do, 30. August 2018 um 09:49 Uhr

Titisee-Neustadt

Ein Mietspiegel soll Transparenz auf dem Wohnungsmarkt erzeugen. Am Ratstisch überwiegt die Skepsis gegen einen entsprechenden Vorstoß aus der Verwaltung. Er sei keine Hilfestellung für Wohnungssuchende und Mieter.

Ein Mietspiegel ist eine Übersicht. Sie zeigt, wie der Name es andeutet, welche Mieten in einer Stadt für Wohnungen üblich sind. In Titisee-Neustadt wird es einen Mietspiegel nicht geben. Der Gemeinderatsausschuss für Umwelt und Technik hat einen Vorstoß der Verwaltung in einer öffentlichen Sitzung abgelehnt. Damit ist auch ein Kooperationsmodell mit den Gemeinden Hinterzarten, Feldberg und St. Peter vom Tisch. Sie hätten sich zusammen um eine Landesförderung bemüht.

Die Verwaltung führte an, der Wohnungsmarkt in Titisee-Neustadt sei sehr angespannt. Seit Jahren könne der Bedarf nicht gedeckt werden, vor allem nicht im sozialen Wohnungsbau. Als Folge dieses Drucks habe sich das Mietniveau erhöht. Sie berichtete von regelmäßigen Anfragen, was für Wohnungen verlangt werde. Sie wies auch auf Konflikte zwischen Mietern und Vermietern über den Begriff der angemessenen Erhöhung.

Mietspiegel erzeugt wiederkehrenden Aufwand

Das Liegenschaftsamt führt in einer Gegenüberstellung Vor- und Nachteile auf. Demnach verhilft der Mietspiegel unter anderem zu einer Transparenz des Markts und gibt Hilfestellung bei der Gestaltung von Mietverträgen sowie bei der Einschätzung, ob Erhöhungen gerechtfertigt sind. Als nachteilig wird beispielsweise angesehen, dass ein Mietspiegel Mieterhöhungen fördern und damit Konflikte schüren kann. Er würde überdies dazu führen, dass allgemein sichtbar wird, was Vermieter einnehmen. Nicht zuletzt würde das Erstellen eines Mietspiegels einen wiederkehrenden Aufwand bedeuten. Die Kosten für einen Mietspiegel, erstellt durch eine Fachfirma, hätten sich auf 20.000 Euro für die vier Orte belaufen, davon wäre die Hälfte gefördert worden.



Doch das Gremium blockte ab. Konrad Straub (CDU) fürchtete, dass Mieterhöhungen provoziert würden. Klaus Menner (Bürgerliste) ging auf den großen Aufwand ein, ohne dass man Einfluss bekäme; für ihn stand fest, dass einen Nutzen nur die Firmen hätten, die Mietspiegel aufstellen. Helga Bombardi (Grüne) äußerte, der Markt regle alles. Sie merkte an, dass ein Mietspiegel ein Hindernis für Investoren sein könnte.

Sie fände es sinnvoller, es würde geschaut werden, ob Mieten gerechtfertigt sind. Ihre Fraktionskollegin Daniela Evers hielt dagegen, die Mieten in Freiburg seien nicht wegen des Mietspiegels explodiert. Aus ihrer Sicht könnte ein solcher Katalog der Lenkung im Wohnungsbau dienen.

Bürgermeister Armin Hinterseh argumentierte, dass ein Mietspiegel vor allem eine Hilfe für Mieter wäre. Die Mehrheit des Gremiums sprach sich jedoch dafür aus, die Sache nicht weiter zu verfolgen.