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26. November 2013 20:18 Uhr

Gedenkgottesdienst

14 rote Rosen erinnern an die Opfer des Brandunglücks

Im Neustädter Münster haben Angehörige und Kollegen der 14 Menschen gedacht, die bei der Brandkatastrophe am 26. November 2012 ums Leben kamen. Peter Stellmach berichtet von einem bewegenden Gottesdienst.

  1. Schon tagsüber kommen am Dienstag Menschen ins Neustädter Münster und gedenken der Opfer des Brandunglücks in der Caritaswerkstätte vor einem Jahr. Die 14 rote Rosen stehen stellvertretend für die 14 Menschen, die bei dem Feuer ums Leben gekommen sind. Foto: Peter Stellmach

  2. Gewidmet den Opfern Foto: peter stellmach

An die Liebe denken, die noch stärker sei als Hoffnung und Glaube, und aus ihrer Kraft Zuversicht schöpfen: Diese Botschaft überstrahlte am Abend im voll besetzten Münster den ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die 14 Männer und Frauen, die vor einem Jahr beim Brand in der Caritas-Werkstätte gestorben sind. Viele Menschen bekundeten ihr Mitgefühl mit den Hinterbliebenen, unter ihnen Menschen mit Behinderung, deren Angehörige und Betreuer, ebenso die Psychologen. Die Spitze des Caritasverbands Freiburg Stadt als Träger der Werkstätte St. Georg war komplett vertreten.

Osterkerze als Zeichen für die Hoffnung nach dem Tod

14 rote Rosen sind auf den Stufen vor dem Altar aufgereiht, Symbol für die Liebe zu den Menschen, die durch das Unglück umgekommen sind, wie Pfarrer Johannes Herrmann sagt. Ein Engel, eine Gedenkkerze, die mit den Seiten der Seligpreisungen aufgeschlagene Heilige Schrift, aber auch die große Osterkerze als Zeichen für die Hoffnung nach dem Tod. Den Tag über haben Menschen hier innegehalten. So viele Menschen sind es.

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Minutenlange Stille beherrscht den großen Raum. Dann wendet sich Pfarrer Herrmann an die Menschen und spricht davon, dass man tief bewegt und sehr traurig gedenke. Er erwähnt die große Anteilnahme nach dem tragischen Ereignis, auch die Hilfsbereitschaft, beides Zeichen der Verbundenheit, daran habe sich bis heute nichts geändert. Der 26. November werde immer ein Gedenktag sein, sagt er, das Geschehene und die Folgen mit Verletzungen an Körper und Seele, "das lässt sich nicht ausradieren".

Dann sagt Pfarrer Herrmann die Namen noch einmal auf, so wie damals.

Harfenklang von Liebe

Der evangelische Pfarrer Fritjof Ziegler bittet gemeinsam mit den Versammelten, Gott möge sich den Menschen zuwenden, die gebeugt seien. Gemeindereferentin Angelika Hug liest aus dem Brief des Apostels Paulus an die Korinther, der die Liebe zum Inhalt hat, stärker als jede andere Kraft. Und dann erklingt schon "The Rose", jenes Lied von Bette Midler, mit dessen Botschaft der Liebe Stefanie Helmle auf den zart schwingen Saiten der Harfe das Kirchenschiff erfüllt.

Pastoralreferent Andreas Alt spricht die Fürbitten. Lieder der Hoffnung haben bis hierhin den Gottesdienst begleitet.

Dompfarrer a. D. Erich Wittner ergreift das Wort. Es gebe Ereignisse im Leben, die sich tief eingraben in das Gedächtnis, sagt der Vorsitzende des Aufsichtsrats des Caritasverbands Freiburg-Stadt. So, wie das tragische Brandunglück. Er schildert, wie er sich damals, auf der Fahrt nach Neustadt, das Ausmaß des Unglücks vorzustellen versuchte – und wie ihn die Wirklichkeit mit voller Wucht traf. "Wir gedenken der 13 Menschen mit einer Behinderung und ihrer Betreuerin", sagt er. "Ihr Schicksal hat uns zutiefst getroffen. Wir waren fassungslos und sind es immer noch. Aber wir sind nicht hoffnungslos."

Große Trauer, große Dankbarkeit

Worte der Zuversicht spendet er den Angehörigen und Freunden der Gestorbenen: "In allem bedrückenden Leid und der Trauer, die gerade in diesen Tagen besonders aufbrechen, bitte ich Sie, nicht in der Trauer zu versinken. Denken Sie bitte vielmehr auch dankbar an alles Gute und Schöne, das Sie bei allen Herausforderungen mit ihrem verunglückten Kind oder Geschwister erlebt haben. Denken Sie auch an die frohen Stunden in all den Sorgen und Mühen des Alltags, die Sie gemeinsam erleben durften." Wittner bezieht die Arbeitskollegen ein, die Leitung und die Mitarbeiter der Werkstätte und der Fachabteilung. Sie alle hätten Schlimmes zu erleben gehabt, jedoch sich wieder neu dem Leben zugewandt. Dass sie sogleich wieder da waren für die Ihnen anvertrauten Menschen – "das erfüllt mich mit großer Hochachtung".

Bei allem, was den Verband noch belaste, habe man auch Anlass zum Dank: für die Hilfen und die Solidarität der Menschen im Hochschwarzwald und weit darüber hinaus. Den Feuerwehren, den Rettungskräften, der Polizei, dem Technischen Hilfswerk, den Notfallseelsorgern, den Nachbarn der Werkstätte, allen ehrenamtlichen Helfern sowie dem Landkreis und den Städten Titisee-Neustadt und Löffingen. Der Berufsgenossenschaft, den Psychologen, Therapeuten und Ärzten, der Klinik Friedenweiler und der Klinik Haus Vogt. Ein engmaschiges Hilfenetzwerk habe mitgeholfen, "dass schon einiges an Stabilisierung und Bewältigung erreicht werden konnte".

Dank gelte auch den Mitarbeitern der Wohnhäuser in Neustadt und allen befreundeten Diensten und Einrichtungen wie der Lebenshilfe in Neustadt oder dem Haus Lebensheimat in Reiselfingen.

"Die Werkstätte in Neustadt wird in Zukunft wieder ein Ort sein, an dem die uns anvertrauten Menschen weit mehr finden als nur einen Arbeitsplatz." Erich Wittner
"Wir blicken", führt Wittner weiter aus, "heute zurück in tiefer Trauer und sind zugleich von großer Dankbarkeit erfüllt. Das lässt uns auch vertrauensvoll in die Zukunft blicken. Die Verbundenheit und Solidarität, die wir erfahren haben, sowie das Zusammenrücken der Mitarbeiter unserer Einrichtungen werden den gesamten Caritasverband Freiburg-Stadt auch künftig prägen. Und die Werkstätte in Neustadt wird in Zukunft wieder ein Ort sein, an dem die uns anvertrauten Menschen weit mehr finden als nur einen Arbeitsplatz. Sie sollen wissen, dass es für den Caritasverband ein kostbares Geschenk ist, sie in ihrem Können zu fördern und in ihrer Würde zu stärken."

Mit "Großer Gott, wir loben dich" klingt das Gedenken aus. Man sieht noch viele Menschen, die sich drücken und die Hände schütteln, viele, die im Gespräch sind. Manche in Trauer und Tränen vor den 14 roten Rosen.

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Autor: Peter Stellmach