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15. August 2011

2200 Zuhörer erlebten die Orchestra & Choral Society Freiburg in Neustadt

Klassikhits plus Rock im symphonischen Gewand: Rund 2200 Zuhörer erlebten die Orchestra & Choral Society Freiburg in Neustadt.

  1. Eine stimmige Kulisse bot die Hochfirstschanze für die monumentalen Klanginszenierungen der Orso-Musikerinnen und Musiker. Foto: Herbert Mark

  2. Die Gesangsolisten waren Spitzenklasse. Bei der Zugabe erlebte man Gunnar Schierreich und Brenda Boykin sogar im Duett. Foto: Herbert Mark

  3. Energiegeladener Dirigent, charmante Moderatorin: Wolfgang Roese mit Conny Kanik. Foto: Herbert Mark

TITISEE-NEUSTADT. Flötenkaskaden statt Gitarrenriffs, Streicherteppiche statt Synthesizer: Wie gut es funktionieren kann, wenn Rock- und Poptitel mit einem klassischen Instrumentarium ausgestattet werden, erlebten rund 2200 Zuhörer am Samstag an der Neustädter Hochfirstschanze. Mit der Rock-Symphony-Nacht zauberten die rund 200 Mitwirkenden von Orso (Orchestra & Choral Society Freiburg) mit Chor, Symphonieorchester, Band und hervorragenden Solisten unter der Leitung von Wolfgang Roese ein klanggewaltiges Crossover von Rockklassikern, Film- und Klassikhits auf die Bühne.

Die von so vielen Stimmen und Instrumenten entfesselte Klanggewalt vor dem imposanten Hintergrund der Sprungschanze bewirkte, dass man viele Songs, die man eigentlich gut zu kennen glaubte, im symphonischen Gewand ganz neu erlebte. Als dann Florian Zink, Saxofonist und Sängersolist beim Orso, Robbie Williams’ "Supreme" intonierte, merkte man dann aber auch, wie stark der Rock ’n’ Roll schließlich doch von der Klangfarbe einer menschlichen Stimme geprägt wird. Zink, der die Verse weit hinaus ins Freie trug und die besungenen Gefühle authentisch transportierte, wurde begeistert beklatscht.

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Auch weitere Gesangsolisten vollbrachten wahre Stimmwunder. Rock ’n’ Roll- und Popstücke benötigen ja nicht zwingend in einem klassischen Sinn schöne Stimmen, um ihre Zuhörer zu berühren. Die Solisten bei der symphonischen Rocknacht von Orso verfügten indes nicht nur über schöne, sondern auch über gut ausgebildete Stimmen. Und auch das sorgte für neue Klangerfahrungen beim Rock ’n’ Roll. Bariton Gunnar Schierreich, der mit seinem Klangvolumen und Stimmumfang mühelos eine Opernbühne füllen könnte, machte den Metallica-Klassiker "Nothing Else Matters" zu einer wahren Hymne. Dem Metallica-Medley stand die symphonische Instrumentierung übrigens besonders gut und durch den farbenreichen Mix aus Orchester, Chor, E-Gitarre und der gehaltvollen Stimme von Gunnar Schierreich bekamen die Songs geradezu Orff’sche Klang- und Emotionsgewalt.

Zusammengehalten und koordiniert wird all die Instrumental- und Stimmenvielfalt vom Orso-Dirigenten Wolfgang Roese. Der Mann ist auf der Bühne das reine Energiebündel und an der Spitze des Orso genau da im Leben angekommen, wo er sich von Jugend an hingewünscht hat. Entspannt erzählt er zwischen Metallica und Led Zeppelin, dass er sein erstes Orchester als Fünftklässler gegründet hat und mit 16, auf Klassenfahrt nach London, bei den Londoner Symphonikern anklingelte und den überraschten Musikern im Gespräch die schriftliche Zustimmung abrang, deren Stücke nachspielen zu dürfen.

Großleinwand-Erlebnisse für die Ohren

Auch Filmmusik ist eine Spezialität von Orso. Beim James-Bond-Medley mit Musik unter anderem aus "Goldfinger", "Golden Eye" und "For Your Eyes Only" sorgte die gebürtige Kalifornierin Brenda Boykin mit ihrer souveränen und weittragenden Soulstimme mit dem Goldfinger-Titelsong für stilechtes Bond-Kinofeeling. Auch die anderen Filmmusikinterpretationen waren Großleinwand pur. "Man meint, man sitzt im Kino – perfekt", kommentierte ein Zuhörer die teils martialischen und teils Sphärenluft atmenden Klänge aus "Star Trek". Sympathisch und informativ moderiert wurde der Abend von Orso-Mitglied Conny Kanik, die sich mit ihren Liedern "Good News" und "Tanz gegen den Wahnsinn" auch als Singer/Songwriter bestens empfahl.

Mit "Va, Pensiero", dem Gefangenenchor aus Verdis Oper "Nabucco", dem "O Fortuna" aus Orffs "Carmina Burana" oder der Arie "Nessun Dorma" aus Puccinis Oper "Turandot" wurden aber auch Klassikhits gut gegeben, und Fausto Reinhardt wartete beim "Nessun Dorma" mit einem Schöngesang italienischer Prägung und einer Gestaltungsfreude auf, die die berühmte Arie zu einem Musikerlebnis ersten Ranges machten.

Nicht viele Pop- und Rocksongs eignen sich so gut für die symphonische Umsetzung wie die von Queen, und so sollte ein Queen-Medley eigentlich ein Höhepunkt des Abends werden. Verdorben wurde das Musikerlebnis leider von einem zwar schönen, aber akustisch sehr störenden Feuerwerk. Zudem musste man, um es zu sehen, den Kopf weit nach links drehen und verpasste währenddessen das Geschehen auf der Bühne. Doch bei so viel guter Musik und guter Stimmung nahmen Zuhörer und Dirigent das gelassen. "Über das Feuerwerk müssen wir noch reden", kommentierte Wolfgang Roese zum Schluss gutgelaunt, nachdem er bekennen musste, dass man auf der Bühne von der Musik fast nichts gehört habe.

Zum Schluss: tosender Beifall, der sich noch etliche Zugaben erklatschte. Danach musste man noch nicht unbedingt nach Hause gehen, denn die Verpflegungsbuden blieben noch eine Weile offen. Die Organisation war so perfekt wie der Abend. Vereine, DRK, Feuerwehr und Bauhof hatten ganze Arbeit geleistet.

Autor: Susanne Filz