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28. Februar 2009
2500 Euro sind schon verfallen
Stadt bremst "Aktiv im Alter" und verliert Bundesgelder.
TITISEE-NEUSTADT. Der Arbeitskreis Generationenstadt der Zukunftswerkstatt hat sich im vergangenen Jahr in Kooperation mit der Seniorenbegegnungsstätte für das Projekt "Alter schafft Neues – Aktiv im Alter" um eine Förderung über das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend beworben. Seit Oktober gehört Titisee-Neustadt zu den Pioniergemeinden und erhielt Bundesgelder in Höhe von 10 000 Euro zugesagt. Die Stadt bremste die ehrenamtlichen Initiatoren, daher wurden die ersten Gelder für 2008 nicht abgerufen. 2500 Euro sind inzwischen verfallen, nur noch 7500 Euro stehen für das Jahr 2009 zur Verfügung.
In einer nichtöffentlichen Sitzung wird sich der Hauptausschuss des Gemeinderates am Dienstag, 10. März, nun erneut mit dem Projekt beschäftigen.Jana Gümbel vom Mehrgenerationenhaus "Carpe diem" hat im vergangenen Jahr den Antrag auf die Bundesgelder im Rathaus vorgelegt, Bürgermeister Armin Hinterseh hat ihn unterschrieben. Die Neustädterin, die sich auch für die Zukunftswerkstatt engagiert, reiste daraufhin im Oktober zur Kick-off-Veranstaltung "Alter schafft Neues" nach Berlin und investierte ehrenamtlich bereits viele Stunden Arbeit in das Projekt. Doch sie erlebte inzwischen eine unliebsame Kollision mit der Gesamtentwicklungsplanung für Titisee-Neustadt.
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Im Verlauf der letzten Vollversammlung der Zukunftswerkstatt im November 2008 im Neustädter Hof sprach sich Bürgermeister Armin Hinterseh gegen weiteren Arbeitseinsatz des Projekts "Alter schafft Neues" aus. Er sei sich des genauen Projektinhalts nicht bewusst gewesen und fürchtete nun eine "Verpuffung des Kreativitätspotenzials" der Ehrenamtlichen und ein Nachlassen der Bereitschaft zur Mitarbeit der älteren Mitbürger, wenn bereits vor der Entwicklungsplanung ähnliche Umfragen zu den Wünschen älterer Bürger gestartet werden. Hinterseh sieht diesen Punkt eingebunden in sein geplantes Gesamtkonzept zur Stadtentwicklung. Hierzu soll 2009 ein entsprechender Auftrag an ein Fachbüro erteilt werden. "Die Leute, die das machen, will ich mir schon selbst aussuchen", sagte Hinterseh im Plenum der Zukunftswerkstatt.
Bei den übrigen ehrenamtlichen Mitarbeitern der Zukunftswerkstatt fanden die Bedenken des Bürgermeisters keine Zustimmung. "Wieso teures Geld an ein Planungsbüro für eine Arbeit bezahlen, die jemand ehrenamtlich angehen will, wenn noch dazu ein beachtliches Bundesgeld zur Verfügung steht?", fragten die Mitarbeiter des Arbeitskreises Generationenstadt. Unter der Bedingung, die für 2009 verbleibenden 7500 Euro Bundesgelder in die von Bürgermeister Hinterseh geplante Stadtgesamtkonzeption einfließen zu lassen und nicht mit ihr zu kollidieren, stimmte die Mehrheit für die Fortführung des Projekts "Aktiv im Alter". Jana Gümbel durfte ehrenamtlich weitermachen, aber nur in einem Rahmen, der nicht mit den späteren Vorhaben der Stadt konkurriert.
Eine vom Bundesministerium angelieferte Wünschebox, in die die Bürger anonym Anregungen und Wünsche an ihre Kommune abgeben sollen, die daraufhin in einem Gesamtbild ausgewertet werden sollten, durfte die Projektleiterin trotzdem noch nicht aufstellen. "Es sollen keine Wünsche geweckt werden, die letztlich nicht erfüllt werden können", erläutert Gümbel die bürgermeisterliche Anweisung.
Als nächster Schritt des Projekts ist ein empirischer Stadtrundgang mit älteren Bürgern geplant. Die Ergebnisse werden durch das Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung in Freiburg unter wissenschaftlicher Begleitung ausgewertet. Daraus kann dann eventuell ein konkretes Projekts entstehen, welches wiederum bürgerschaftliches Engagement erfordert. Jana Gümbel fühlt sich in ihrem bürgerschaftlichen Engagement allerdings ausgebremst. Für sie ist "vieles nicht nachvollziehbar", nachdem sie bereits viel Arbeit investiert hat, um Gelder zu beschaffen, die inzwischen teilweise wieder verfallen sind. Die 1000-Wünsche-Box steht noch ohne Wunsch in einer Ecke ihres kleinen Büros im Mehrgenerationenhaus.
Bürgermeister Hinterseh sieht die Sache anders. Er schätze Gümbels ehrenamtliches Engagement sehr, bestätigte er gestern: "Von Ausbremsen kann keine Rede sein." Da jedoch die Gemeinde Titisee-Neustadt offizieller Antragsteller sei, sehe er allerdings die Notwendigkeit erst einmal den Gemeinderat miteinzubeziehen, was bislang noch nicht geschehen sei. Es sei seiner Ansicht nach wichtig, dieses wichtige Thema sauber und wohlüberlegt zu konzipieren.
Autor: Marion Pfordt
