Am Spieltisch sind alle gleich

Eva Korinth

Von Eva Korinth

Mo, 10. September 2018

Titisee-Neustadt

Der Dice-Devil Club Hochschwarzwald hat zum ersten Mal bei "Stand-Land-Spielt" mitgemacht.

TITISEE-NEUSTADT. Gelacht, vor sich hin gemurmelt, um den Sieg gebibbert wurde beim ersten Spielewochenende in Titisee. Der Dice-Devil Spieleclub Hochschwarzwald nahm erstmals an dem Event "Stadt-Land-Spielt!" teil. So gab es für Spielinteressierte und -süchtige im "Räuber Kaffee" altbekannte, leichte, aber auch nagelneue und sehr schwere Spiele.

"Oh, schon so spät?" Zwei Stunden waren Brigitte, Kathrin und Franziska aus Neustadt im Spiel mit Michael Waibel, Chef der Dice-Devils, wie im Flug vergangen. Und das Quartett hatte jede Menge Spaß gehabt. Der Altersunterschied von 51 Jahren hatte nicht gestört. Die drei Neustädterinnen spielen gerne. Brigitte kommt immer zu den Spieleabenden des Clubs. Kathrin und ihre Tochter Franziska greifen gerne zu Spielen. Beim taktischen Legespiel Azul gilt es, ein vorgegebenes buntes Mosaikfeld mit den entsprechenden Kacheln aus der Fliesenfabrik aufzufüllen. Die Regeln sind nicht einfach. Am Ende, wenn ein Spieler eine Reihe vollendet hat, gibt es für jeden entsprechend seines gelegten Musters Punkte. Sieger ist natürlich der mit den meisten Punkten.

Konzentriert geht es zur Sache bei dem mittelschweren Spiel. "Ha", ertönt es enttäuscht von Waibel, "das ist keine gute Mischung." Jede Runde gibt es neue Kacheln in der Fabrik.

Am Tisch in einem Nebenraum sitzen sich Christoph und Elke gegenüber und spielen das Würfelexpertenspiel "Ganz schön clever". Es ist Elkes erste Begegnung damit, am liebsten spielt sie "Zaubertrank". Sie ist eine gewiefte Spielerin, doch das Kennerspiel des Jahres 2018 findet es ein wenig kompliziert. Christoph, der bei den Dice-Devils Waibels Stellvertreter ist, motiviert sie immer wieder aufs Neue mit fröhlich-lustigen Sprüchen und hilft ihr. "Azul" wurde zwischenzeitlich beendet, die Runde sitzt jetzt über "Kingdomino" und legt eine Landschaftskarte an die andere. Hier ärgert sich Waibel am Ende, dass er eine riesige Wiese gelegt hat, die ihm aber keinen einzigen Punkt einbringt. Da er jedoch bei anderen Geländekarten mit Krönchen hat, gewinnt er am Ende doch. Leid und Freud liegen eng beieinander.

Über den kleinsten Parameter können Menschen zum Spielen gebracht werden, weiß Michael Waibel. Damit meint er, zum Einstieg gibt es ein bekanntes Spiel, dann kann man auf Neues umsteigen. Seiner Ansicht nach gibt es drei Spielertypen: Die, die nur auf sich schauen. "Das mache ich, ich will gewinnen", sagt spontan Franziska. Dann die, die das ganze Spiel im Auge haben. "So einer bin ich", sagt er. Und der dritte Typus ärgert gerne andere. "Mich fasziniert beim Spielen, dass es völlig sinnfrei ist", sagt Brigitte, ich kann abschalten, habe keinen Druck, schließlich geht es um nichts." Die Jungen spielen immer weniger, weiß Kathrin, für die sind Handyspiele der Renner. Sie liebt es hingegen, mit ihren Kindern an einem Tisch zu sitzen und zu spielen.

Alle sind am Spieltisch gleich, so Waibel, der Alltag bleibt außen vor, der Spaß hat Vorrang. Man sitzt zusammen, kommuniziert miteinander. Das Spiel, seine Regelausführung, steht im Mittelpunkt. Alle Probleme, die die Spieler beschäftigten, bleiben außen vor. Spielen ist gesund, es beugt sogar, das sei mittlerweile bewiesen, so Waibel, Demenz vor. Auch lernen die Spieler mit Niederlagen, mit Emotionen wie Ärger, Frust oder Freude umzugehen, schließlich ist am Ende einer Spielstunde egal, wer gewonnen oder verloren hat. "Spieler sind aufgeschlossen, haben keine Berührungsängste", findet Waibel.

Rund 40 Spiele seiner 1200 Spiele hat der Spieleclub für das Spielwochenende dabei. Beliebte und bekannte, aber auch ganz neue. Nein, überrannt wurden sie nicht. 25 Spielinteressierte am Samstag seien gut. Aber auch allein hätte sich Waibel die Zeit zu vertreiben gewusst. Denn: Spielen macht einfach Spaß.

Gespielt werden kann jeden ersten Freitag im Monat – entweder im Buchladen im Roten Haus in Neustadt oder im "Räuber Kaffee" in Titisee. Wer Lust hat, kann einfach kommen. Spiele werden auch kostenlos verliehen: Jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr in Gutachstraße 26 im DRK-Haus.