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06. September 2010

Amüsement über ganz dick aufgetragenes Jägerlatein

Ein heiterer Wildererabend mit Martin Wangler und dem Männerchor Hochfirst, Jagd- und Alphornbläsern entzückt 300 Zuschauer.

  1. Aufs Zwerchfell: Martin Wangler (als Wilderer Fidelius ) schoss nur mit Worten scharf beim Wilderer-Abend im „Neustädter Hof“. Foto: Eva Korinth

TITISEE-NEUSTADT. Jägerlatein, ganz dick aufgetragen, verwoben mit jeder Menge Jagdfieber, amüsierte und unterhielt gut 300 Zuschauer beim "Wilderer-Abend" im "Neustädter Hof". Fidelius Waldvogel, die Hochfirstsänger, die Hochschwarzwälder Jagdhornbläser und Alphornbläser entfachten auf der Bühne musikalische und kabarettistische Unterhaltung vom Feinsten – nicht nur für Jäger.

"Tara, es tönt der Jagdgesang fröhlicher Jagdhörner", schmetterte es aus den Kehlen der Sänger, untermalt von den Jagdhörnern, zu Beginn. Zu "Männer im Jagdfieber – ein heiterer Wilderer-Abend" hatten die Organisatoren und Mitgestalter, die Sänger vom Männerchor Hochfirst eingeladen. Alles drehte sich um den kernigen und gewitzten Wilderer Fidelius, dargestellt von Martin Wangler. Er ist Gewinner des Baden-Württembergischen Kleinkunstpreises 2009 und Schauspieler in der Fernsehserie "Die Fallers". Er präsentierte Ausschnitte aus seinem aktuellen Kabarettprogramm "Ein Wilderer-Abend". Nur noch vereinzelt waren Stühle frei im großen Saal oder auf der Empore des "Neustädter Hofs".

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Zügig verflogen drei Stunden. Einzig als "Störfaktoren" traten der übereifrige Hausmeister und sein elektrischer Helfer Hotzenblitz, dargestellt von Markus Müller und Rüdiger Schwarz, auf. Ihr hartnäckiger Versuch, während Konzert und Kabarett einen heruntergefallenen Scheinwerfer zu ersetzen, brachte ihnen viele Lacher vom Publikum. Viel zu lachen gab es auch bei den Auftritten des "Lucky Black Forest Bird", wie er sich selbst auf "neudeutsch" bezeichnete. So manche Dame im Publikum erschrak über den derben polternden ersten Auftritt des schwarzen Gesellen. Tief hatte Wangler den Schlapphut im Gesicht, ein schwarzer Umhang umfloss seine Gestalt, das doppelläufige Gewehr schwebte bedrohlich Richtung Zuschauerraum, laut und herrisch tönte seine Stimme.

Da die "Kerle in den grünen Hemden" (die Sänger) und dahinter die Jagdhornbläser ganz ruhig auf der Bühne blieben, konnte der Wilderer ja nicht so schlimm sein. Und er war es nicht. Das stellte sich im Laufe des Abends heraus. Unter der rauen Schale steckte ein weicher Kern. Klar, wer sich nachts auf der Lauer nach einem Bock das Regenwasser in den Kragen rinnen lässt, sich den Hintern mit spitzen Rottannen abputzt, der kann nur ein Vollblutwilderer sein. "Das ist vererbt!", tat Fidelius kund. Ein Wilderer sei "nix Schlimmes", er sei ein "Naturmensch", ein "Revoluzzer", ein "Rebell der Berge", ließ Wangler wissen. Und schon prangte vor seiner Brust ein knallrotes Akkordeon, und der "Fideli" sang das "Mitmachlied": "Ich bin der Fürst vom Walde." Selbstbewusst, emotionsgeladen. Das Publikum liebte ihn und sang mit, auch die "Kerle in den grünen Hemden" im Hintergrund.

Ungeschminkt gab der Fideli Einblicke ins Wilderer-Leben, ließ Hirschrufe erschallen, zeigte, wie schwer es doch sei, eine Frau zu finden und Gefühle ("Dings da") rauszulassen. Auch eine Annonce in der Zeitung brachte kein Ergebnis, nur eine Ornithologin, die gut in der Theorie war, aber keine Praxis kannte.

Zwischenmenschliche Irrungen und Merkels Atompolitik

Nicht nur zwischenmenschliche Irrungen und Wirrungen nahm Wangler ins Visier, er ging auch auf regionale Ereignisse und die Politik im Kleinen und Großen ein. Tat seine Gedanken kund zur "frisierten Schwester" Titisee mit den "neuen Prachtmöpsen, äh, Bauten" in Form von Wundbad und Testo-Neubau an der B 31 und der Vollsperrung am Hirschsprung, streifte "Stuttgart 21" und die Atompolitik von Angela Merkel. Beschwerte sich, dass sein letzter Rückzugsort, die Hochfirstschanze, selbst bei Dreckwetter von 2000 Leuten bevölkert sei. Fand es toll, dass der Kuckuck, "der Schutzheilige der Wilderer", jetzt Wappentier der HTG sei.

Als Wälder-Schamane mit "ein wenig Fell" auf dem Kopf, einer großen Trommel vor dem Bauch und Rasseln um die Fußgelenke zelebrierte er ein "Bet-Gesang" mit dem Publikum, getrennt nach Männer- und Frauenstimmen. Bei so viel geballter Power hatten sich die Hochfirstsänger als Begleitmusiker keine einfache Aufgabe gestellt. Doch Dirigent Robert Mayr hatte so manches für sie neu arrangiert, was ihre Zuhörer mit vielfältigen Weisen in den "grünen Wald" führte. Hervorzuheben sind als Solisten der Mundharmonikaspieler Gerhard Blume, die Alphornbläser Thomas Ketterer, Hubert Faller und Helmut Egli sowie Keyboardspieler Seppi Löffler. Viel Applaus war der Lohn, aber auch Bravo-Rufe.

Autor: Eva Korinth