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25. August 2009

Bariton, Balaleika und literarische Erinnerungen an Mildenberger

Igor Morosow hat eine besondere Verbindung zu Titisee und dem Hochschwarzwald / Konzert in der Christkönigskirche und eine Lesung in Lenzkirch

  1. Der Bariton Igor Morosow gestaltet eine Serenade in Titisee und singt bei einer Lesung in Lenzkirch. Foto: Veranstalter

TITISEE-NEUSTADT. Eine Sommer-Serenade mit den schönsten russischen Liedern und klassischen Werken gestaltet der russische Bariton Igor Morosow am Freitag, 28. August, um 19 Uhr in der katholischen Kirche Christkönig in Titisee.

Zusammen mit Paul Haemig (Querflöte), Midori Dumermuth (Gitarre) und Alexander Ionov (Balalaika) werden Arien, Romanzen und Lieder von russischen und ukrainischen Komponisten ebenso wie Werke von Donizetti, Haydn, Mozart und Schubert gespielt.

Igor Morosow wurde in der Ukraine geboren, war bereits als Kind ein beliebter und bekannter Sänger bei Konzerten und am Radio. Nach Abschluss des Moskauer Tschaikowsky-Konservatoriums, der renommiertesten Musikausbildungsstätte der damaligen Sowjetunion, wurde er gleich als Erster Bariton am St. Petersburger Marijnski-Theater und zwei Jahre später an das erste Opernhaus der Sowjetunion, das Bolschoj-Theater, in Moskau verpflichtet. Hier sang er alle großen Partien des italienischen und russischen Repertoires und wurde mit dem höchsten Titel für Künstler in Russland ausgezeichnet. Seit 1991 lebt Igor Morosow als freischaffender Künstler in der Nähe von Zürich und tritt als Gast an den größten europäischen und amerikanischen Opernhäusern und Festspielen auf. Er hat mit musikalischen Größen wie Lorin Maazel, Nikolaj Ghiaurov, Edita Gruberova oder Vesselina Kasarova zusammengearbeitet, zahlreiche Opern auf CD und DVD eingespielt.

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Paul Haemig, Midori Dumermuth und Alexander Ionov haben sich in zahlreichen Konzerten in der Schweiz und vielen europäischen Ländern einen ausgezeichneten Ruf als Musiker erworben. Paul Haemig ist einer der bekanntesten Schweizer Querflötisten, Midori Dumermuth ist eine renommierte Gitarristin und auch Komponistin, während Alexander Ionov als Balalaika-Virtuose auch schon in Opernproduktionen mitgewirkt hat. Seit Jahren treten sie immer wieder auch zusammen mit Igor Morosow auf, so unter anderem Paul Haemig und Midori Dumermuth mit einer ukrainischen Gala bei der UNO in Genf oder Alexander Ionov mit seiner Balalaika in der Oper Basel.

Der Auftritt Igor Morosows in Titisee ist nicht zufällig: Seit Jahren kennt und liebt er diesen Ort und verbringt hier seit gut einem Jahr jede freie Minute in seiner Ferienwohnung. Daran nicht ganz unschuldig ist seine Frau, deren Großeltern ursprünglich Lenzkircher waren und lange Jahre in Titisee verbrachten (Rudolf Mildenberger war während Jahrzehnten der Rektor der Hans-Thoma-Gewerbeschule in Neustadt, seine Frau, Cläre, führte die Pension Seefrieden). Der Eintritt zum Konzert ist frei.

Erinnerungen an Wolfgang Mildenberger
Im September ist Morosow erneut im Hochschwarzwald in einer Gedenklesung mit Texten von Wolfgang Ernst Mildenberger am 20. September im Kurhaus in Lenzkirch zu Gast. Mitwirkende sind neben Morosow, Klaus Knuth als Sprecher, Werner Stocker (Klavier) und Angelika-Ditha Morosowa. Dieser Herbstnachmittag soll an den Schriftsteller Wolfgang Ernst Mildenberger erinnern, dessen Todestag sich heuer zum zwanzigsten Mal jährt. Mildenberger wurde 1923 als Sohn des Sägereibesitzers Ernst Finkenzeller und seiner Frau Cläre geboren und wuchs in Mühlingen bei Saig auf. Nach dem frühen Tod des Vaters adoptierte ihn sein Stiefvater, Rudolf Mildenberger, der langjährige Rektor der Hans-Thoma-Gewerbeschule in Neustadt und seine Mutter machte aus dem Wohnhaus die "Villa Daheim", eine Pension für Feriengäste. Bereits als Kind schrieb Mildenberger Gedichte und Theaterstücke. Als 18-Jähriger wurde er mit dem Ernst-Scheffel-Preis für sein Theaterstück "Der kranke Heinrich" ausgezeichnet. Mit dem künstlerischen Talent war Wolfgang Mildenberger nicht allein in seiner Familie, denn neben der schriftstellerischen Tätigkeit seiner Mutter, die zahlreiche Theaterstücke für die Laienbühne Lenzkirch schrieb, war seine Cousine Heli Finkenzeller eine gefragte Kinoschauspielerin und Mutter der bekannten Schauspielerin Gaby Dohm, der legendären "Schwester Christa" aus der "Schwarzwaldklinik".

Nach dem Abitur am Birklehof wurde er an die Kriegsfront eingezogen und kehrte 1946 nach der Gefangenschaft wieder nach Lenzkirch zurück. Während seiner Studienzeit engagierte er sich gemeinsam mit seiner Mutter für die Laienbühne Lenzkirch, indem er hierfür Stücke schrieb, selbst große Rollen bekannter Autoren spielte und auch inszenierte. Erfolgreich waren aber auch seine Arbeiten am Studententheater in Freiburg, wo er u.a. zusammen mit dem bekannten Regisseur Karl Wittlinger Shakespeares "Macbeth" inszenierte und spielte. Nach Abschluss seines Studiums in Freiburg und der Promotion zum Doktor phil. zog es den jungen Mann in die Welt: Er unterrichtete an verschiedenen Schulen in Paris, Lausanne, London und Barcelona. In dieser Zeit setzte er sich literarisch intensiv mit den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges auseinander, aber er war auch als Hörspielautor preisgekrönt. Seit den 60er Jahren wohnte Mildenberger mit seiner Familie in Zürich, besuchte aber seine nunmehr in Titisee wohnenden Eltern regelmäßig und hütete die elterliche Pension "Seefrieden" In den 70er Jahren war er Präsident des Literarischen Clubs Zürich und setzte sich für die Verständigung und Aussöhnung zwischen der Schweiz und Deutschland ein, wofür er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. In seinem Roman "Drei Fetzen blauer Himmel" erzählt er die fiktive Geschichte eines gleichaltrigen Buben aus Lenzkirch in den dreißiger Jahren. Wolfgang Ernst Mildenberger ist 1989 in Zürich gerstorben.

1985 erhielt eine seiner Erzählungen den Johann-Peter-Hebel-Preis, was ihn dazu bewegte, einen ganzen Band mit Geschichten im Stil der Hebel’schen Kalendergeschichten zu schreiben. Aus diesem Werk, "Heute und Ehedem" wird der Schauspieler Klaus Knuth, Sohn des legendären Gustav Knuth, die Geschichte "Die Falschheit der Katzen" lesen, bei der der Hochfirst eine zentrale Rolle spielt.

Musikalisch wird dieser Nachmittag umrahmt vom Opern- und Konzertsänger Igor Morosow, am Klavier von Werner Stocker begleitet. Igor Morosow ist Mildenbergers Schwiegersohn. Angelika- Ditha Morosowa, die Tochter des Schriftstellers, wird einige Gedichte vortragen und Geschichten und Anekdoten über ihren Vater erzählen.

Autor: bz