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30. November 2009
Bigband – ein absoluter Hörgenuss
Im Kurhaus Titisee präsentieren Götz Ertle und seine Musiker ihre zweite CD / Drei bekannte Solisten veredeln die Arbeit
TITISEE-NEUSTADT. Drei Tage lang hatten sie sich in einem selbst eingerichteten Aufnahmestudio in Saig vor der Außenwelt "verbarrikadiert", um sich ganz ungestört den Aufnahmen ihrer neuesten CD widmen zu können. Nun liegen diese anstrengenden, doch musikalisch nachweisbar fruchtbaren Tage, vier Wochen zurück und schon steht die JMS-Bigband im Kurhaus in Titisee auf der Bühne, um mit einem beeindruckenden Konzert ihre zweite CD mit dem passenden Titel "Zweitzeit" der Öffentlichkeit vorzustellen.
"Für uns ist dies ein ganz besonderes Konzert", meint der musikalische Leiter, Götz Ertle, der die Bigband vor 22 Jahren gründete. Doch auch für das Publikum sollte dieses Konzert ein besonderes werden. Auf der Bühne: "A few good men" , das auch auf der CD zu finden ist. Das funkig- rockige Stück passt zur Band. Funky die Klänge, rockig die E-Gitarre, gelenkt von diesem jungen talentierten Praktikanten der Jazz und Rockschule in Freiburg. Ein Semester lang sollte er ursprünglich bleiben – Mönke Degwitz machte daraus eineinhalb Jahre. Nun verlässt er die Bigband, um sein Musikerberufsleben zu beginnen. Schade, doch auf der CD bleibt sein Spiel den Hochschwarzwäldern erhalten. Degwitz Guitaren-Solo jung, kraftvoll und verspielt, wird von Jürgen Engesser am Saxophon fetzig abgelöst.Werbung
Ein Blick durch die Reihen der Musiker in ihrer eleganten "Max-Greger-Montur" wie Götz Ertle die Bühnenoutfits scherzhaft nennt, lässt zwei Mann vermissen. Bassist Thomas Winterhalder fehlt just an diesem Abend, weil er nur Stunden zuvor Vater wurde, die Band widmet dem Band- Nachwuchs das nächste Lied. Doch Willi Macht erahnte bereits seinen Einsatz, dem Publikum ist der Mann aus der Killian-Heizler-Band nicht unbekannt, er macht seine Sache gut und zupft den Bass würdig, verzückt schweift sein Blick gen Himmel.
Die Bigband ist für ihre Qualität bekannt, doch an diesem Abend spielt sie gut wie nie – die zahlreichen Solos aus den eigenen Reihen sind durchweg hinreißend und ein absoluter Hörgenuss und verdienen den Extra -Applaus. Dass die Band das anspruchsvolle Jazz Stück "Au Privee" sowohl auf der CD, als auch auf die Bühne bringen konnte, darauf dürfen Götz Ertle und seine Musiker zurecht stolz sein und spätestens hier wünscht sich das Publikum passend zum pompösen satten, lauten und erstaunlich ausgereiften Auftritt der Bigband eine glitzernde Diskokugel, die diese Band auch in ein optisch verspieltes Licht rücken würde. Die Musiker strahlen Selbstbewusstsein und Freude aus, die Perfektion der Band vermittelt einen publikumswirksamen und professionellen Eindruck.
Als "Veredelung" ihrer Arbeit, holt sich die Band drei regional und überregional bekannte Solisten mit ins Boot. Der Ex- Oberbränder Sven Klammer reiste eigens aus Berlin an, um das Publikum mit Trompete und Flügelhorn zu verzücken. Tobias Schwab, der für die Bigband CD als Komponist und Gitarrist fungiert, wird von JMS Vorsitzenden Clemens Hensler ganz verwegen gar als "Jimmy Hendrix des Hochschwarzwaldes" genannt. Auf Schwabs Kompositions-Konto geht das jazzige Titelstück "Zweitzeit", der Titel selbst stammt von Drummer Frank Hättich, "der Mann, der alles rhythmisch so schön zusammenhält", so Ertle über sein Mann am Schlagzeug, der an diesem Abend gleich mehrfach glänzt.
Die Band braucht nicht unbedingt eine Stimme, um das Publikum mitzureißen, doch der Einsatz von Sänger Rainer Lenz darf auf der Live-Bühne als besonderes Bonbon beschrieben werden. Eine tolle Stimme, ja, aber vor allem eine satte Ausstrahlung und Bühnenpräsenz zeichnen Lenz aus. Harald Juhnke hat bereits probiert den Deutsch- Jazz publikumsreif zu machen, Roger Cicero hat es mit seinen Songs gemacht, Lenz bringt Songs wie "Frauen regieren die Welt" und "Zieh die Schuh aus" so selbstverständlich daher, als stammen sie von ihm selbst. Doch der absolute Hammer liefert Lenz mit J.J. Walters "Mr. Bojangels" ab. Was auf der CD unbestritten gut klingt, verursacht während des Konzerts ein deutliches Kribbeln in der Magengegend. Dieses Lied berührt , weil der Sänger das was er singt aus tiefstem Herzen singt. Er liebt was er tut, das reißt absolut mit. Und zwar nicht nur das Publikum, sondern ganz klar und deutlich auch die Band, die eine Energie auf die Bühne bringt, welche die Gäste schlichtweg umhaut.
Die Zugabe "Every day I have the blues" vereint die JMS-Bigband nochmals mit allen Gastsolisten auf der Bühne im Kurhausund bildet den tollen Abschluss des Konzerts.
Die CD mit einer stimmigen Auswahl an Jazz, Funk und Blues Stücken ist ab sofort bei der JMS Bigband erhältlich.
Autor: Marion Pfordt
