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23. Juni 2009
Birgitt Fuchs zeigt beim Kunstforum ihre „Formationen“
Birgitt Fuchs zeigt beim Kunstforum ihre "Formationen"
TITISEE-NEUSTADT. Ein leichter Geruch von frischer Ölfarbe schwebt sanft in den Räumen des Kunstforums Hochschwarzwald an der Salzstraße. Die Freiburger Malerin Birgitt Fuchs hat noch kurz zuvor einen letzten Pinselstrich gesetzt auf das sechs Meter große Werk, dessen Preis man nur auf Anfrage erfährt. "Formationen" lautet der Titel der Ausstellung.
Angeregt wurde Fuchs durch Unterwasserfotografien, die sie von einem Freund aufnahm und die immer wieder als Vorlagen für neue Arbeiten dienen.
Das Wasser, das die Kamera vom Modell trennt, verzerrt dessen Proportionen und verwischt die Konturen, sodass ein beinahe surreales Bildnis des männlichen Körpers entsteht, das erst auf den zweiten Blick seine unwirkliche Darstellung enthüllt. Fuchs greift die fotografischen Eindrücke auf und bannt sie in Öl auf Leinwand. Die Hintergrundfarben sind mal dezent, mal ungewöhnlich gewählt.
Sanft scheinen sich die Körper in einem rosa Strudel im Kreise zu drehen. Wie die Konturen der "Figurationen" ist auch die Richtung ihrer Bewegung irgendwie unfassbar, flüchtig wie das Medium Wasser, das nicht mehr bildlich zu erkennen ist und dennoch einige der Bilder spürbar prägt. Wohin geht der Strudel?
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Eine Figuration schwimmt zur Oberfläche, während eine weitere, weiter unten – wenn denn da unten ist – wie von einem Abfluss in die Tiefe gezogen zu werden scheint. Die Dynamik der Bewegung ergreift sie beide, erscheint da wie dort logisch, sodass man verwirrt verharrt. Nach und nach entfernt sich die Künstlerin vom Medium Wasser, die Bewegungsablaufe trennen sich von den schwimmenden oder schwebenden Darstellungen und formieren sich in den späteren Werken in Reihen endlos wirkender Wiederholungen. Der Fluchtpunkt der Formationslinien sitzt außerhalb der Leinwand, das Spiel der Figuren. Das Individuum löst sich in der Masse der Ähnlichen auf, wird zu einen von vielen.
Und doch besitzt jede "Figuration" ihr unverwechselbares Gesicht. Die Wichtigkeit des Individuums inmitten der Menge wird hinterfragt und bewiesen, gäbe es doch ohne den Einzelnen keine Masse. Anatomische Strukturen, unter der menschlichen Muskulatur und Haut verborgen, greift die Malerin auf und kehrt sie nach außen. Vertraut wirkende Strukturen an falscher Stelle, ein interessantes und Spiel der Illusionen, das auf den Betrachter seltsam vertraut wirkt.
Zwischen den großen, teils mehrteiligen Werken stellt die Künstlerin zarte Graphitmalereien in kleinen Rahmungen aus. Doch der Begriff Zeichnungen ist für die grauen Schattenformen unzutreffend, denn Fuchs trägt das Graphitpulver mit einem Pinsel auf das Papier. Das anders gewählte Material trägt Auswirkungen auf die Silouetten der Figuren. Androgyn und schlank reduzieren sich die schwimmenden Figuren auf das Nötigste und setzten den Schwerpunkt auf die Bewegung an sich, die grazil, fast flüchtig wirkt.
Ursprünglich als anatomische Zeichnerin für wissenschaftliche Verlage tätig, reichen diese grafischen Wurzeln bis in die heutigen Werke der Freiburger Malerin. Die surrealistischen Verzerrungen und Formen, die sie einfügt und verarbeitet, machen die Figuren zu "Figurationen", die sich zu "Formationen" vereinen und die Arbeit der Birgitt Fuchs in ein eigentümliches, unverwechselbares Kleid hüllen.
Autor: Marion Pfordt
