Bis zur letzten Schraube

Eva Korinth

Von Eva Korinth

Mo, 08. August 2016

Titisee-Neustadt

Die Feuerwehr Neustadt feiert ihren neuen Rüstwagen, der bis ins Detail selbst geplant wurde.

TITISEE-NEUSTADT. Mit einem gelungen Auftritt präsentierte die Feuerwehr Neustadt am Freitagabend ihren neuen Rüstwagen in Rotweiß mit dem typischen blauen Design für Titisee-Neustadt. Er brauste mit Blaulicht in die Feuerwehrgerätehalle hinein.

Beifall brandete auf. Mehr als 100 Gäste, Feuerwehrleute aus der ganzen Region, Gemeinderäte und Vertreter anderer Blaulichtorganisationen, des Feuerwehrkreisverbandes, feierten die Übergabe und Segnung des 450 000 Euro Fahrzeuges. Die Bläsergruppe der Stadtmusik umrahmte die Feier. Zuvor gab es einen Film von Kamera24, der die Wichtigkeit eines Rüstwagens für die Feuerwehreinsätze aufzeigte. Ehemalige Kommandanten und Fahrer berichteten über den 37 Jahre alten Rüstwagen. Als es hieß: "Begrüßen Sie Neustadt 1/52", fuhr Sven Maier den neuen Rüstwagen (RW) in die Halle und alles applaudierte.

"Heute steht unser neuer Rüstwagen vor Ihnen", begann Gesamtkommandant Markus Straub. Straub zeigte auf, dass sich im Laufe der Jahrzehnte, die Einsatzaufgaben geändert haben, der Schwerpunkt habe sich von Brandeinsätzen zu Hilfeleistungen verlagert. 2015 rückte die Feuerwehr zu 43 Brandeinsätzen aus und 97 Mal zu Hilfeleistungen wie Verkehrsunfällen. Ein Trend, den es seit den 70er-Jahren gibt.

Deutliche Verbesserung für Unfallrettung

"Das Fahrzeug stellt eine deutliche Verbesserung der Ausrüstung für technische Hilfeleistung und Unfallrettung dar", so Straub. Es ersetzt den 37 Jahre alten bisherigen Rüstwagen.

Als der Landkreis ein Konzept zur überörtlichen Hilfe und Stationierung überörtlich einzusetzender Fahrzeuge aufstellte, verbunden mit einer ergänzenden Finanzierung in Form von 30 Prozent der Fachförderung des Landes, hat Titisee-Neustadt einen neuen RW in den Bedarfsplan und Haushalt 2014 aufgenommen. Mit dem Zuschussantrag beim Landkreis für den Rüstwagen im Februar 2014 startete das Projekt mit der konkreten Planung. Im Herbst kam die Bewilligung der Fachförderung und das Leistungsverzeichnis wurde erstellt. Im Januar 2015 wurde europaweit ausgeschrieben. Es folgte die Auftragsvergabe für Fahrgestell, Aufbau und Beladung. Am 18. März dieses Jahres war es schließlich so weit: Die Neustädter Feuerwehr konnte ihren neuen Rüstwagen in Vorarlberg abholen.

Abteilungskommandant Andreas Reiner ging auf die technische Ausrüstung des innovativen hochmodernen Fahrzeuges ein. Zwei Jahre von der Formulierung des Bedarfs über die Konzepterstellung bis zur Entgegennahme des neuen Rüstwagens seien keine all zu lange Zeit. Alles sei im Ehrenamt von den Feuerwehrmännern der Projektgruppe erarbeitet worden. "Das macht schon stolz", sagte Kommandant Reiner, "das, was auf Papier erarbeitet wurde, zwei Jahre später abzuholen." Als er in Vorarlberg das Fahrzeug gesehen habe, dachte er: "Hän mir das g‘macht? Wir hän‘s g‘macht!" Derzeit werde viel geübt, um sich mit Fahrzeug und Ausrüstung vertraut zu machen, "damit jeder Handgriff sitzt".

"Finanziell war das Fahrzeug kein Schnäppchen, geplant waren 470 000 Euro, ausgegeben haben wir rund 450 000 Euro", zeigte Straub auf. 160 000 Euro Zuschuss kamen vom Land und rund 48 000 Euro vom Landkreis sowie zusätzlich Sondergeräte im Wert von 25 000 Euro. Die Stadt bezahlte den Rest.

Das Fahrzeug als eine Investition für "uns alle"

"Es ist eine schicke Kiste", sagte Bürgermeister Armin Hinterseh, "sie macht schon was her." Er lobte den hohen ehrenamtlichen Einsatz der Feuerwehr, die das Fahrzeug konzipiert habe, und es für die Bürger, "für uns alle", einsetze. Er überreichte einen symbolischen Fahrzeugschlüssel an die Kommandanten.

Für einen unfallfreien Einsatz bekam das Fahrzeug den Segen von Pastoralreferent Andreas Alt. DRK-Vorsitzende Silke Marschall schenkte die Medaille des Heiligen Florians.

Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Christoph Zachow gratulierte zum "wirklich tollen Fahrzeug". Der stellvertretender Kreisbrandmeister Gotthard Benitz entschuldigte den ersten Landesbeamten Martin Barth, der sei nach einem Stau in Freiburg und drei Unfällen im Höllental und entsprechend langem Warten im Stau wieder umgekehrt: "Der Hochschwarzwald ist nicht erreichbar." Zachow lobte das gelungene Konzept als "bis zur letzten Schraube durchdacht".