Das Gefühl der Stille

Marion Pfordt

Von Marion Pfordt

Di, 04. Juni 2013

Titisee-Neustadt

Der Fotokünstler Karlheinz Arian Kolster zeigt im Kunstforum Hochschwarzwald seine Werke.

TITISEE-NEUSTADT. Mit der Ausstellung "Stille", die der Neustädter Karlheinz Arian Kolster vom Freitag, 7. Juni an im Kunstforum Hochschwarzwald zeigt, schließt sich ein Kreis für den Fotokünstler. Damit, so sagt er mit ruhiger Stimme, "bin ich wieder dahin zurückgekommen, wo ich angefangen habe. Und das macht mich zufrieden".

Der Stuhl in dem Atelier im über hundert Jahre alten Haus in Neustadt knarrt ein wenig, als er sich erhebt, um nachdenklich auf seine Fotografien zuzugehen. Das Haus ist ein Erbe der Urgroßeltern, einst wohnte hier der Arzt Wilhelm Stahl, nach dem auch die Wilhelm-Stahl-Straße benannt ist. Still ruhen die Werke an den Wänden rings um den kleinen Holztisch. Sie sind nicht nach ihrem Entstehungsdatum sortiert. Im Ausstellungsraum des Kunstforums werden sie ebenfalls nicht chronologisch hängen. Es sind Fotografien von Landschaften im weitesten Sinn. Reduziert, soweit es geht, in vielen subtrahierenden Schritten. Immer wieder hat der Künstler darüber nachgedacht, was noch wegzulassen ist, was noch reduziert werden muss, um das zu abzubilden, was er fühlt. Manchmal fehlen ihm die Worte für das, was er sieht. "Worunter ich auch leide", bedenkt er. Dabei liegt doch genau darin die Wurzel seines künstlerischen Schaffens. Die Werke sind Ausdruck dessen, was er verbal nicht formulieren kann. Er will dem Betrachter durch seine künstlerischen Arbeiten die Sicht seiner Stille zeigen.

Karlheinz Arian Kolster begann sein Studium in Berlin und schloss dieses als Diplom Fotodesigner in Dortmund ab. Seine handwerkliche Ausbildung als Fotografenmeister, die er ebenfalls besitzt, absolvierte er im Südwesten Deutschlands, wo Kolster auch erste berufliche Erfahrungen als Fotografiker in Karlsruhe beim Institut für Grundlagen der Gestaltung machte. Mitte der siebziger Jahre machte Kolster sich mit Arbeiten für gewerbliche Nutzung selbständig. Seine spätere Dozentenstelle an der Fachhochschule Würzburg im Fachbereich Gestaltung für Fotodesign hat er geliebt, aber zugunsten der Familie aufgegeben. Seitdem wohnt und arbeitet Kolster freischaffend in Titisee-Neustadt im Hochschwarzwald. "Hier im Schwarzwald sind meine Wurzeln", sagt er mit Blick auf eines seiner Werke. Hier steht das Haus, das durch die üppige Pflanzen-Umrankung wie aus einem Märchen wirkt. Hier ist sein Atelier. Und hier fand er den Weg zurück. Weg "von der kommerziellen Schiene" der Fotografie, zurück zur freien Arbeit, die ihn immer begleitete.

Kolster braucht die Stille, die für sein Leben und für sein Werk essentiell ist. Dabei ist nicht nur die romantisch verklärte Vorstellung von Stille gemeint, die sich als kitschiges Bildchen zeigt. Die Stille habe viele Facetten, erklärt der Künstler. Eine nächtliche Straße, eine schmucklose Mauer, das Wasser der grauen Nordsee, vor der nur ein Stück Rohrschlauch als einziger Störmoment prangt. Es sind Motive von Schwarzwaldlandschaften und von der kühlen Nordsee, aber auch vom heiß-kargen Lanzarote. Orte, die für Kolster wichtig sind und die sich im künstlerischen Werk zur "Stille" vereinen. Außer seinen beeindruckend aussagestarken und bearbeiteten Fotografien zeigt Kolster im Kunstforum zeitgleich zur Ausstellung im Rathaus in Neustadt, zu den dort üblichen Öffnungszeiten, großflächige Luminogramme aus den Jahren 1990 bis 1999. Luminogramme sind Fotografien, die ohne Kamera und ohne Abbild gestaltet werden. Die nur vom Licht gezeichneten Bilder entstehen allein im Zusammenspiel mit Film und Entwicklung. Kolster: "Mit den Luminogrammen bin ich auf Spurensuche gegangen". Für den Künstler spielt die Wahl des technischen Geräts nur eine untergeordnete Rolle. Er läuft nicht ständig mit einem Fotoapparat durch die Landschaften. Kolster fixiert sich nicht auf eine bestimmte Vorgehensweise. Der Künstler will eine Stimmung erzählen, ein Gefühl, oder ein Bild. Ganz ohne Worte.

Die Ausstellungseröffnung "Stille" ist am Freitag, 7. Juni, um 19 Uhr in den Räumen des Kunstforums Hochschwarzwald am Schurthplatz in Neustadt. Die Einführung wird Rainer Mertens halten. Die Vernissage ist öffentlich, der Eintritt ist frei. Die Ausstellung läuft bis einschließlich Sonntag, 30.Juni. Die Öffnungszeiten des Kunstforums sind samstags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 13 Uhr.