Theater

Das Stück "Glasvogt Melchior" hat bei den Jostäler Freilichtspielen Premiere

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Fr, 20. Juli 2018

Titisee-Neustadt

Am Samstag hat "Glasvogt Melchior" bei den Jostäler Freilichtspielen Premiere.

"Eine Zeitreise in den tiefsten Schwarzwald" bieten die Jostäler Freilichtspiele auch in dieser Saison. Aus der langjährigen Theatertradition des MGV Eckbach-Jostal entstanden, werden seit 1987 eigens geschriebene Theaterstücke aus dem Hochschwarzwald von Laiendarstellerinnen und -darstellern gespielt. Am Samstag feiert "Glasvogt Melchior" Premiere.

Hubert Mauz, Heimatforscher aus Donaueschingen-Wolterdingen, hat das diesjährige Stück für die Jostäler Freilichtspiele in Mundart geschrieben. Es führt die Besucher zum "Glasvogt Melchior", zu seiner großen Familie und vielen weiteren Protagonisten rund um eine Glashütte Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts. Sie gab einem Ortsteil von St. Märgen seinen Namen. 58 Darsteller, darunter elf Kinder, lassen diesen Weiler keine zehn Kilometer Luftlinie entfernt wieder aufleben: auf der Freilichtbühne bei der Oehlermühle in Jostal-Schildwende, einem Seitental von Titisee-Neustadt.

Lebensbedingungen im Glasdorf

Wie ein Probenbesuch unschwer erkennen ließ, bringen die vielen Männer, Frauen und Kinder das Stück mit Leidenschaft und Spielfreude auf die Bühne. Die Darstellerinnen und Darsteller lassen die bis zu 700 Zuschauer auf der Holztribüne Zeugen werden des harten und entbehrungsreichen Lebens der Menschen, die damals am über 1100 Meter hoch gelegenen Steinberg ihr Auskommen in der Glasherstellung suchten. Zum Mikrokosmos Glasdorf gehörten nicht nur Glasmacher, Glasbläser, Glasschleifer und Glasmalerinnen, sondern auch Köhler, Schmiede, Zimmerleute und Holzhauer.

Sie alle waren damals aufeinander angewiesen. Konflikte blieben nicht aus – und werden im Stück thematisiert. So heißt eine Szene "Glaskunst bringt Neider", in einer anderen lästert ein rußverschmierter Köhler über die "chäbe" – geizigen – Glasmacher, die ihm zu wenig für seine Holzkohle zahlen würden.

Einige wichtige alemannische Dialektausdrücke werden im Programmheft übersetzt, das sogar ein Rezept für die einfache Mehlspeise "Bachemogge" liefert – ein kleines liebevolles Detail am Rande.

Ungleich größerer Aufwand wurde den vielen freiwilligen Helfern der Chorgemeinschaft MGV Titisee/Eckbach-Jostal/Hinterzarten beim Kulissenbau abverlangt. In mühsamer Handarbeit und mit teils beträchtlichem Kraftaufwand errichteten sie einen Kohlenmeiler und fertigten eine Holzriese und einen Glasbrennofen. Auf der Suche nach Requisiten wurde man in der Schweiz fündig: gläserne Urinflaschen. Die "sphärischen Klänge" spielte das Wiener Glasharmonika Duo speziell für die Hochschwarzwälder Theaterproduktion ein.

"Es muss authentisch rüberkommen", sagt Alfred Rießle, "die Effekte müssen stimmen, dass es Leben gibt". Der St. Märgener, der seinen weißen Rauschebart auch im richtigen Leben trägt, verkörpert den alten Jodok, einen "ausgedienten Glasmacher", wie er sagt. Wenn er im langen weißen Nachthemd über die Bühne rennt und jammert, dass er "all’ Nacht uff de Abort muess", ist er ebenso präsent wie im Dialog mit Glasvogt Melchior, der von seinem Besuch in Freiburg nicht nur einen Großauftrag vom "beschde Wirtshuus Bäre" mitgebracht hat, sondern auch einen mächtigen Rausch.

Es geht handfest und rustikal zu im "Glasvogt Melchior", der die Arbeits- und Lebensbedingungen im Glasdorf in den Mittelpunkt stellt. Die Darsteller verkörpern ihre Rollen mit viel Herzblut. Die Regisseurin Barbara Rießle ist begeistert vom Idealismus und der Leidenschaft ihrer Schauspielertruppe: "Manche springen über ihren Schatten", verrät sie. Und trauten sich auf der Bühne Dinge zu, mit denen sie sich selbst überraschen.

Termine: Samstag und Sonntag, 21. und 22. Juli, 28. und 29. Juli, 4. und 5. August, 11. und 12. August (Beginn jeweils 20 Uhr, Einlass 18 Uhr). Vom Wanderparkplatz im Jostal bei der Abzweigung Schildwende fährt von 18 Uhr an ein Shuttlebus zur Freilichtbühne und zurück (Fußweg rund 30 Minuten). Tickets gibt es bei der Badischen Zeitung und in allen HTG-Touristinformationen. Bestellungen auch unter Tel. 07652/1206 8080 sowie über
ticket@ hochschwarzwald.de.
Infos:http://www.jostaelerfreilichtspiele.de0