Dauerfrost

Wie der Nachwuchs im Waldkindergarten die Minusgrade erlebt hat

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Fr, 02. März 2018 um 14:26 Uhr

Titisee-Neustadt

Die richtige Kleidung spielt bei den Kleinen immer eine große Rolle, besonders aber bei den Minusgraden der vergangenen Tage. Doch ein Besuch am Felsele zeigt: Der Frost lässt die Kinder kalt.

Gestrickt oder gehäkelt, aus Filz oder Fleece, als Modell Monster oder Eule – die Mützen der Kinder im Neustädter Waldkindergarten sind bunt und unterschiedlich. Eines haben alle Kappen gemeinsam: Sie halten warm.

Seit September 2016 gibt es am Felsele den Waldkindergarten in der Trägerschaft der Lebenshilfe. In dieser Zeit haben die Erzieherinnen und ihre Schützlinge schon einiges an Wind und Wetter erlebt, aber so kalte Tage wie die vergangenen gab es noch nicht. "Zu Hause geblieben ist deshalb aber keines der 20 Kinder", sagt Silvia Heitzmann, eine der drei Pädagoginnen des Kindergartenteams. Im Gegenteil: Es gebe viele kälteresistente Schützlinge, die um 7.30 Uhr bei minus 17 Grad schon Fußball im Schnee spielen wollten. Ebenso beliebt: Auf dem Popo über die weiße Pracht rutschen. "Wichtig ist Bewegung – und natürlich die richtige Kleidung", sagt Heitzmann.

Strumpfhosen sind ein Muss

Was es unbedingt braucht, erklären die Kinder. "Eine Schtrumpfhose", weiß der vierjährige Alan-Tao. Und ein warmes Unterhemd. "Einen gaaaanz dicken Pullover – so wie meiner", ruft Mattis (3 Jahre) und zieht sein Oberteil zur Ansicht aus dem Ärmel der Winterjacke. Wer keine kalten Finger will, muss Handschuhe anziehen. "Meine hat Oma Else gemacht", sagt Mattis.

Da meldet sich Henry und tippt mit den Fingern an seinen Kopf. Hier sitzt eine grasgrüne Wollkappe im Monsterlook mit Auge und Zähnen. "Eine Mütze müssen wir haben und den Schal", sagt der Dreijährige.

Allerdings ist Kleidung nicht alles: Im Winter verzichtet die Gruppe auf Ausflüge in den Wald und bleibt nah bei der Hütte. "Ist einem Kind kalt, kann es schnell reingehen, wo der Ofen bollert", erklärt Silvia Heitzmann. Und länger als zwei Stunden am Stück seien alle Kinder in den vergangenen Tage nicht draußen gewesen. "Das muss bei diesen Temperaturen nicht sein."

Den Dauerfrost sichtbar machen

Nicht nur spür-, sondern auch sichtbar ist der Dauerfrost für den Nachwuchs. Dafür wurde in Joghurtbecher Wasser gefüllt, da hinein kamen Äste, Zapfen, Samen und eine Schnur. "Das Ganze haben wir über Nacht draußen aufgehängt, am Morgen die Becher abgezogen und die Eisgebilde bestaunt", berichtet Erzieherin Heitzmann.

Eine Attraktion sind auch die Eiszapfen, die von ganz klein bis ganz groß an der Kindergartenhütte hängen. Auch eine Lektion der Kälteperiode: Wie sich Schnee bei Dauerfrost verändert. Wo sich sonst Figuren, Iglus und vieles mehr mit der weißen Masse bauen ließen, wollte in den vergangenen Tage nichts halten. "Der Schnee hat einfach nicht mehr geklebt – zu kalt."

Mini-Wildschwein sorgt für Freude

Für den Winterhöhepunkt sorgte der Besuch von Felix Keller aus Löffingen mit seinem tierischen Begleiter, einem nur wenige Wochen alten Frischling. Das Mini-Wildschwein wurde von seiner Mutter verstoßen und wird deshalb von Keller aufgezogen. Die Kinder durften das Schwein streicheln und bei zweien saß es sogar auf dem Schoß. "Alle waren von der Geschichte und von dem kleinen Kerl schwer beeindruckt", sagt die Erzieherin lachend. Deshalb war es ihnen auch ganz wichtig, die Spuren rund um den Waldkindergarten zu deuten. Ob da wohl auch ein Wildschwein unterwegs war? Das nicht, aber viele andere Tiere. "Eichhörnchen und Fuchs waren da", ruft Niklas. Von Hund und Reh weiß Alan-Tao.

Das Feuer knistert, das die Erzieherinnen in einer Schale entfacht haben und über dem die Kinder Stockbrot backen. Eine gute Gelegenheit, die Sprösslinge zu fragen, wie sie den Winter denn so finden. "Cooooool", lautet die einhellige Antwort. Aber der Sommer, der sei fast noch besser, wirft Niklas ein. "Erstens habe ich da Geburtstag und zweites kannst Du mich dann in T-Shirt und kurzen Hosen sehen."