"Der kürzeste Weg ist ein Lächeln"

Monika Hofmeier

Von Monika Hofmeier

Mo, 12. Februar 2018

Titisee-Neustadt

Narren feiern einen farbenfrohen und dennoch zum Nachdenken anregenden Gottesdienst.

TITISEE-NEUSTADT. "Die Freude hat uns hierher geführt, ohne Kirche und Ostern gäbe es keine Fastnacht", begrüßte Pfarrer Johannes Herrmann die bunt verkleideten Besucher des Gottesdienstes zur Fasnet mit der Zunft der Seeräuber, am Samstagnachmittag in der Christkönigskirche Titisee. "Der kürzeste Weg zwischen den Menschen ist ein Lächeln", so der Pfarrer. Und ein Lächeln legte sich auf die Gesichter der Gläubigen, als Seeräuber, Nixen, Seemer Wieber, Narrenrat und Piraten mit Narrenmarsch, Gschell und Ziehaklang in das Kirchenschiff einzogen und einen etwas anderen, farbenfrohen und dennoch zum Nachdenken anregenden Gottesdienst feierten.

So gaben die eindrucksvollen Texte des von Markus Lüber vorbereiteten und von jungen Seenixen, Seeräubern und Hedwig Tritschler mit gestalteten Narrenspiels, so manche Impulse für das tägliche Leben. Denn so bunt, verworren und leicht zu zerreißen, wie die Luftschlangen ist auch das Leben oft verworren, bunt und lebendig. Auch die Maske gehört zur Fastnacht, doch eine Maske kann verstecken. Manche Menschen gehen maskiert durch ihr Leben, und das nicht nur an Fastnacht. Bunte Girlanden schmücken derzeit die Räume, doch sie hängen bald durch und manchmal lassen sich Menschen durchhängen und bringen so Verbindungen in Gefahr.

Fürbittenregen zum Nachdenken an

Wie die bunten, aufgeblasenen Luftballons sind auch Menschen verletzlich und gehen nicht immer behutsam miteinander um. Doch an diesem Nachmittag gingen alle behutsam miteinander um, denn Pfarrer Herrmann und der Zunft ist es gelungen, mit dem fröhlich-besinnlichen Gottesdienst, an das Wichtigste im Leben zu erinnern, ohne dabei die Leichtigkeit zu vergessen.

Auch die von den Zunftmitgliedern vorgetragenen Fürbitten regten die Besucher zum Nachdenken an. So hieß es unter anderem: "Vor Gott müssen wir uns nicht hinter einer Maske verstecken, er lädt jeden ein, so wie er ist. Jeder Tag ist ein riesiges Geschenk, leben wir den Augenblick fröhlich, ohne dabei das Morgen zu vergessen". Und das Morgen und die Alltagssorgen blieben draußen beim feierlichen Gottesdienst, der vom Familiensingkreis, Clemens Disch an der Orgel, Beate Ketterer an der Querflöte und Gabi Heim, musikalisch umrahmt wurde.

Fröhlich und mit einer kecken Seeräubermütze auf dem Kopf predigte der Pfarrer in Reimform und gab kund: "Der Pfarrer kam öfter zu spät, doch die Gefahr geblitzt zu werden ist groß und kann werden ganz schön teuer. Heiterkeit ist angesagt, und dies ist erlaubt im Gotteshaus, weil ihr alle glaubt an Gottes Gunst, wer die Gräben der Angst überspringt, dem neues Leben gelingt". Solche Gottesdienste sind wichtig im Kirchenjahr, betonte der Pfarrer, denn "der kürzeste Weg zwischen den Menschen ist ein Lächeln".

Auf den kurzen Weg zum Dämmerschoppen im Pfarrheim machten sich anschließend Einheimische und Gäste auf und feierten zur "Seeräuber-Musik". Denn der Christ kennt beides: Freud und Leid, das Feiern und das Fasten.