Die Palette reicht von Tango bis Jazz

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Di, 10. Oktober 2017

Titisee-Neustadt

Die Lehrkräfte der Jugendmusikschule geben beim Konzert im Kurhaus eine überzeugende musikalische Visitenkarte ab.

TITISEE-NEUSTADT. Weit mehr als die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer der Jugendmusikschule (JMS) Hochschwarzwald haben beim alljährlichen Lehrerkonzert mitgemacht – das bedeutete Rekordbeteiligung und war eine Hommage an das Jubiläumsjahr zum 40-jährigen Bestehen.

Den facettenreichen Programmreigen eröffneten im gut gefüllten Saal des Kurhauses die Blechbläser Jan Kolck, Fabian Müller, Klaus Stoy, Yukiko Hashimoto und Nathaniel Wood. Die Trompeten, Posaunen und das Waldhorn bereiteten dem Publikum gekonnt mit drei barocken Tänzen und Fantasien aus dem Sammelwerk "Ludi musici" von Samuel Scheidt ein spielerisch leichtes, getragen nachdenkliches und schließlich kanonartig beschwingtes Wechselbad der Gefühle. Als erster Solist folgte der Gitarrenlehrer Philippe Pencet. Das "Präludium" des um die Wende zum 20. Jahrhundert in Paraguay wirkenden Komponisten und Gitarrenvirtuosen Augustin Barrios erforderte ausgefeilte Technik, ebenso die "Hommage aux Pink Floyd" des Franzosen Jacques Castérède.

Alte Musik mit fröhlichem Touch aus der Renaissance boten dann Katia Reiser auf der Blockflöte und Alexander Lehner mit der Gitarre. In vergleichbarem musikalischen Charakter präsentierten Monika Szabo und Alexandra Stumpf mit ihren Violinen Dimitri Schostakowitschs "Walzer", kongenial begleitet von Arina Aartsen am Flügel. Letztere blieb gleich in derselben Funktion am Instrument und zu ihr gesellten sich Stefanie Geisberger an der Querflöte und Gianluca Rotta an der Oboe. Die drei servierten in der Übersetzung "Appetithäppchen" des zeitgenössischen amerikanischen Flötisten Gary Schocker: "Luftgetrocknete Wurst" schnörkellos klar, "Schokoladen-Croissant" einschmeichelnd süß und "Cornichons" knackig mit anregender Säure.

Mit barocker Opulenz vollzog sich die "Ankunft der Königin von Saba" im Allegro-Satz von G.F. Händel auf der Bühne. Christoph Wirz, Brigitte Weigmann, Istvan Elekes (Klarinetten) und Maria-Anna Brucker (Bassklarinette). Das Holzbläser-Quartett meisterte die feudale Blattgoldanmutung genauso souverän wie "Oh, Lady be good" von George Gershwin. Nach der Pause entführte Arina Aartsen die Besucher als Solistin mit "Clair de lune" in eine beschaulich bis spannende Mondnacht und ebnete virtuos den Weg in die richtige Stimmung für eine ganz spezielle Darbietung. Gesanglehrerin Christine Lehmann verband Literatur und Musik mit der begeisternden Präsentation von Texten von Federico Garcia Lorca in der Vertonung von Leonhard Cohen.

Eine musikalische Einladung an Kinder und Erwachsene

Ihr ausdrucksvoller Gesang wurde gestützt von der einfühlsamen Begleitung durch Lusine Arakelyan (Cello) und Alexander Lehner (Gitarre). Wer noch nicht wusste, dass Tango ebenso tief mit Ungarn verbunden ist wie mit Argentinien, konnte dies beim "Tango pour Claude" von Richard Galliano, vorgetragen von Katalin Agnecz auf dem Akkordeon sinnfällig erleben. Die erst neu im Lehrkörper agierende Ungarin sorgte zweifellos für einen Höhepunkt. Einmal eröffnet, blieb man beim Tango und für die Komposition "Libertango" des Großmeisters Astor Piazzolla fanden sich Monika Szabo, Lusine Arakelyan, Brigitte Weigmann und Arina Aartsen zusammen, zu denen sich noch Andres Buchholz (Kontrabass) und Katalin Agnecz gesellten.

Das Finale bestritt die Jazzband der Lehrer. Mit "A Meeting with Duke Ellington" war die Folge verschiedener Titel des Swing-Königs überschrieben, die die schon bekannten Jan Kolck, Fabian Müller, Nathaniel Wood, Andres Buchholz und die neu hinzugekommenen Magnus Cordes-Schmid (Klavier), Andy Würtz (E-Gitarre) und Kilian Heitzler (Schlagzeug) vortrugen. Auch der musikalische Leiter der Jugendmusikschule Götz Ertle griff endlich zum Saxophon, nachdem er den Abend launig moderiert hatte. Mit mitreißendem Groove unterstrich die Band die breitgefächerte Palette des hochqualifizierten Lehrpersonals. Das Konzert vermittelte lustvollen Hörgenuss und war eine überzeugende Einladung an alle Kinder, Jugendliche und Eltern, das vielfältige JMS-Angebot zu nutzen.