Die Werke rücken wieder in den Mittelpunkt

Marion Pfordt

Von Marion Pfordt

Di, 24. September 2013

Titisee-Neustadt

In den Bildern von Beatrix Tamm ist Blau eine beherrschende Farbe / Schwere Werke überraschen mit ihrer Leichtigkeit.

HOCHSCHWARZWALD. Blau. Farbe des Himmels, des Meeres, der schwermütigen Seele. Blau wählen Politikern und Nachrichtensprechern für die Garderobe, weil es sie vertrauenswürdig macht oder es dient als Grundfarbe der europäischen Flagge. Doch darum wählte die Künstlerin dieses Blau nicht.

Trotzdem: Es ist das eindringliche Blau, das schon außerhalb der Räume beim Blick durch die hellen Fenster auf die Ausstellung der Müllheimer Künstlerin Beatrix Tamm ins Auge sticht, und ihn umhüllt, als er die Ausstellungsräume des Kunstforums Hochschwarzwald das ihre Ausstellung "Malerei" zeigt, betritt. Große schwere Werke hängen an den hellen, frisch renovierten Wänden des Ausstellungsraumes mit einer seltsam überraschenden Leichtigkeit. Wie ist das möglich?

Volker Ellwanger, 30 Jahre lang Professor im Fach Bildende Kunst, der die Einführung in die Ausstellung gestaltet, beglückwünscht die Künstlerin, sich für Titisee-Neustadt entschieden zu haben. Was den Lenzkircher Keramikkünstler nun ausgerechnet an diesem Freitagabend, bei dieser Ausstellungseröffnung, zur Verlesung eines eindringlichen Pamphlets einer persönlichen Betrachtung des Kulturbegriffs bewogen hatte, sagte er nicht. Klar wurde allerdings, dass die neue "Massenkultur", die einem möglichst großen und breiten Publikum zur Bespaßung dienen soll, dem Kunstprofessor schon lange quer im Künstlermagen liegt. Die Beobachtung der Kulturszene beschäftige ihn bereits viele Jahre, sagt er. Die Entwicklung gefalle ihm nicht. Das Kunstwerk selbst rücke aus dem Zentrum des Blicks, immer wichtiger werde deren Inszenierung. Der Kritiker werde immer wichtiger als der Künstler selbst. Die Werkschau "Malerei" der freischaffenden Künstlerin Beatrix Tamm sei jedoch eine der Ausstellungen, die diesen modernen "Eventcharakter" sprengten Sie brauche keine dramatische Inszenierung. Nur die Bilder. Sonst nichts.

Es sind zuallererst die Farben in klarer und reiner Präsenz, die die Betrachter fesseln. Dann schon fällt die Aufmerksamkeit auf den Untergrund, der die Malerei trägt. Holzlatten von grober Struktur, zusammengezimmert zu schweren Paletten. Holz, einer der ersten und ursprünglichsten Untergründe für Kunst, mit den vorherrschenden beinahe, doch nur beinahe, völlig alleine gelassenen die Farben Blau, Rot, Gelb und Weiß. Leise winden sich farbliche Gegenspieler oder ihre Partner in kleinen Strukturen darüber. Gemalt mit einem Pinselstrich, der seinen Weg bereits kennt. Reduziert und ohne zuordenbare Symbolik. Und auch die Titel der Bilder sucht man auf den Listen vergeblich, und wenn es sie dann doch gibt, ergeben auch sie keinen offensichtlichen Sinn. Es sind die Farben, die den Betrachter im Innersten rühren und die eine Empfindung in ihm auslösen. Die Bilder machen fröhlich – und gleichzeitig leicht. Keine Bedeutungsschwere haftet ihnen an, auch wenn man in einem Werk gar sakrale Komponenten entdeckt. Sie strahlen die pure Lust an Kunst, die reine Freude an Malerei und die klare Bekenntnis zur Farbe aus. Beatrix Tamms "Malerei" rückt das in den Mittelpunkt, was zählt: das Werk des Künstlers.

Zu sehen ist die Ausstellung im Kunstforum, Salzstraße 16, Neustadt noch bis zum 13. Oktober: Samstag von 16 bis 18 Uhr und Sonntag von 11 bis 13 Uhr.