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01. September 2009

Ein Konzert, das die Seele offenlegt

Bariton Igor Morosow und seine Begleiter ziehen das Publikum in Titisee in ihren Bann

  1. Begeisterten in der Christkönigkirche in Titisee (von links): Paul Haemig (Querflöte), Midori Dumermuth (Gitarre), Alexander Ionov (Balalaika) und Igor Morosow (Bariton). Foto: marion Pfordt

TITISEE-NEUSTADT. Der ukrainische Baritonsänger Igor Morosow unterhält durch seine Heirat mit der Hochwarzwälderin Angelika-Ditha Morosow eine enge Beziehung zu Titisee. Und doch war die Sommerserenade in der Christkönigkirche am Feitagabend eine Premiere. So oft schon suchte das Ehepaar Erholung im Hochschwarzwald, jetzt war es an dem Künstler, den Liebhabern russischer und ukrainischer Liedern ein Geschenk zu machen. Auch dem Schweizer Flötisten Paul Haemig ist der Hochschwarzwald nicht fremd, regelmäßig zieht es ihn nach Schluchsee. Zusammen mit Midori Dumermuth (Gitarre) und Alexander Ionov (Balalaika) bezauberten die Musiker, die sich seit vielen Jahren kennen, das Publikum mit einem Programm aus klassischer, ukrainischer und russischer Musik.

In Morosows Adern fließt das Blut des russischen Vaters und der ukrainischen Mutter, aufgewachsen ist er, dessen Talent früh entdeckt wurde, in der Ukraine. Dies dürfte die Auswahl der Lieder und deren innige Interpretation erklären. Mit fliegendem Haar stürmt Morosow nach den instrumental dargebotenen Pastoralen Antonio Vivaldis unter dem Applaus des Publikums in den Altarraum, um all sein Herz und sein künstlerisches Können in das ukrainische Hirtenlied eines anonymen Komponisten zu schmelzen.

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All die Melancholie dieser Lieder – die unerfüllte Leidenschaft, die materielle Armut, die mit emotionaler Fülle einhergeht – versteht, fühlt und besingt Morosow mitreißend schön. Ein Ohrenschmaus bietet sich mit dem hierzulande wenig bekannten, doch in Osteuropa hoch geschätzten Komponisten Mikola Lyssenko. Die Arie des Petro aus der Oper "Natalija aus Poltawa" gibt Morosow die Gelegenheit, die sein Körper und seine Stimme brauchen, und das Kirchendach hält das klare Fortissimo spielend. Hinreißend interpretiert erklingt das "Wolgalied" von Franz Lehar, zu dem Alexanders Ionovs Balalaika die Melancholie schmelzend aufgreift. In der aus anonymer Hand geschriebenen russischen Romanze "Ich habe sie getroffen" unterlegt Midori Dumermuths Gitarre den melodischen Grundstock von Gefühl und Erinnerung, die Balalaika tanzt hinzu und erzählt die Geschichte des Mannes, der nach langer Zeit seine Jugendliebe wieder trifft.

In wechselnden Formationen bieten die vier Musiker mit kurzen Liedfolgen ein kurzweiliges, jederzeit anspruchsvolles Programm. Haemig zieht mit einer Solodarbietung von Mozarts Andante die Aufmerksamkeit des Publikums auf die sichere, gelassene Art seines souveränen Spiels. Gaetano Donizettis Sonata in G-Dur trägt er in Begleitung von Dumermuths Gitarre vor, die sich so harmonisch in ihrem Spiel verliert, dass niemand im Publikum eine Harfe vermisst.

Nach einigen fröhlich-ausgelassenen russischen Tänzen beschließen die vier Musiker den Abend mit dem hierzulande vielleicht bekanntesten russischen Lied anonymen Ursprungs. Und doch macht Morosow selbst aus dem tausendfach gehörten "Kalinka" noch etwas ganz Besonderes. Es überraschte nicht, dass sich das restlos begeisterte Publikum energisch eine Zugabe erklatschte und die anschließend dargebotenen CDs regen Absatz fanden.

Autor: Marion Pfordt