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15. November 2017

Ein Teenie und alte Hasen us de Orne

Sportler des Jahres: Luis Diehm, Simon Stiebjahn und Ramona Straub stehen am Samstag im Kurhaus Titisee zur Wahl.

  1. Foto: Dieter Horning-Wiesler

  2. Foto: Susanne Gilg

  3. Sie sind für die Wahl nominiert (von oben): Luis Diehm, Simon Stiebjahn und Ramona Straub. Foto: Dieter Horning-Wiesler/Susanne Gilg/dpa

TITISEE-NEUSTADT. Die Vorauswahl traf wie immer die Arge Sport, wer das Rennen um den Titel macht, entscheidet am Samstag (Beginn 20 Uhr) wie üblich das Publikum im Titiseer Kurhaus beim Abend des Sports. Zwei der nominierten Einzelsportler waren bereits Titisee-Neustadts Sportler und Sportlerin des Jahres, für den Youngster in der Runde ist das Ganze dagegen neu. Die BZ stellt das erfolgreiche Trio vor.

Luis Diehm

Der 17-Jährige kann sich noch gut an den Tag seines bisher größten sportlichen Erfolgs erinnern: "Es war kalt, die Sonne schien, blauer Himmel, der Schnee war gut, nicht so eisig." Ende Januar war’s, auf der FIS-Strecke Zöblen im Tannheimer Tal in Österreich wurde die baden-württembergische Meisterschaft im Slalom ausgefahren. Der damals 16-Jährige ging ohne große Erwartungen ins Rennen, "es war ja mein erstes Jahr" in der Jugendklasse. Doch nach dem ersten Lauf war der Neustädter schnellster Baden-Württemberger seiner Altersklasse U 18. Vor dem entscheidenden zweiten Lauf "kribbelte es schon im Bauch", gibt der Teenager lächelnd zu. Er habe sich dann selbst Mut zugesprochen "und der Trainer sagte auch, dass ich das kann".

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Das bewies Luis dann im zweiten Durchgang: "Am Ende hat’s gereicht. Ich war überrascht, dass es so geklappt hat, und hab’ mich sehr gefreut." Es war nicht der erste Titelgewinn auf Landesebene für den jungen Schwarzwälder, denn auch in der Schülerklasse war er in seiner Lieblingsdisziplin Slalom baden-württembergischer Meister geworden.

Seine frühe Kindheit hatte Luis Diehm an der Mosel verbracht, doch als er sieben war, zog die Familie aus Rheinland-Pfalz in die Wälderstadt. Beim Skiclub Neustadt kam er in die Kinderschneesportschule KISS, seine ersten Trainer dort waren Egon Hirt und Lisa Eimert. Bei seinem ersten Rennen 2008 habe er noch "nicht gewusst, wie’s geht" und sei "durch die Tore gerutscht", verrät er schmunzelnd. Das sollte sich rasch ändern. Mit neun Jahren durfte er "als Kleinster und Jüngster" schon mit auf den Gletscher, weil seine drei Jahre ältere Schwester Laura auch dabei war. Später kam das Talent ins Rennteam und seit seinem letzten Jahr bei den Schülern gehört er dem Alpin-Kader des Skiverbands Schwarzwald (SVS) an. Trainiert wird meist auf dem Feldberg, zu den Rennen geht’s an den Wochenenden häufig nach Italien, Österreich und in die Schweiz.

Seit Herbst besucht Luis Diehm das Technische Gymnasium an der Hans-Thoma-Schule. Der Trainingsaufwand muss sich mit den schulischen Anforderungen wie Nachmittagsunterricht vereinbaren lassen. Sein Fahrstil sei nicht draufgängerisch, eher konzentriert, sagt er selbst. Seine Mutter beschreibt ihren Sohn als "sehr ruhig, introvertiert und immer ausgeglichen". Eine gute Grundlage für die wilde Hatz im Stangenwald. Luis Diehm wird am Samstag im Kurhaus dabei sein.

Simon Stiebjahn

Simon Stiebjahn muss nicht lange überlegen, wie er seine Erfolge der vergangenen Saison gewichtet. "Ein deutscher Meistertitel ist immer ’was Besonderes", sagt der Mountainbike-Profi aus Langenordnach: "Medaille, Meistertrikot, Nationalhymne und ganz oben stehen, das sind tolle Momente, für die man lebt und sich motiviert." Doch es gab noch mehr Besonderheiten. Der 27-Jährige hat gleich zwei Rekorde aufgestellt mit Leistungen, die kein deutscher Mountainbiker vor ihm schaffte. Das Allroundtalent der Bergradler hat zum einen "in allen drei MTB-Ausdauerdisziplinen" DM-Medaillen gewonnen und das innerhalb von gut sieben Wochen. Los ging’s gleich mit dem Titel: Im niedersächsischen Bad Salzdetfurth wurde am 21. Juli die deutsche Meisterschaft im Eliminator-Sprint ausgetragen. Auf einem verwinkelten Stadtkurs mit Hindernissen steigerte Simon Stiebjahn sich mit kluger Taktik von Runde zu Runde dieses K.o.-Sprints. Im Halbfinale stand erst nach Auswertung des Zielfotos fest, dass der Hochschwarzwälder es ins Finale geschafft hatte. Dort konnte Stiebjahn nach erneut zurückhaltendem Beginn den Freiburger David Horvath auf der Zielgeraden mit kraftvollem Punch um eine halbe Radlänge distanzieren, nachdem er zuvor Szenenapplaus für seine Überholmanöver bekommen hatte.

Zwei Tage später sicherte sich "Stiebi" an gleicher Stelle in der olympischen Disziplin Cross-Country DM-Silber hinter dem Schwaben Manuel Fumic und sagte danach, "mehr war nicht drin". Am 10. September ermittelten die Grobstollen-Pedaleure beim Gruibinger Albtrauf-Marathon über 94 Kilometer mit 2600 Höhenmetern ihren Deutschen Marathonmeister. Dort erkämpfte sich der Langenordnacher auf sehr tiefem Geläuf noch mal Silber. Weil Stiebjahn in der letzten Kurve weggerutscht war, kam sein Kumpel Markus Bauer (Freiburg) zum knappen Sieg und seinem ersten DM-Titel.

Simon Stiebjahn ist stolz auf seine erfolgreiche "Kombination" und einen weiteren großen Erfolg: "Vier Bundesliga-Gesamtsiege in Folge hat noch niemand geschafft" vor ihm. Möglich sei diese tolle Bilanz, weil er das ganze Jahr gesund blieb. 2018 würde er gern "eine ähnliche Saison hinlegen". Dafür geht’s am Sonntag schon wieder ins Trainingslager nach Mallorca. Zuvor freut sich der Sportler des Jahres 2012 und Drittplatzierte 2013 aber auf den Abend des Sports.

Ramona Straub

Als bisherigen Höhepunkt ihrer sportlichen Karriere wertet Ramona Straub die nordische Ski-Weltmeisterschaft 2017 in Lahti (Finnland). "Das Feeling gibt’s sonst ja auch nicht", sagt sie über das Zusammentreffen mit anderen Wintersportlern, denn bei Weltcups sind die Skispringerinnen ja meist unter sich. Und eine WM sei nun mal "ein anderes Kaliber als eine Junioren-Weltmeisterschaft", wo die Skispringerin des SC Langenordnach schon Silber und Bronze im Mannschaftswettbewerb gewann.

Den Wettkampf auf der Normalschanze in Lahti am 24. Februar hat die 24-Jährige noch deutlich vor Augen. "Lange ging er ja nicht", sagt sie mit Selbstironie. Ihr Sprung im ersten Wertungsdurchgang endete nach 84 Metern. Das Finale der besten 30 verpasste Ramona Straub um einen Punkt, ihre erste WM-Teilnahme bei den "Großen" schloss sie als 33. ab. In der Qualifikation am Vortag war ihr ein guter Sprung auf 93,5 Meter gelungen, "aber die Landung habe ich nicht optimal erwischt", danach konnte sie ihr Knie "nicht mehr richtig strecken und beugen". Dennoch war jeder Sprung in Lahti für die Hochschwarzwälderin ein Sieg über Ängste und Zweifel, die Überwindung innerer Widerstände. Denn die B-Kaderathletin hatte nach ihrem Kreuzbandriss drei Jahre zuvor an gleicher Stelle nie mehr von dieser Schanze springen wollen, deren Profil sie noch nie gemocht hatte. Die Rehaphase danach war langwierig und von Rückschlägen begleitet.

Die interne WM-Qualifikation auf nationaler Ebene hatte Ramona Straub mit ihren besten Weltcup-Ergebnissen seit ihrem folgenschweren Sturz geschafft: Bei der Olympia-Generalprobe in Pyeongchang (Korea) war sie als Fünfte und Sechste beste Deutsche gewesen. Als 19. der Weltcup-Gesamtwertung 2016/17 war Straub viertbeste der zehn platzierten DSV-Springerinnen. "Das letzte Bisschen fehlte immer, aber gegen Ende bin ich doch noch in Fahrt gekommen", so ihre Saisonbilanz. Und dass ihr die Olympiaschanze so gut liegt, steigert die Freude auf den bevorstehenden Winter.

2007 war die Langenordnacherin Sportlerin des Jahres, 2013 wurde sie Zweite vor ihrem Nachbarn Simon Stiebjahn. Mit ihm und anderen Sportlern würde sie sich am Samstag im Kurhaus gerne austauschen – falls sie dann nicht gerade ihre Ausrüstung nach Oberstdorf bringen muss, denn der Materialbus startet schon vor den Athletinnen zum finalen Vorbereitungslehrgang nach Norwegen.

Autor: Annemarie Zwick