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12. Januar 2012

Ein Versuch, dem Fachkräftemangel zu begegnen

Die Landesregierung will die Ausbildung zur Erzieherin ändern und dadurch den Beruf aufwerten / Ausbildungsvergütung geplant.

TITISEE-NEUSTADT. Das Betreuungsangebot wird ausgeweitet, Rechtsansprüche müssen erfüllt werden: Der Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern wächst – auch im Hochschwarzwald. Jetzt will die Landesregierung den Beruf aufwerten, ihn attraktiver machen. Das soll durch eine duale Ausbildung geschehen: Wie in anderen Berufen schon üblich, sollen dann Erzieherinnen vom ersten Ausbildungsjahr an Geld verdienen.

Der Plan könnte tatsächlich zu einer Entlastung führen, glaubt Monika Kaiser. Sie leitet den katholischen Kindergarten St. Michael in Neustadt. Eine duale Ausbildung "fände ich gar nicht schlecht", sagt sie. Auf die Weise würden sich theoretische und praktische Ausbildungsteile schneller abwechseln, das Gelernte könnte zügig umgesetzt und besser vertieft werden. Eine Ausbildungsvergütung könnte ihrer Meinung nach ein Anreiz sein, den Beruf zu ergreifen. So eine Steigerung der Attraktivität sei auch notwendig, schließlich merke man auch im Hochschwarzwald, dass ein Fachkräftemangel herrscht. Und das Problem werde sich noch verschärfen, ist Kaiser sicher.

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Aber noch steht gar nicht fest, wie die Reform aussehen soll. Ende des Monats wollen Vertreter von Trägern, der Gewerkschaft und des Kultusministeriums über die Neuerungen diskutieren. Welche Auswirkungen die Änderungen auf die Träger haben wird, kann Neustadts evangelischer Pfarrer Fritjof Ziegler deshalb nicht sagen – die Kirchengemeinde trägt den Kindergarten Arche Noah.

Auch die Wertschätzung für die Arbeit muss wachsen

Auf alle Fälle müsse die Attraktivität des Berufes steigen, denn Fachkräfte fehlen. Damit das eintritt, brauche es aber mehr als eine Ausbildungsvergütung. Alle Rahmenbedingungen müssten stimmen und die Wertschätzung wachsen.

Auch Dorothea Obermann, Präsidentin des Frauenvereins Neustadt, der den Kindergarten St. Elisabeth trägt, findet, dass eine Ausbildungsvergütung nicht der einzige Grund sein dürfe, Erzieherin oder Erzieher werden zu wollen. Man müsse schon auch wirklich den Wunsch hegen, diesen Beruf auszuüben.

Michael Schreiner, Verwaltungsleiter der Jugendhilfeeinrichtung Mariahof in Hüfingen, die in Neustadt das Kinderhaus Sternschnuppe und die Kindertagesstätte in der Helios-Klinik trägt, kennt das duale System aus der Ausbildung der Jugend- und Heimerzieher. Das kann "ich nur befürworten", sagt er. Allerdings: "Die Kindergartenträger werden stöhnen", der Beruf an sich werde dadurch jedoch nicht attraktiver. Es könne aber durchaus dazu führen, dass sich junge Menschen wegen der Vergütung eher für diesen Beruf entscheiden. Aber nicht nur wegen des Geldes sei die duale Ausbildung gut. Von Anfang an bekommen die angehenden Erzieherinnen so etwas von der Praxis mit, sagt Schreiner.

Aber auch er ist überzeugt: Die Attraktivität hängt an allen Rahmenbedingungen und nicht nur an der Höhe des Gehaltes. Leider werde der Kindergarten immer noch oft als Spielstätte und die Erzieherinnen nicht als wichtige Fachkräfte betrachtet. Das müsse sich ändern.

Der Bedarf an Erzieherinnen sei gestiegen. Ablesen kann Schreiner das beispielsweise an der Tatsache, dass die früher häufigen blinden Bewerbungen kaum noch vorkommen. Durch die duale Ausbildung könnten die Schulen möglicherweise auch Kapazitäten frei machen, um zusätzliche Erzieherinnen auszubilden.

"Das könnten wir dann im Prinzip schon", sagt Lutz-Walter Müller-Till. Er ist Leiter der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Freiburg, die viele Erzieherinnen ausbildet, die dann in der Region arbeiten.

Ausbildungsvergütung würde Auszubildende entlasten

Denn wenn sich die Ausbildungsform tatsächlich ändere, werde der Unterrichtsstoff, der bisher in zwei Jahren vermittelt wird, auf drei Jahre verteilt. Kapazitäten würden frei werden. Ob aber wirklich der Ansturm auf die Ausbildungsplätze zunimmt, sei ungewiss.

Zumindest aus Sicht der Auszubildenden sei die Einführung der dualen Ausbildung sicher sinnvoll. Schon heute müssten viele Studenten nebenher Geld verdienen – eine Ausbildungsvergütung würde die Situation entschärfen. Und wenn der Wettbewerb um die Fachkräfte zunimmt, könnte auf Dauer vielleicht die Bezahlung überhaupt besser werden.

Autor: Sebastian Barthmes