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24. Oktober 2009

Eine Chance für Serhat und Olga

Das Xenos-Projekt an der Hans-Thoma-Schule setzt Akzente für Integration und gegen Rassismus und Rechtsextremismus

  1. Das „Xenos“-Projekt gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Ausgrenzung ist an der Hans-Thoma-Schule angelaufen. Unser Bild zeigt (von links) Hedwig Rauch, Leiterin der hauswirtschaftlichen Abteilung, Projektleiter Bernd Winter und Schulleiterin Claudia Stehle. Foto: Thomas Winckelmann

TITISEE-NEUSTADT. Ethnische Gruppen kapseln sich voneinander ab, Schüler mit Migrationshintergrund werden ausgegrenzt und grenzen selbst wieder stark aus. "Man muss die Jugendlichen darauf aufmerksam machen, dass sie sich in einen Teufelskreis begeben, wenn sie sich sozial nicht gut einpassen können", erklärt Hedwig Rauch, die Leiterin der hauswirtschaftlichen Abteilung der Hans-Thoma-Schule in Neustadt. Hier setzt das Projekt"Xenos"an, das seit Schuljahresbeginn an den beruflichen Schulen läuft.

Eine Klasse der Hans-Thoma-Schule Titisee-Neustadt steht im Kreis. In der Mitte schauen Serhat (16 Jahre), Tuçe (16), Malik (17) und Olga (15) (Namen geändert) verblüfft zu, wie sie von ihren Mitschülern bejubelt werden. Beim Begrüßungsspiel "Willkommen Vielfalt" mussten sie in den Kreis treten, da sie mehr als eine Sprache sprechen. Es sind Jugendliche wie diese, die die Berufsvorbereitungs- und Berufseingliederungs-Klassen (BVJ und BEJ) besuchen und sie gelten allgemein als schwierig. Selten wird gesehen welche bemerkenswerte Fähigkeiten in ihnen stecken und sie selbst wissen das oft auch nicht.

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"Betrachtet man die Bevölkerungsentwicklung des Hochschwarzwaldes für das kommende Jahr", berichtet der Soziologe Bernd Winter, der zusammen mit der Erziehungswissenschaftlerin Anna Daute das Projekt in Neustadt betreut, "wird wohl ein Viertel der unter 40-Jährigen aus Familien mit Migrationshintergrund kommen". Die Chancen dieser jungen Menschen einen Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu bekommen seien deutlich schlechter als die ihrer deutschstämmigen Altersgenossen. Um dieser Tatsache entgegenzuwirken, unterstütze das Bundesprogramm "Xenos" solche Projekte, die Integration fördern, Demokratiebewusstsein stärken und Rassismus sowie Rechtsextremismus abbauen. Finanziert wird dies vom Europäischen Sozialfonds und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald hat das Forum Jugend-Beruf im Jugendhilfswerk Freiburg unter dem langen Titel "Vielfalt bewegt! Xenos-Projekt zur beruflichen und gesellschaftlichen Integration von Jugendlichen im ländlichen Raum" einen lokalen Ansatz entwickelt, der in den kommenden drei Jahren an den Berufsschulen in Neustadt und Müllheim umgesetzt und zusätzlich vom Landkreis bezuschusst wird.

Gemeinsam mit den Lehrern und Lehrerinnen und den Schulsozialarbeitern Steffi Isler und Axel Putz werden an der Hans Thoma-Schule speziell zugeschnittene Methoden zu Themen wie Werte, Migration und Rassismus in den regulären Unterricht integriert.

Die verbale Gewalt empfinden viele Jugendliche als normal
An sechs Projekttagen wird mit 44 Schülerinnen und Schülern aus dem Berufsvorbereitungsjahr oder der einjährigen Berufsfachschule intensiv gearbeitet, um Vorurteile abzubauen, Abgrenzung aufzulösen und ihnen auch durch die Stärkung ihrer sozialen Kompetenzen den Übergang von Schule in den Beruf zu ebnen. "Dazu gehört auch die Fähigkeit, mit Menschen, die man nicht mag, zusammenzuarbeiten", sagt Hedwig Rauch. Das Projekt habe gut in das Gesamtkonzept der Hans-Thoma-Schulen gepasst, meint Schulleiterin Claudia Stehle, die darin eine wichtige Ergänzung des Schulprofils sieht. Rechtsextremismus ist an den beruflichen Schulen kein sichtbares Problem, dafür jedoch das rassistische Denken einiger Jugendlicher und vor allem die verbale Gewalt im Umgangston, die von vielen Jugendlichen als normal empfunden werde. Auch hier könne Xenos wichtige Anstöße geben, meint Stehle.

Die Integration wird aktiv angegangen. Auch die Betriebe und Kommunen sind angesprochen, Migration als Normalfall unserer Gesellschaft zu begreifen, sagt Xenos-Projektleiter Bernd Winter. Um die Verbesserung der Chancen benachteiligter Jugendlicher auf dem Arbeitsmarkt zu unterstützen, möchte das Projekt Betriebe gewinnen, die sich durch Bereitstellung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen für die beschriebene Zielgruppe auszeichnen.

So bekommen vielleicht auch Serhat, Tuçe, Malik und Olga eine Chance, ihre Zukunft, die eines Betriebs und die ihrer Kommune aktiv mitzugestalten.

Autor: Thomas Winckelmann