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08. Februar 2012
Es hat "tierisch Spaß" gemacht
Wochenend-Workshop und Konzert mit Ernst Hutter: Musiker aus dem ganzen Hochschwarzwald haben dazugelernt.
HOCHSCHWARZWALD. Das Kurhaus in Schluchsee war am Wochenende der Schauplatz eines Workshops mit dem Leiter der Egerländer Musikanten, Ernst Hutter. Die Fortbildung wurde vom Blasmusikverband Hochschwarzwald für die Mitglieder der 35 Verbandsorchester veranstaltet. Nach dreistündigem Unterricht am Freitag, sieben weiteren Stunden intensiver Probenarbeit am Samstag und der Anspielprobe am Sonntagmorgen präsentierten 32 Musiker unter Leitung von Ernst Hutter sieben Stücke bei einem musikalischen Frühschoppen dar.
Während der Probenarbeit vermittelte Hutter den Teilnehmern, wie böhmisch-mährische Volksmusik stilvoll interpretiert wird. Den richtigen Rhythmus hatten die Musiker beim Klatschen und Schnipsen bald im Blut. An sauberen Tönen, klaren Klängen und der richtigen Intonation wurde hart gearbeitet.Verbandsdirigent Götz Ertle, der die Fortbildung organisiert hatte, zeigte sich im Gespräch begeistert von Engagement und Disziplin der Teilnehmer. Von den 35 Musikvereinen aus dem Verbandsgebiet seien aus 20 Kapellen Musiker gekommen. Von den rund 50 Teilnehmern nahmen 32 aus 15 Vereinen aktiv an den Proben teil und bildeten das Workshop-Orchester. Er beobachte in den vergangenen Jahren ein wachsendes Interesse an solchen Fortbildungen, sagte Ertle. Dabei werde vom Verband stets auf hohe Qualität geachtet.
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Auf Nachfrage zeigten sich die Teilnehmer von dem Wochenende begeistert. Reinhold Weißer vom Musikverein Urach machte der Workshop "tierischen Spaß". Der 47-Jährige musiziert seit 36 Jahren und spielte unter der Leitung von Ernst Hutter eines der fünf Tenorhörner. Lachend erzählte er, dass die Proben sehr anstrengend gewesen seien. Doch die Spieldynamik mit den anderen Musikern sei ein richtig gutes Gefühl gewesen. Dem Trompeter Ralf Kaiser vom Musikverein Grafenhausen ging es ebenso. Die Intensität der Probenarbeit, die Arbeitsweise von Ernst Hutter und das hohe Niveau der Musiker seien etwas Besonderes gewesen. Man habe einiges für das künftige Musikerleben mitnehmen können. Mit ihren 14 Jahren war Jaqueline Booz vom Musikverein Schluchsee die jüngste Teilnehmerin. Ihr gelängen die schnellen Achtel- und Sechzehntelläufe auf der Klarinette jetzt viel besser, erklärte sie. Sie habe gern am Workshop teilgenommen, weil sie das Musizieren liebe. Und der Unterricht sei zwar anstrengend, aber auch lustig gewesen.
Bei der Anspielprobe erteilte Hutter den Musikern letzte Anweisungen. In freundlicher und humorvoller Art gab er den Takt an, bat an einer Stelle um "härtere und trockenere" Spielweise und achtete immer auf höchste Präzision. Hutter weiß durch langjährige Erfahrung sehr genau, wie er Musiker motivieren kann ohne sie zu überfordern.
Kurz darauf strömten die Musikfreunde aus dem gesamten Hochschwarzwald in den Saal. Verbandspräsident Markus Kleiser zeigte sich stolz, die "Kapazität mit Charme" ankündigen zu dürfen, eben Ernst Hutter. Götz Ertle führte durch das Programm und stellte dem berühmten Musiker zwischen den Stücken Fragen, deren Beantwortung das Publikum ebenso andächtig lauschte wie der Musik.
Es erklangen der Marsch "Prager Liebe", die Polka "Späte Liebe", der Walzer "Der Weg zurück", die Polka "Musik fürs Leben", "Der böhmische Wind", die "Anna Polka" und die "Musikantenparade". Hutter dirigierte sein Orchester tänzelnd, dynamisch und sehr liebevoll. Man merkte, wie sehr ihn die Musik beschwingt.
Im Gespräch erzählte er von seiner Kindheit und Jugend, die er in einem musikalischen Elternhaus im Allgäu verbrachte, in dem er mit der Familie bei der gemeinsamen Hausmusik sein Talent entdeckte und verschiedene Instrumente erlernte. Nach seinem Studium an der Musikhochschule in Stuttgart mit Hauptfach Posaune fing er 1985 als Tenorhornist bei Ernst Mosch und den Original Egerländer Musikanten an. Nach dem Tod von Ernst Mosch leitete er die Egerländer gemeinsam mit Toni Scholl, seit 2003 ist er allein für das Orchester verantwortlich.
Hutter berichtete von den Zeiten, in denen die Popmusik noch nicht erfunden war und die Hitparade von der Egerländer Volksmusik angeführt wurde. Eine Monokultur in der musikalischen Landschaft könne nicht gut sein, meinte Hutter. Er selbst verstehe sich auch als Fürsprecher der Musikvereine. Seine Wurzeln werde er nie vergessen, weshalb er gerne die Musiker an der Basis unterstütze. Drei- und viermal pro Jahr lasse sein Terminkalender einen Workshop wie diesen zu. Auch der Auftritt der Egerländer Musikanten zum Jubiläum des Musikverein Grafenhausen 2013 gehöre zur Stärkung der Trachtenkapellen.
Die Musikvereine leisteten nicht nur musikalische, sondern auch hervorragende soziale Arbeit, in dem sie Jung und Alt in einem Orchester vereinen und Freude ins Leben bringen. Die Profis an der Spitze seien mit ihren großen pädagogischen Möglichkeiten in der Pflicht, ihr Wissen an andere weiter zu geben. Deshalb sei die Sommerakademie der Egerländer Musikanten gegründet worden.
Nach dem Konzert samt Interviews dankte Klarinettistin Marianne Kohls dem Dozenten im Namen der Musiker und bemerkte, dass die Herzen der Musiker während des Workshops gewachsen seien. Nach einer Zugabe räumten Hutter und die Musiker aus dem Hochschwarzwald die Bühne für die Blaskapelle Grünwald-Holzschlag, die auf böhmisch-mährische Volksmusik spezialisiert sind.
Ernst Hutter stand dem Publikum für Fragen und Anregungen zur Verfügung, gab Autogramme, verkaufte CDs und strahlte die Lebensfreude aus, die ihm durch seine Musik zu eigen wurde.
Autor: Ute Aschendorf


