Kunstforum Hochschwarzwald

Werke von Volker Ellwanger: Farben spiegeln die raue Kälte

Marion Pfordt

Von Marion Pfordt

Di, 29. April 2014

Titisee-Neustadt

Im Kunstforum Hochschwarzwald sind Malereien und Keramik von Volker Ellwanger zu sehen.

TITISEE-NEUSTADT. Grau ruhen die großen Steingebilde vor einem grauen Himmel. Schwer scheint ihr Gewicht die graue Erde zu bedecken, leicht wirkt nur die kühle Stimmung darum. Der Untergrund des Gouache Bildes ist ein Quadrat, wie bei all den anderen Bildern auch, die sich zum Zyklus "Orte" des Lenzkircher Künstlers Volker Ellwanger formieren.

Die gleichnamige Ausstellung ist die erste Ausstellung des Jahres im Kunstforum Hochschwarzwald in Neustadt. Warum die Ausstellung, entgegen dem ursprünglich geplanten Titel "Unbehauste Orte" das erste Wort abwarf, wird bald klar. Zwar sind auf den Werken Ellwangers, die alle in den Monaten von Dezember bis April entstanden, weder mögliche Bewohner aus dem Heute und dem Gestern konkret abgebildet, doch sie sind spürbar und manchmal angedeutet – leicht, fast traumhaft. So trägt die Kunstschau den reduzierten Titel "Orte", denn unbehaust sind die fiktiven Orte nicht.

Anhaltspunkt und Inspiration für seine Bilder zog Ellwanger aus all den Reisen durch Europa bis Asien, doch keines der dargestellten Orte gibt es so tatsächlich. Zu erleben sind die Eindrücke, die der Künstler auf seinen Reisen gewonnen hat, die Stimmung, die er von Hünengräbern und Felsformationen auffing. Zu betrachten ist die charismatische Mystik, die von den stummen, steinernen Zeitzeugen jahrtausend alter frühmenschlicher Kultur ausgehen.

Rückkehr zu den frühen Wurzeln der Malerei

Volker Ellwanger, Jahrgang 1933, wuchs in Baden-Baden in unmittelbarer nähe eines Friedhofs auf, dessen merkwürdige Magie steinerner Erinnerung an die Toten und an längst vergangenes Leben frühen Zugang zum Künstler fand. Nach langen Jahrzehnten plastischen Schaffens mit Keramik findet der Künstler Ellwanger nun zu den frühgelegten Wurzeln der Malerei zurück und geht eine Symbiose mit seiner tiefer Verwurzelung in Erde, Stein und Fels ein. Bis hin zum Ausdruck der zu bestaunenden Bilder der "Orte". Die lange Lebensphase der formschaffenden Keramik hat Ellwanger nun, in seinen späten Jahren abgeschlossen. Dennoch sind auch einige seiner letzten Keramiken und Bronzegefäßen in stimmungsvoller Harmonie mit den Bildern aus jüngster Zeit zu sehen.

Die Malereien in Gouache und Öl beginnen die Ausstellung und beenden diese, sie umrahmen die Plastiken aus Metall und Ton in stimmiger Symbiose. Das ist im begrenzten Rahmen der Ausstellung "Orte" genau so, wie es im großen Rahmen im Leben des Hochschwarzwälder Künstlers auch ist und war. Alles hängt zusammen: Die Gouache Farben spiegeln in sanfter Deckkraft und Erscheinung, die Transparenz der Zeit wieder und erzählen bereits alleine das Lied von rauer Kälte des Felses in Wasser und Wind. Das kugelförmige große Objekt davor lädt ein, die sandig-körnige Struktur seiner Oberfläche sinnlich zu erfahren und schließt den Kreis des Eindrucks von Fels und Stein.

Schwer, sehr schwer, ruhen in friedlicher Stille die gegossenen Bronzeobjekte in vollkommener Gemeinsamkeit nebeneinander auf ihren Sockeln. Sie scheinen nur klein – ihre verborgene Größe ziehen sie aus der unendlichen Dichte ihres Materials, das mit seiner unerwarteten Schwere verblüfft und wie aus einer anderen Zeit gefallen scheint. Wahr und tatsächlich zu sehen sind in "Orte" weder Zeit noch Ort, weder Abbild noch Farbgestalt. Es geht dem Künstler nicht darum, wahrhaftige Landschaften einfach abzubilden, sie können lediglich eine Inspiration bleiben. Allein der Eindruck des Künstlers auf Stimmung und Gegend sind schließlich wahrnehmbar – und die Art, wie der Betrachter diese schließlich interpretiert.

Die Ausstellung "Orte" ist im Kunstforum Hochschwarzwald in den Ausstellungsräumen der Salzstrasse 16 in Neustadt noch bis 18. Mai zu sehen, samstags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 13 Uhr.