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14. September 2011
Für die Eisenbahn, bis zum letzten Atemzug
Max Steurenthaler hat mit der Figur des weitsichtigen Kommerzienrats Franz-Josef Faller einem der Helden der Höllentalbahn wieder das Wort gegeben.
TITISEE-NEUSTADT. Mit welch zäher Hartnäckigkeit die Schwarzwälder und in ihrem Auftrag der Kommerzienrat Franz-Josef Faller im 19. Jahrhundert kämpften, bis die Eisenbahn durch das Höllental in den Schwarzwald fahren konnte, erfuhren alle Interessierten beim historischen Spaziergang, den Max Steurenthaler alias Kommerzienrat Faller aus Anlass des 900. Jubiläums von Titisee anbot.
Geboren am 18. Februar 1820 in Lenzkirch, kehrte der Kommerzienrat pünktlich zur Geburtstagsfeier der Seegemeinde zurück und erzählte, wie sich seine Vision erfüllte und er gleichzeitig am 21. Mai 1887, einem Festtag für den Hochschwarzwald, sein Leben am Bahnhof in Titisee beendete.Die Zeitreise begann um 1850 in der Strohhutfabrik von Johann Faller in Lenzkirch. Dieser beauftragte seinen Sohn bereits in jungen Jahren mit dem Verkauf der Strohhüte in Italien. "Die Gondoliere in Venedig waren begeistert von den Strohhüten aus dem Schwarzwald", erklärte Faller stolz. Bereits in Italien war der junge Schwarzwälder fasziniert vom Reisen mit der Bahn. Erst recht aber, als er von Freiburg bis London fuhr und dort "gewaltige technische Neuerungen" sah. Sein Entschluss war klar, der Schwarzwald dürfe nicht länger zuschauen, "wie andere die Butter vom Brot holen".
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1862 erhielt er die Einladung zum Großherzog. Er trug ihm sein Anliegen vor und bemängelte, dass sich die Schwarzwälder noch mit der Postkutsche begnügen sollten. Der Großherzog erkannte Fallers Genie, ernannte ihn zum Kommerzienrat und berief ihn als "Berater des Hohen Hauses" in die Erste Kammer des Badischen Landtags.
Die Studie für den Zug in den Schwarzwald besagte: Machbar, die Kosten niederschmetternd, 22 Millionen Gulden – noch teuerer als Stuttgart 21 heute.
Wegen der Angst der Ingenieure vor dem Höllental wurde eine Stichbahn von Donaueschingen bis Neustadt in Erwägung gezogen, ohne Anbindung an Freiburg. Nach dem Motto "Granit ist hart und hart ist edel, und so sind auch die Wälderschädel", argumentierte Faller, "wenn die kaiserliche Prinzessin Maria Antonia durch das Höllental reisen konnte, warum nicht erst recht das moderne Dampfross?"
1869 besprach sich Faller mit dem ersten Hotelier Titisees, Franz-Otto Eigler und den Bürgermeistern Josef Haiss (Viertäler) und Johann Baptist Fürderer (Neustadt). Sie wollten den Bahnbau mit Land und Geld unterstützen. Die Schwarzwälder wählten Faller 1873 in den Reichstag nach Berlin. Dort konnte er Kaiser Wilhelm für das Vorhaben begeistern, das dessen strategischen Plänen entgegenkam.
Die Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz war fertig gestellt, die Höllentalbahn gab es immer noch nicht. Ingenieur Gerwig schlug eine Schmalspurbahn parallel zur 1857 ausgebauten Höllentalstraße vor, was Faller aber nicht dulden wollte, da er die Notwendigkeit einer leistungsfähigen Verbindung von Colmar bis nach Stuttgart und München sah und "keine Spielzeugeisenbahn" wollte. Auf Fallers Empfehlung ließ der Neustädter Bürgermeister Ganter vom Schweizer Ingenieur Karl Müller eine Studie anfertigen. Dieser hatte die Idee, eine Zahnradbahn zur Unterstützung auf einem Teil der Normalspurbahn einzubauen. "1880 war es soweit, alle fraglichen Stellen standen hinter dem Projekt, Gerwig stand in den Startlöchern, und der Großherzog freute sich auf die Eröffnungsfahrt und ordnete an, dass die Lokomotiven im Schwarzwälder Dialekt schnauben müssten", verriet Faller seinen faszinierten Zuhörern.
Zwei Jahre Feinplanung und drei Jahre Bauzeit folgten. Bis zu 500 Menschen arbeiteten an der Strecke. "Viele von ihnen kamen aus Italien und blieben, um ein Schwarzwaldmädel zu heiraten. Deshalb begegnen Ihnen heute hier so viele typische Schwarzwälder Namen wie Bombardi, Valentini, Demattio und Cubiccotti", berichtete Faller. Dann nahm er seine Zuhörer mit ins Jahr 1887. Es war der 21. Mai und es schneite am See. "Der Wunschtraum des Großherzogs ging in Erfüllung, er durfte das triumphale Gefühl auskosten. Die Höllentalbahn ist unter meiner Regentschaft entstanden." Gerade als der Kommerzienrat verkündete, dass Majestät nicht mehr weit sei, fiel er vom Herzschlag getroffen zu Boden und blieb tot liegen.
Mit Klugheit, Beharrlichkeit und Verhandlungsgeschick ist es gelungen, so die Würdigung seiner Majestät, "diese einzigartige und solide finanzierte Bahnstrecke" zu bauen. "Diese Leistung wird reiche Früchte tragen", soll der Großherzog gesagt haben, ehe er nach Neustadt weiterreiste. Eine Woche später, an Pfingsten 1887, erlebte Titisee den ersten Massenansturm an Besuchern.
WARTEN AUF DEN GROßHERZOG
Segen dem, der Segen übt,
den sein Volk aufrichtig liebt,
unser edles Fürstenpaar,
leb in Segen viele Jahr.
An des Eisens Spur gebannt,
pflügt das Dampfross neues Land.
Schwarzwald mach die Tore weit,
für den Einzug neuer Zeit.
Keuchend, schnaubend geht"s bergan,
mit des Dampfross’ Räderzahn,
hat gewonnen es die Höh’
tun die Zähne ihm nicht weh.
Felsenwände starr’n empor
Oft verhüllt von Wolkenflor,
heut fällt heller Sonnenschein
uns in Tal und Herz hinein.
Der Zahn des Zahnrads und der Zeit,
langsam sicher greifend beid.
Dann hört der Besucher das Schnauben der Dampflok im original Schwarzwälder Dialekt: "So hilf mer doch de Schwarzwald nuff" und die kleine Zahnradlock schnaubt beleidigt zurück: "Was willsch denn du, ich helf dir doch!"
Autor: bz
Autor: Liane Schilling
