Geheimnisvolle Skulpturen

Marion Pfordt

Von Marion Pfordt

Di, 16. April 2013

Titisee-Neustadt

Bildhauer Ulrich Sälzle stellt in Neustadt beim Kunstforum Hochschwarzwald aus.

TITISEE-NEUSTADT. Der Stahl, der sich in geometrischer Form in den Raum des Sparkassen-Foyers in Neustadt erhebt, fühlt sich rau an und kalt. Das Dagegenklopfen erzeugt einen dunkel klagenden Ton, der schließlich mit sanfter Verzögerung dumpf schallend verklingt. Daneben ruht horizontal die zweite Stahlskulptur des Bildhauers Ulrich Sälzle, völlig entspannt. Der farbliche Eindruck versprenkelt sich wirr in rostigem Orange, die Farbverläufe folgen wild dem Entstehungsprozess, der sich Schwerkraft und Zufall ästhetisch zu Eigen gemacht hat.

Die Vernissage der ersten Ausstellung des Kunstforums Hochschwarzwald unter dem bezeichnenden Titel "im-umraum" begann in der Sparkasse, bevor die Besucher zu weiteren Werken Sälzles in die Ausstellungsräume an der Salzstraße gingen. Vorstandsmitglied Rainer Mertens bezeichnete die Objekte als plastische Elemente, die den Raum, der sie umgibt, in sich aufnähmen. In Sälzles Arbeit vereinen sich architektonische Elemente und Bildhauerei zu reduzierten Skulpturen, deren verborgene Geheimnisse sich erst durch genaues Herangehen und Hineinschauen lüften. Einschnitte, Ausschnitte und Spalten verschachteln die Grenzen von Objekt und Raum und verwischen diese mit dem daraus resultierenden Schatten und Licht. Der nahe Blick des Betrachters ist unabdingbar und erst das Befühlen lässt ihn die Objekte verstehen, die für die Ewigkeit gemacht scheinen und doch durch Oxidation und Ablagerung als in schleichender Veränderung begriffen gesehen werden müssen.

Teil zwei der Einführung übernimmt Rainer Huschens vom Kunstverein Bahlingen, inmitten der Steinobjekte Sälzles, denen dieser eigene Identität und Wirkung verschaffen will. Manche scheinen wie Findlinge von den Gezeiten zufällig über den Boden verstreut. Andere haben einen Platz an der Wand eingenommen, der sonst Gemälden vorbehalten ist. Hier schaffen die Wandskulpturen sich einen eigenen Daseinsraum durch absolute Reduktion und das Spiel der Schattierungen. Die Findlinge: natürlich wirkende Rundheit und vertraut raue Oberfläche eines uralten Steins. Der Bruch der Logik geschieht mit der genau durchdachten Schnittsetzung der Ausschnittflächen, die das Innerste des Gesteins mit einer glatt glänzenden, ja sich spiegelnden Optik merkwürdig preisgibt. Die Schnittflächen bestimmt der Künstler mit dem Augenmaß.

So entstehen nicht ganz rechtwinklige Raumflächen, Spalten und Löcher, die sich mitten in und an den Steinen ergeben und diese erst zu Sälzles Kunstwerk werden lassen. Er verlagert durch diese Vorgehensweise die Bildhauerei in das Innere des Materials. Der Raum, in dem das Objekt steht, wird zu einem Teil davon, rutscht hinein und wird schließlich davon aufgenommen. Da das Ursprungsmaterial bereits Millionen Jahre alt ist, wird sich der Zustand der von Sälzle freigeschaffenen Räume eine weitere fast unvorstellbare Zeit lang erhalten können. Was auf den ersten Blick klar, geometrisch logisch wirkt, enthüllt bei längerer Betrachtung erst seine unlogische, überraschende Erscheinung, die die Skulpturen aus Eisen und Stein mit den Erkenntnissen der Sehenden lebendig macht.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 5. Mai in Sparkasse und Kunstforum; samstags 16 -18, sonntags 11-13 Uhr (Eintritt frei).