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09. September 2011

Geringes Interesse schmerzt das Kunstforum Hochschwarzwald

Das Kunstforum Hochschwarzwald feiert sein 25-jähriges Bestehen am Wochenende mit Festakt und großer Ausstellung.

  1. Teeschuhe von Marion Menzel, 2008 Foto: Veranstalter

  2. Grit Schumacher hängt in der Salzstraße 16 ihre Bilder auf (2006). Foto: Martina Seiler

  3. Kunst zum Be-greifen? Skulptur von Jürgen Burkhart (2006) Foto: Seiler

  4. Carin Schelkes-Unruh (rechts) und Karin Hessler kennen die 25-jährige Geschichte des Kunstforums Hochschwarzwald. Foto: annemarie Zwick

  5. Farbkräftig: Malerei von Rainer Mertens (2004) Foto: Veranstalter

TITISEE-NEUSTADT / HOCHSCHWARZWALD. Ein Jubiläum ist ein Grund zur Freude, zum Feiern und Erinnern. An Ursprung und Entwicklung, damit verbundene Leistungen, Erlebnisse und Erfahrungen. Ebenso bietet es Gelegenheit zum Ausblick in die Zukunft. Das Kunstforum Hochschwarzwald feiert sein 25-jähriges Bestehen und in die Freude über das Erreichte mischt sich bei den Verantwortlichen die Sorge um den Fortbestand.

Carin Schelkes-Unruh erinnert sich noch lebhaft an die Anfänge: "Den Anstoß gab die Kunstwoche ’Pro Titisee-Neustadt’", sagt die Titiseerin. Im August 1985 war das, im Kurhaus in Titisee. 20 Künstler boten in einer Gemeinschaftsausstellung erstmals Einblick in ihre Arbeiten, deren Thematik und Vielfalt. Die von Carin Schelkes-Unruh mitorganisierte Schau kam so gut an, dass zum Abschluss der Wunsch nach der "Wiederholbarkeit des Ereignisses" laut wurde, auch von städtischer Seite. So lobte damals Bürgermeister Martin Lindler das "beispielgebende Engagement".

Plattform für die jungen Künstler

Die spürbare Euphorie mündete im August 1986 in die Gründung des Kunstforums Hochschwarzwald. Der eingetragene Verein, der schnell 30, 40 Mitglieder zählte, wollte und will laut Satzung "zur Förderung von Kunst und Kultur und zum allgemeinen Kunstverständnis beitragen". Carin Schelkes-Unruh übernahm den Vorsitz, Karl Zähringer wurde ihr Stellvertreter, Detlef Martin fungierte als Schriftführer, Roland Reichert als Kassierer.

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"Das fehlte hier oben, Kunst muss in der Stadt sein", sagt die damalige Vorsitzende auf die Frage nach ihrer Motivation vor einem Vierteljahrhundert. Sie habe sich "immer für Kunst interessiert", erklärt die Juristin im Ruhestand, die gern Kunstgeschichte studiert hätte. Etwas wehmütig erinnert sie sich an die damalige "Aufbruchstimmung", gerade unter jungen Künstlern. Ihnen wollte der Verein eine Plattform bieten, um ihre Arbeiten zu präsentieren und sich mit einer interessierten Öffentlichkeit auszutauschen, diese auch herauszufordern zur Diskussion über Kunst. Diese Auseinandersetzung habe zuvor gefehlt vor Ort. "Kunst im öffentlichen Raum will Provokation und Identifikation", sagt Schelkes-Unruh.

Eine "große Sache" sei das Symposion im August 1988 gewesen. Acht von einer Jury ermittelte Bildhauer ließen die Bevölkerung am Entstehungsprozess ihrer Werke teilnehmen. Doch deren Interesse war für die Künstler wie für die Initiatoren vom Kunstforum enttäuschend gering, die Reaktionen oftmals ablehnend, wie die Recherche im BZ-Archiv enthüllt. Angesichts der von Stadt und Landkreis mitfinanzierten Kosten habe "das Gros der Bevölkerung, aber vor allem der Gemeinderäte quer durch alle Fraktionen, das Bildhauersymposion, das immerhin 100 000 Mark kostete, auf das simple Preis-Leistungs-Verhältnis" reduziert (BZ vom 12. September 1988). Manche Einheimische fühlten sich beispielsweise von der an Anspielungen und Ironie reichen Kiosk-Attrappe des Waldkircher Künstlers Ludwig Köhler an der Seestraße arg provoziert.

Das zehnjährige Bestehen feierte das Kunstforum 1996 mit dem "Kunstherbst". Kunstwerke wurden in Schaufenstern in der Stadt wie auch in einer Turnhalle präsentiert und Führungen dazu angeboten. Ende 1996 mietete der Verein Räume im Haus Salzstraße 16 an. Die Werkstatt einer Glaserei wurde in Eigenarbeit zur Galerie hergerichtet, im November 1997 konnten die Ausstellungsräume eröffnet werden. Die hellen Räume "werden von den Künstlern gut angenommen", sagt Karin Hessler, die seit 2006 Vorsitzende des Kunstforums ist.

Carin Schelkes-Unruh hatte den Verein acht Jahre lang geführt, 1994 übernahm Marianne Klaus das Amt für ebenfalls acht Jahre. Von 2002 bis 2006 war Joachim Hacker Vorsitzender. Die Lenzkircherin Karin Hessler ist als Vereinschefin und Schriftführerin doppelt gefordert, das zweite Amt würde sie zur Entlastung gerne abgeben. Interessierte neue Kräfte sind herzlich willkommen, denn "wir sind ein Altersclub", verrät Karin Hessler lächelnd. Die Zahl der Mitglieder liegt gegenwärtig bei 73.

"Eine menschenfreundliche Stadt muss Kunst haben"

Diese waren gefordert für die Jubiläumsausstellung, die am Samstag mit einem Festakt im Rathaus eröffnet wird. Und die Resonanz fiel ausgesprochen üppig aus: Gleich 78 Objekte werden dort, im Foyer der Sparkasse und natürlich an der Salzstraße zu sehen sein, allesamt bei früheren Kunstforum-Ausstellungen von Vereinsmitgliedern erworben. Professor Volker Ellwanger und der stellvertretende Vorsitzende Rainer Mertens vom künstlerischen Beirat des Vereins hängten die Bilder und platzierten die Keramiken und Skulpturen. "Da kommen schon Werte zusammen", sagt Karin Hessler, die auf guten Besuch hofft.

Gute Resonanz erfahre die jährliche Mitglieder-Ausstellung, bei auswärtigen Künstlern auch mit internationalem Ruf halte sich das Interesse doch sehr in Grenzen: "An machen Tagen kommt gar niemand." Dabei legen der künstlerische Beirat und die Vorsitzende bei der Auswahl der Künstler, deren eingereichte Mappen sie prüfen, hohe Maßstäbe an: "Es muss Qualität haben, es darf kein Hobby sein." Fünf bis sechs Ausstellungen, die diesem Anspruch gerecht werden, bietet das Kunstforum in der Wälderstadt Jahr für Jahr.

Das geringe Interesse schmerzt die engagierten Kunstliebhaberinnen. Auch von der Stadt wünschen sie sich – nicht nur zum Jubiläum – eine Wertschätzung ihrer Arbeit, die sich in der Mitgliedschaft im Verein für 50 Euro Jahresbeitrag (Einzelpersonen 35 Euro) oder gelegentlichen Grußworten von Bürgermeister Armin Hinterseh bei Ausstellungseröffnungen ausdrücken könnte. Der "Gipfel der Anerkennung" seitens der Stadt sei, dass man seit sechs Jahren Bilder im ersten Obergeschoss des Rathauses zeigen könne, sagt Carin Schelkes-Unruh mit leiser Resignation. Doch trotz der insgesamt schwachen Resonanz habe sich ihr Engagement für die Kunst aus ihrer Sicht gelohnt, sagt sie rückblickend. Denn "Kunst ist Heimat, da ist doch ’was dran. Eine menschenfreundliche Stadt muss Kunst haben" als "Sozialisations- und Kommunikationspunkt". Und Karin Hessler stimmt lebhaft zu. Die Zukunft des Kunstforums Hochschwarzwald allerdings sei momentan weder personell noch finanziell gesichert.

Autor: Annemarie Zwick