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07. Oktober 2010

Gestatten? Waldscheidt, Mesa, Müller

Eine vergnügliche Lesung.

  1. Paul Mesa Foto: marion pfordt

TITISEE-NEUSTADT. Wer erinnert sich noch an Stephan Waldscheidt? Richtig, vor drei Jahren war der Saarländer Schriftsteller der zweite Dorfschreiber in Eisenbach. Inzwischen ist sein Roman "Die kleine Göttin der Fruchtbarkeit" erschienen. Um aus dem heiteren Roman zu lesen, begab sich der Autor am Freitag zurück in den Hochschwarzwald und entzückte im Buchladen im Roten Haus das Publikum mit seiner Lesung.

Dass die Schar der Hörer klein blieb, mag vielleicht daran gelegen haben, dass man ihn nach seiner Namensänderung in Paul Mesa nicht wiedererkannt hat. Schon wieder ein Missverständnis – mit dem seinerzeit auch alles begann. "Ich war der Meinung, es handle sich bei der Ausschreibung des Dorfschreibers um ein Stipendium. Aber manche Eisenbacher dachten, ich sei ein Angestellter", erzählt er ohne Zorn, mit einer Portion Humor. Inzwischen kann Waldscheidt, pardon, Mesa, der übrigens eigentlich Stephan Müller heißt, darüber lachen.

Sein vorliegender Roman sei eigentlich die Aufarbeitung eines Traumas, das er in einem kleinen Hotelzimmer in Lissabon erlitten habe, erzählt er gut gelaunt. Tagelang mit einem Magen-Darm Infekt an Bett und Toilette gebunden, kamen ihm die Inspirationen zu Handlung und Romanfiguren. Das Zimmermädchen Bica ist außergewöhnlich klein, außergewöhnlich verliebt und hat ein außergewöhnliches Hobby: Sie piekst heimlich Löcher in die Kondome der Hotelgäste. Manchmal vergessen die Gäste auch Dinge, die sie dann aufbewahrt und sammelt. Bica hängt an diesen Dingen und sie hängt sich an die heimliche Liebe, die sie dem reichen Galao entgegenbringt.

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Diese Geschichte birgt heitere Fröhlichkeit und Humor, aber auch die Tragik des einfachen Lebens dieser charismatischen Figur, die trotz aller Merkwürdigkeiten nichts von ihrer Würde einbüßt.

Man kann sich den Stoff als Film vorstellen

Dass zu diesem weltoffenen und besonderen Roman, der in Frankreich, Portugal und Deutschland und wer weiß wo noch spielt, der Autorenname "Waldscheidt" nicht passt und "Müller" schon gar nicht, verstehen wir. Der Verlag regte den Autor an, ein anderes, ein passenderes Pseudonym zu finden, erzählt er in der ausführlichen und offenen Gesprächsrunde. Mesa – "nein", nicht wie das Unternehmen in Lenzkirch, erzählt er weiter, sondern wie die Tafelberge in Colorado, USA, die ihn besonders berühren. "Mesa" – das klingt international und eingängig. Trotzdem steckt auch ein Stück Hochschwarzwald im schriftstellerischen Leben dieses Paul Mesa, ist das Publikum sicher.

Der Autor spricht über seine bisherige Arbeit und schließt die Lücke zum Abschied vor drei Jahren. Immer wieder tauchen Fragen auf, die er bereitwillig beantwortet. Bald wird der Roman um die Liebe und das Leben auch in französischer Sprache erscheinen, und wer das Buch gelesen hat, kann sich den Stoff als Film vorstellen. Und am Anfang stand ein Vierteljahr im Leben des Paul Mesa im Hochschwarzwald, als Dorfschreiber von Eisenbach.

Autor: Marion Pfordt