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24. Mai 2011

"Gute Idee und unternehmerischer Mut können vieles verändern"

BZ-INTERVIEW mit Axel Liebetrau: Der Innovations- und Zukunftsexperte möchte seine Zuhörer beim ersten Unternehmertreff 2011 für das Querdenken erwärmen.

  1. Axel Liebetrau Foto: Privat

TITISEE-NEUSTADT. Zum Auftakt der Reihe "Unternehmertreff" in diesem Jahr gibt am Donnerstag Axel Liebetrau seine Visitenkarte im Hochschwarzwald ab. Der "Experte für Innovation und Zukunft", wie er sich nennt, ist der Referent des – bereits ausverkauften – Abends in der Förberhofmühle in Langenordnach. Er will seinen Zuhörern das Querdenken nahebringen. Was er darunter versteht und was die Besucher erwartet, hat unser Redakteur Peter Stellmach nachgefragt.

BZ: Herr Liebetrau, es gibt bestimmt erfolgreiche Unternehmer, die zielstrebig vorgehen und Erfolg haben. Warum bitteschön sollten die querdenken?
Liebetrau: Erfolgreiche Business-Beispiele zeigen: Ideen für Innovationen entstehen in den seltensten Fällen, wenn man sich nur mit der eigenen Branche beschäftigt. Innovationen und neue Ansätze finden jenseits der Branchengrenzen statt – im sogenannten "Crossing" mit branchenfremden Trends. Man kann aus jeder anderen Branche etwas lernen.

BZ: Können Sie Beispiele anführen, wo das Querdenken auch jemanden aus einer vielleicht misslichen Lage heraus zum Erfolg geführt hat?

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Liebetrau: Aus der Not heraus entstehen viele gute Ideen und Strategien. Dennoch, Innovationen zu entwickeln ist keine defensive Absicherung gegen missliche Lagen. Das primäre Motiv des Innovationsmanagements ist es, Marktchancen frühzeitig zu erkennen und zu nutzen und damit das Unternehmen zu neuen Horizonten zu führen. Aus meinen Praxisprojekten darf ich aufgrund der Verschwiegenheit nichts anführen. Klassische Beispiele von Weltunternehmen wie Apple (wäre das beste Beispiel) würden eine unnötige Distanz aufbauen (Weltkonzern, was hat dies mit mir als Kleinunternehmer im Schwarzwald zu tun). Daher nehme ich Henry Ford, den Erfinder des Autos als Massentransportmittel. Er sagt einmal: "Wenn ich meine Kunden gefragt hätte was Sie wollen, dann hätten Sie gesagt, ein schnelleres Pferd!". Dies trifft die Sache sehr gut, nur immer in den gleichen Denkpfaden zu bleiben schafft nichts wirklich Neues und Revolutionäres wie es Ford erschuf.
BZ: Was braucht es zum erfolgreichen Querdenken? Nur die Idee und den Mut, aus dem Trott auszubrechen? Das wird manchem als zu gewagt erscheinen!
Liebetrau: Eine gute Idee und unternehmerischer Mut können eine enorme Kraft haben und vieles verändern. Alle großen und kleinen Innovationen, Erfolgsgeschichten und spannenden Wagnisse starten mit einer kleinen Idee.
BZ: In einem Vorgespräch haben Sie angeregt, man möge nicht alle Vorhersagen nehmen, als wenn sie in Stein gemeißelt stünden. Wie meinen Sie das?
Liebetrau: Philosophen, Denker und Zukunftsforscher haben seit Menschengedenken ihre Gedanken zu sinnvollen Vorhersagen gemacht und die Literatur füllt ganze Bibliotheken. Nüchtern gesehen sind Vorhersagen Spekulationen über die Zukunft. Die Zukunft ist die Zeit, welche noch vor uns liegt. Pragmatisch gesehen, ist Zukunft ein Möglichkeitsraum, welchen wir gestalten können. Diese unternehmerisch geprägte Definition ist meine liebste Sichtweise auf die Zukunft. Vorhersagen sollen daher die Zukunft nicht vorhersagen, sondern uns helfen, uns auf die Zukunft vorzubereiten.

"Wer führend sein will,

muss viel schneller

entscheiden als früher."
BZ: Kann man Ihre Strategie einfach so übertragen auf die Verhältnisse im Hochschwarzwald oder in Titisee-Neustadt? Gilt das für große Unternehmen so wie für den Einzelhändler, oder, sagen wir: den Metzger und das Nagelstudio?
Liebetrau: Ich liefere keine allgemeingültigen Strategien, sondern notwendiges Wissen und einfache Methoden, wie man unternehmerisch mit Zukunft und Innovationen umgeht. Dies ist für Unternehmer in Titisee-Neustadt ebenso wichtig wie in Frankfurt, Peking oder New York. Ich spreche den Unternehmer als Menschen an, nicht das Unternehmen als Organisation. Somit ist dies für einen Unternehmer in einem Einzelunternehmen oder in einem internationalen Konzern gleich wichtig.

BZ: Aber ist das nicht alles graue Theorie, die nicht aufgeht, wenn die berühmten Umstände und Zwänge übermächtig scheinen, hier die Strukturschwäche mit Abwanderung, Mangel an Arbeitsplätzen und Kaufkraftschwund gegenüber den Verlockungen etwa in Freiburg?
Liebetrau: Genau um dies geht es doch! Die Botschaft ist relativ einfach. Wer heute in einem Markt führend sein will, muss viel schneller und mit deutlich mehr Unwägbarkeiten entscheiden als noch vor wenigen Jahren. Als Unternehmer kann ich diese externen Umstände und Zwänge nicht verhindern, aber ich kann ein frühzeitig erkanntes Risiko als Chance für mein Business nutzen.

BZ: Sie kennen Titisee-Neustadt und die Verhältnisse nicht oder nur ungefähr. Aus welchen Grundlagen schöpfen Sie, wie haben Sie sich vorbereitet, um auf örtliche Fragen eingehen zu können?
Liebetrau: Meine Expertise liegt in der Erfahrung aus über 200 internationalen Projekten und 24 Jahren als Managementberater, Forscher, Unternehmer. Ich sehe mich als Grenzgänger und Vermittler zwischen Wissenschaft und Praxis. Aus dem Erfahrungsschatz schöpfe ich.

BZ: Gewöhnlich fragt man Publikum, was es sich von einem Auftritt erwartet. Was erwarten Sie sich? Gute Zuhörer oder eine angeregte Diskussion? Wann hätte sich Ihr Einsatz hier gelohnt?
Liebetrau: Ich wünsche mir einen informativen und inspirierenden Dialog zwischen Unternehmer und Unternehmer. Der Einsatz hat sich gelohnt, wenn jeder Gast eine neue, kleine Idee für sein Unternehmen mitnehmen kann und diese erfolgreich umsetzt.

BZ: Mal abgesehen vom Querdenken, was können Sie noch raten, den Unternehmern, aber auch der Kommunalpolitik, die Weichen stellen soll?
Liebetrau: Nutzen Sie die angewandte Innovations- und Zukunftsforschung als einen Selbst-Reflexionsprozess. Sinnvoll ist die Arbeit mit Innovationen und Zukunft dann, wenn sie in einem Unternehmen oder einer Non-Profit-Organisation einen Lernprozess erzeugt. Letztlich geht es darum, einen Wandelprozess zu verstehen und unternehmerisch zu nutzen. Am besten und treffendsten hat dies der Zukunftsforscher Alvin Toffler einmal formuliert: "Es geht in Zukunft darum, nicht mehr aus der Vergangenheit, sondern aus der Zukunft zu lernen!".

Axel Liebetrau (40) aus Wiesloch firmiert als Experte für Innovations- und Zukunftsmanagement, Redner und Unternehmer "aus Leidenschaft". Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung als Banker, Trainer und Managementberater und der Ausbildung als Diplom-Betriebswirt (FH) und MBA in International Management Consulting. Er hält Vorträge und Seminare zu innovativen Themenfeldern in Unternehmen, Verwaltungen und Universitäten, lehrt und forscht in Zürich, Krems (Österreich) und Cheltenham (England) Open Innovation und Strategic Foresight.

Autor: pes