Hand in Hand für mehr Hilfe

Thomas Winkelmann

Von Thomas Winkelmann

Mi, 12. Dezember 2018

Titisee-Neustadt

Rund 350 Ehrenamtliche sorgen bei der Lebenshilfe Südschwarzwald für ein vielfältiges Angebot / Neue Verordnung macht Probleme.

TITISEE-NEUSTADT. Viele Menschen mit Behinderung leiden unter Bewegungsmangel. Geistige Behinderung führt meistens dazu, dass eine sportliche Betätigung nicht ohne besondere Anleitung stattfinden kann, eine körperliche Behinderung benötigt ein spezielles auf diesen Menschen ausgerichtetes Angebot. Die Lebenshilfe Südschwarzwald hat für alle Behinderungsarten unterschiedliche Angebote.

Das sind zum Beispiel Schwimmtreffs, Fußballtraining, Gymnastikgruppen oder auch tanzpädagogische Gruppen. Bernd F. freut sich über diese Angebote. Der 40-Jährige wohnt in einem Wohnheim, er hat keine Familie mehr und verfügt lediglich über das geringe Einkommen durch seine Arbeit in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Bernd leidet unter starken Spastiken. Nun hat er für sich entdeckt, dass er gerne Gruppentänze macht. Mit einer finanziellen Unterstützung aus den Spendengeldern der BZ-Weihnachtsaktion kann er an einer regelmäßigen Tanzgruppe teilnehmen, die von einer erfahrenen Tanzpädagogin angeboten wird. Neben den Bewegungsübungen, die für seine Spastik sehr wohltuend sind, genießt er dabei vor allem auch die Begegnung mit anderen Menschen.

Die Lebenshilfe Südschwarzwald fördert mit den Geldern der BZ-Weihnachtsaktion unter anderem die Bewohner in den Behindertenwohnheimen im Hochschwarzwald. Lebenshilfe-Geschäftsführer Uli Pfeiffer: "Noch immer sind diese Menschen, wenn sie nicht einen finanziell starken Hintergrund durch die eigene Familie haben, sehr auf fremde Hilfe angewiesen, um sich noch ein Stück Selbstständigkeit außerhalb der Heime zu bewahren." Für diesen Personenkreis sei es ohne Unterstützung von außen nahezu unmöglich, ein paar Tage außerhalb der gewohnten vier Wände und damit ohne die Vorgaben der Heime zu leben. "Wir wollen diesen Menschen mit Hilfe eines BZ-Zuschusses ein ganz kleines Stück Freiheit und Selbstbestimmung ermöglichen", so Pfeiffer. Dazu gehören die freie Entscheidung über Aufsteh- und Zubettgehzeiten, die individuelle Wahl für Essenszeiten, die Wahl des Aufenthaltsortes, die erweitere Auswahl für Freizeitaktivitäten, die leichte Möglichkeit für persönliche Kontakte außerhalb des Wohnheimes und die neuen Kontaktmöglichkeiten gegenüber anderen Mitbürgern. Durch die Unterstützung der BZ-Leser, Vereine und Firmen im Hochschwarzwald können unter anderem regelmäßige mehrstündige Treffen in einem Club, ein wöchentliches Sportangebot oder auch Ausflüge und Wanderungen oder auch eine kleine Reise finanziert und ermöglicht werden. Generell steht die Lebenshilfe vor dem Problem, dass die von ihr umsorgten Personen zunehmend älter werden und damit einen noch höheren Pflegeaufwand erfordern.

Neben den festangestellten Mitarbeitern der Lebenshilfe engagiert sich eine große Zahl an Ehrenamtlichen in der Behindertenhilfe. Ohne die Menschen, die sich freiwillig in einen Dienst stellen und ehrenamtlich tätig werden, könnte die Lebenshilfe viele Angebote nicht machen. Nach neuesten Umfragen geben etwas mehr als 50 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland an, irgendwie und irgendwo ehrenamtlich tätig zu sein. In der Lebenshilfe, die im Hochschwarzwald und im Landkreis Waldshut tätig ist, sind das alleine rund 350 Personen. In größeren, städtischen Diensten, wie beispielsweise in der Lebenshilfe Breisgau in Freiburg, sind es schon 1000 Personen. Diesem großen sozialen Engagement vieler Menschen kommt nun zunehmend die Politik in die Quere und stellt die sozialen Dienste vor schier unlösbare Probleme, wie Uli Pfeiffer berichtet.

Für Ärger sorgt in Baden-Württemberg vor allem eine neue Verordnung. "Durch sie wird versucht, alle Ehrenamtlichen in unserem Bereich der Behindertenhilfe zu instrumentalisieren. Wir als Organisationen werden gezwungen, diese ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer nun in vorgeschriebenen Themen und mit vorgeschriebenem Aufwand zu schulen. Damit wird mit der gesellschaftlichen Freiwilligkeit gebrochen und der Versuch unternommen, Ehrenamtliche als Ersatz für notwendige Mitarbeiter zu benutzen, die möglichst nichts kosten sollen aber allerhand Arbeiten, die normalerweise von Profis auszuführen sind, übernehmen können." Gleichzeitig werde den Diensten untersagt, in diesen Bereichen mit hauptamtlichen Kräften zu arbeiten. Alle Eingaben über die Landesverbände, an Landespolitiker und an das Sozialministerium hätten bisher keinen Erfolg gehabt. Der Zwang, Ehrenamtlichen die Leichtigkeit der Mitarbeit zu nehmen, sei ein Tabubruch, der die gesamte Behindertenhilfe im Bereich der sogenannten Offenen Hilfen erschütterte. Uli Pfeiffer: "Noch niemand weiß, wie sich das Jahr 2019 daraufhin gestalten wird".

Damit die sozialen Dienste im Hochschwarzwald weiterhin Menschen schnell helfen können, bittet die BZ für die Unterstützung. Dazu zählen auch haltbare Lebensmittel, die vormittags in der BZ-Geschäftsstelle abgegeben werden können.

Spendenliste:
Wolfgang Gruener (50), Martha Hug (30), Reinhold Hasenfratz (50), Mirko und Jela Beric (30), Bernhard Ketterer (25), Gerd und Gabriele Knospe (200), Ute Eble (100), Oswald Ganter (50), Josef und Barbara Rappenegger (20), Johann und Irma Fritsche (40), Christine Frank (100), Theresia Vogelbacher (10), Bernhard Schuler (20), Helga Vogt (30), Waltraud Blatter (20). Klaus Hagius (50), Ralf Grossmann (100), Werner Teetz (100), Ludwig Fehrenbach (75).

Spenden sind möglich unter:

Sparkasse Hochschwarzwald:

IBAN: DE28 6805 1004 0004 0100 88

BIC: SOLADES1HSW

Volksbank Freiburg:

IBAN: DE21 6809 0000 0018 0981 05

BIC: GENODE61FR